Jeanneau Jeanneau

Test: Jeanneau Leader 30

Alle Achtung - Teil 3

Peter Lässig am 21.01.2018

Technik

Ein Teil der hinteren Sitzbank und (je nach Klapprichtung der Rückenlehnen)auch der Hecksonnenliege bildet den Motorraumdeckel; dieser wird elektrisch bewegt. Eine Einstiegshilfe in den Motorraum fehlt. Der Motor steht rundum frei und ist, wie auch Tank, Batterien, Kraftstoffvorfilter und die übrigen Einbauten, daher gut zugänglich. Es ist aber nicht alles optimal platziert im Motorraum, Schraubenenden stehen hervor, und Schläuche und Kabel scheuern auf unbehandelten Schnittkanten in Schottwanddurchbrüchen. Die elektrischen und technischen Installationen erfahren daher eine Abwertung. Die Batteriehauptschalter befinden sich unter dem Niedergang zum Wohnbereich und die Sicherungen hinter einer Klappe in der Unterflurkabine – beides leicht zugänglich.

Sicherheit

Der Stauraumboden in der Hecksitzbank kann entfernt werden, wodurch der Motorraum im Notfall von oben zugänglich ist. Eine automatische Feuerlöschanlage sowie eine elektrische plus eine manuelle Lenzpumpe im Motorraum gehören zum Standard, ein Wasser­alarm im Dieselvorfilter dagegen unsinniger­weise nicht. Die Griffe der fernabschalt­baren Kraftstoffhähne verbergen sich im Kleiderschrank in der Unterflurkabine. Die Haltemöglichkeiten auf dem Boot sind strategisch gut verteilt. Die Badeleiter lässt sich vom Wasser aus betätigen, und in die Plattform sind Haltegriffe inte­griert.

Wohnen und Komfort

Für ein Boot dieser Kategorie verfügt die Leader über ein verblüffend großes Raum­angebot. Auf dem zur Verfügung stehenden Platz hat die Werft zwei ansehnliche getrennte Kabinen mit Schlafplätzen für vier Erwachsene geschaffen. Diese verteilen sich auf die Kabine unterm Cockpit und den Salon vorn, wenn dort die Sitzgruppe in eine Liege umgewandelt wird. Hinzu kommen noch ein akzeptabel dimen­sioniertes Bad mit WC sowie die passable Pantry. Die Stehhöhen sind ebenfalls ausreichend.

Nicht zu vergessen: die Stauräume auf und unter Deck. Das Cockpit glänzt mit seiner trickreichen Sitzbank – durch Umklappen der Rückenlehnen hinten lässt sich daraus eine große Sonnenliege machen. Die Liegen auf dem Vordeck, die mit wenigen Handgriffen in Sitzliegen umgewandelt werden können, wenn man das entsprechende Zubehör hinzukauft, soll hier ebenfalls nicht un­erwähnt bleiben. Dass die Navi­gations­lampen für den deutschen Teil von Nord-, Ostsee und Teile der deutschen Binnen­gewässer nicht zuge­lassen sind und sich Verdeck und Plane (genauso wie der für ein Verdeck erforderliche Geräteträger) nur auf der Zubehörliste finden, führt zur Abwertung.

Fazit

Jeanneau hat mit der Leader 30 fast eine eierlegende Wollmilchsau geschaffen – für ein solches Platzangebot benötigen andere meist mehr Rumpflänge. Die Fahreigenschaften sind ebenfalls erstklassig, auch wenn man
Gas geben muss, um Sprit zu sparen. Ein nahezu perfektes Boot für Familien und Wassersportler, wenn die Werft das Verarbeitungs-Fein­tuning nicht aus den Augen verliert.

Dieser Artikel erschien in der BOOTE-Ausgabe 03/2017

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Peter Lässig am 21.01.2018