Linssen Grand Sturdy 30 Sedan Linssen Grand Sturdy 30 Sedan

Test: Linssen Grand Sturdy 30 Sedan

Eins, zwei und los...

Ralf Marquard am 23.09.2019

Wir fuhren die Grand Sturdy 30 Sedan auf dem Grevelingenmeer. Sie eignet sich gut für das Pärchen mit Reiselust

Die Pressemitteilung von Linssen beschreibt die Grand Sturdy 30.0 AC und 30.0 Sedan als „zwei stabile, leicht zu manövrierende Yachten, mit denen alle europäischen Binnengewässer – Flüsse, Kanäle und Seen – gut zu befahren sind. Aber auch ein Törn „außen herum“ durch geschützte Küstenreviere sei mit den neuen Grand-Sturdy-Modellen möglich.“

Eine Einschätzung, die wir durchaus teilen. Unser Testboot, die Sedan-Ausführung, eignet sich aufgrund ihrer geringen Durchfahrtshöhe besonders für Binnenreviere mit niedrigen Brücken.

Fotostrecke: Linssen Grand Sturdy 30 Sedan

Sie hat jedoch im Vergleich zu ihrer AC-Schwester nur eine feste Koje im Vorschiff. Bei beiden identisch ist das "Easy-Sleep-Convert-System" im Salon. Dabei handelt es sich um die Umbaumöglichkeit der Sitzecke in eine vollwertige
Doppelkoje.

Die Prozedur des Umrüstens möchte man natürlich auf längeren Reisen nicht täglich durchlaufen, daher bietet sich die Koje für Wochenend-Gäste oder für den Besuch von Enkelkindern an. 

Im Normalbetrieb als Sitzecke, finden dort locker drei Personen bequem Platz. Nimmt man noch den Hocker vom kleinen Schreibtisch dazu, ist das Quartett komplett. Eine Besonderheit noch am Steuermannstuhl: Seine Lehne lässt sich um 180 ° in den Fußraum klappen. Auf das dann freie Polster des Fahrersitzes, legt man entweder bequem seinen Arm ab oder eine Person setzt sich darauf und lässt die Beine Richtung Bootsmitte baumeln.

Wer einen Fernseher wünscht, bekommt ihn in den bereits erwähnten Schreibtisch integriert. Von diesem Büroplatz an Backbord schließt sich nach vorn die Wirkungsstätte des Smutje an. Hier findet man 3-Flammen-Gaskocher, 80l-Kühlschrank mit Gefrierfach, passende Staumöglichkeiten und Arbeitsflächen.

In den Schlaf- und Pflegebereich geht es über zwei Stufen eine Etage tiefer. Die Doppelkoje ist vorbildlich mit Lattenrosten unterlüftet und Stufen an beiden Seiten garantieren den einfachen Einstieg in die bequeme Koje. Schränke mit Einlegebrettern und Ablagen sind genügend vorhanden. Ein Schrank zum Aufhängen von Kleidung ist am Aufgang zum Salon untergebracht.

Wer in den Toiletteraum möchte, geht entweder durch eine Tür vom Vorraum oder von der Bugkabine aus. Bei der zweiten Variante muss man sich jedoch "dünne machen", da die Tür konstruktionsbedingt gegen die Matratze schlägt und die Eingangsöffnung nur eine Breite von etwa 0,36 m hat. Gleiches gilt für den Eingang in die Dusche.

Mit einer Größe von 1,80 m musste ich den Kopf in beiden Räumen etwas einziehen, da die Raumhöhen im Mittelwert um die 1,78 m liegen. Der Platz um das WC reicht für eine erwachsene Person gut aus. Im Duschraum gegenüber sorgt eine Bank für die entspannte Körperpflege.

Eine weitere Duschmöglichkeit gibt es auf der Badeplattform, die hauptsächlich für das Abspülen nach dem erfrischenden Bad genutzt wird. Für den bequemen Ein- und Ausstieg ist eine vom Wasser aus gut zugängliche Badeleiter vorhanden. Um vom Cockpit auf die Badeplattform zu gelangen, muss man vorher das Mittelteil (eigenständige Hocker) aus der Cockpitbank herausnehmen und die Hecktür öffnen.

Unser Testboot hatte keine Polster auf der Bank, die über die gesamte Bootsbreite reicht, und die man auch als Liege nutzen kann. Über alles thront das neue "Linssen Longtop extended roof".

Fahren und Technik

Die schon erwähnte Fahrerbank lässt sich so vor und zurück schieben, dass man immer eine passende Sitzstellung findet, um das Steuerrad ungehindert zu drehen. Zum Bedienen der mechanisch arbeitenden Einhebelschaltung muss der Skipper sich etwas vorbeugen.

Die Frontscheibe aus Sicherheitsglas ist mit breiten Streben dreigeteilt, die Fenster direkt am Steuerstand und in der Mitte haben Scheibenwischer, das an Backbord aber nicht, da es als Lüftungsmöglichkeit zu öffnen ist.

Als Instrumentierung installiert Linssen einen Drehzahlmesser mit Digitalanzeige von Volvo Penta, einen Monitor für die Navigation, und für die Bordtechnik ist ein Schalterpanel mit Digitalanzeige – das zum sogenannten "ICCES-System" gehört – zuständig. Dabei handelt es sich um zwei identische Panels (eines am Fahrstand und eines an der Pantry), die mit einer Zentraleinheit im Motorraum verbunden sind, und über die man alles regeln, schalten und verwalten kann.

Zum Fahren: Mit solch einem Verdränger geht es natürlich gemütlich voran. Maximal haben wir auf unserem Testrevier, dem Grevelingenmeer, 6,3 kn gemessen. Wirtschaftlich ist man mit gut 2000 U/min um die 5 kn unterwegs, dann fährt die 30.0 Sedan mit einer Tankladung plus die obligatorischen 15 % Reserve etwa 250 sm weit. Und das alles bei einem entspannten Geräuschpegel.

Hektik kommt auch beim Kurshalten nicht auf, man muss die Linssen etwas einpendeln lassen und nur ab und zu einen Tick korrigieren. Schnelle Manöver wie die enge Kurvenfahrt quittiert der Rumpf mit nur geringer Schräglage auf der Kurvenaußenseite.

Zurück im Hafen zeigt sich unser Testboot mit dem Bug- und Heckstrahlruder (Extra) wendig und gibt damit dem Skipper beim Anlegen am Steg und in der Box Sicherheit. Die geben außerdem die Feuerlöschanlage im Motorraum und der zusätzliche Feuerlöscher. 

Zwei elektrische Lenzpumpen sind zwar komfortabel, können die von uns geforderte zusätzliche Handlenzpumpe jedoch nicht ersetzen. Zur Betriebssicherheit gehören der gut erreichbare Motor (unterm Salonboden) genauso wie die ordentliche Leitungsverlegung und die Ausrüstung mit Extradieselfilter.

Bewegungssicherheit geben Antislipstrukturen, Handläufe und Reling. Wer vom Seitendeck ins Cockpit (oder umgekehrt) steigen will, muss aufpassen, dass er seinen Kopf nicht am Cockpitdach stößt. Den Rumpf schützt bei kleinen Remplern eine dicke, schiffig aussehende Wieling.

FAZIT

Die Linssen Grand Sturdy 30.0 Sedan ist ein Reiseboot für zwei Personen, die gern binnen fahren – der Abstecher an die Küste ist natürlich ebenfalls möglich. Sie fährt verdrängertypisch und lässt sich mit Bug- und Heckstrahlruder sicher im Hafen anlegen und in der Schleuse manövrieren. Innen und außen zeigt unser Testboot einen qualitativ hochwertigen Standard.

 

Diesen Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe 2018 von BOOTE.

Ralf Marquard am 23.09.2019