Nimbus C9 Nimbus C9

Test: Nimbus W9 und C9 im Vergleich

Voll im Trend

Ralf Marquard am 07.12.2019

Nimbus W9 gegen C9: Sie bauen auf dem gleichen Rumpf auf, haben aber unterschiedliche Layouts und Antriebsarten

„Auf einem Rumpf baut alles auf“ lautet die Formel, die Nimbus für seine 9er-Modellreihe W, T und C wählt und die aus Sicht der schwedischen Bootsbauer zum Erfolg führen soll. Alle drei Boote verfügen über die gleiche Rumpfschale.

Alles weitere wie Deck, Layout und Funktionalität sind individuell und dem Namen des jeweiligen Modells entsprechend gestaltet: Weekender, Tender und Commuter.

Fotostrecke: Nimbus C9

Der Kunde hat also die Wahl. Ein einfaches Konzept, das immer mehr Werften für sich entdeckt haben. Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, testeten wir zwei Boote des Trios, die W9 und die C9, und nahmen natürlich auch die Unterschiede im Ausbau unter die Lupe.

Aber damit noch nicht genug, auch die Motorisierung ist flexibel, es werden nicht nur unterschiedliche Leistungen angeboten, sondern auch noch die Wahlmöglichkeit zwischen Innenbordern und den immer beliebter werdenden, leistungsstarken Außenbordern.

Fotostrecke: Nimbus W9

Für unser Testduo heißt das: Die Nimbus W9 fährt mit einem Mercury 350-Verado, der von einem Supercharger aufgeladen wird; die Schwester C9 mit einem hubraumstarken Volvo Penta 300-PS-V8-Benzin-Innenborder. Und der bringt mit seinem Z-Antrieb mit Duoprop auch schwerere Boote gut ins Gleiten. Aber auch der Stahlpropeller des Mercury erledigt seine Aufgabe überzeugend.

Aber erst mal zu den unterschiedlichen Layouts: Beide haben in der Bugkabine eine Doppelkoje. Ihre Abmessungen unterscheiden sich nur gering, anders sieht es beim Einstieg in die Kojen aus, denn hier hat die C9 eine tiefgezogene Kante, was das Reinkrabbeln in die Koje etwas schwieriger gestaltet als bei der Weekender-Ausführung. 

Weiteres Komfortplus bei der W9: Unter den gemütlichen Polstern ist ein Gitternetz gelegt, das für eine gute Unterlüftung sorgt. Dieses Gitter ist jedoch Zubehör und kann jederzeit auch für die Commuter-Version bestellt werden – was wir empfehlen. Bei der Nasszelle hat der Konstrukteur keine Unterschiede gemacht, hier fallen beide Räumlichkeiten identisch groß aus und sind auch mit dem gleichen Komfort ausgerüstet.

Dazu gehört eine Marine-Toilette, ein Waschbecken und ein Seitenschrank, der genügend Staumöglichkeiten bietet. Die Stehhöhe von etwa 1,50 m ist nicht üppig, reicht jedoch zum normalen Einstieg und natürlich auch für die Toilettenbenutzung. Möchte man sich die Zähne am Waschbecken putzen, bietet sich der Klodeckel auch als Sitzmöglichkeit an.

Der Grund für die etwas kleinere Liegefläche in der C9 liegt am Einbauort des Küchenblocks, denn der befindet sich in der Kabine im Eingangsbereich (bei der W9 steht hier ein Kleiderschrank) und ist mit Spülbecken und 1-Flammen-Herd ausgerüstet.

Die Staumöglichkeiten fallen nicht besonders üppig aus. Das sieht auf der W9 mit ihrer Pantry im Cockpit schon großzügiger aus. Der gesamte Block ist breiter und besitzt tiefe Schubladen sowie einen Schrank. Der Herd ist hier mit zwei Kochfeldern ausgestattet und der Kühlschrank gleich mit integriert.

Bei der Schwester C9 findet man ihn in der Seitenwand im Fahrerhaus. Im Letzteren ist die Crew vor Wind und Wetter gut geschützt, es lässt sich mit dem Schiebedach von Waeco jedoch ruck, zuck in einen sonnigen Platz umbauen. Ein Dach hat die W9 auch.

Dabei handelt es sich um ein aufpreispflichtiges T-Top, das mit einem elektrisch zu bedienenden Faltdach ausgerüstet ist und auch hier die Sonne von oben hereinlässt. Die Seiten verschließt man mit Stoffverdeckteilen, die man an das Dach mit umlaufenden Reißverschlüssen befestigt.

Insgesamt fällt die Sitzecke in der Weekender-Version großzügiger aus als bei der Commuter, die aufgrund der Abmessungen vom Fahrerhäuschen schon eingeschränkt wird. Hier gibt es zwar auch eine wandelbare Sitzecke mit Tisch, doch auf der W-Version verlagert der Designer sie einfach nach achtern und seitlich ins offene Cockpit. Dadurch sind ihre Abmessungen entsprechend größer.

Wer den offenen Bereich auf der C-Klasse betritt, findet auf dem erhöhten Motorraumdeckel bequeme Polster und eine Lehne. Auch hier kann es sich die Fahrgemeinschaft gemütlich machen. Für Sonnenhungrige gibt es auf beiden Booten auf dem Vordeck eine weitere Liegemöglichkeit, die Bugpolster muss man jedoch gegen Aufpreis bestellen. Im Heckbereich des Testduos findet man aufgrund der Motorisierungen große Unterschiede:

Den eben erwähnten Motorkasten gibt es bei der W-Version nicht, anstelle dessen findet man hier einen riesigen Stauraum unter der Heckbank. Weiter nach achtern schließen sich die Badeplattformen an. Hier fällt natürlich die große durchgängige Plattform des Innenbordermodells auf. Die des Außenborderbootes ist zwar auch nicht gerade klein, doch der Außenborder in der Mitte teilt und verkleinert sie einfach. Um gut ins und aus dem Wasser zu steigen, findet man auf beiden Modellen lange und breite Badeleitern, die sich vom Wasser aus ausklappen lassen. Für die Bewegungssicherheit an Bord sorgen rutschfeste Bodenstrukturen sowie eine passende Anzahl an Haltegriffen und Handläufen.

Gewöhnungsbedürftig sind beim ersten Betreten der Boote die Stufen in den Böden. Auf der W9 empfiehlt es sich, das Seitendeck an Steuerbord zu benutzen, da es spürbar breiter ausfällt als auf der gegenüberliegenden Seite. Das ist besonders beim Schleusen und Anlegen wichtig zu wissen. Auf die gleich breiten Seitendecks der C9 gelangt man bequem vom Steuerhaus über die Seitentüren.

Auch hier macht es Sinn (besonders wenn man alleine fährt) an der Steuerbordseite anzulegen, da sich hier auch der Fahrstand befindet und man durch die Tür gut das Seitendeck mit Mittelklampe erreicht.

Fahren und Manövieren

Die Fahrstände sind auf den Booten ergonomisch angeordnet und die Bedienelemente gut zu erreichen. Zur Standardausrüstung gehören ein 10-Zoll-Garmin-Monitor, die Motoren-Überwachungsanzeige und Kompass. Wer zwei Zwölf-Zoll-Monitore haben möchte, muss etwa 4500 Euro Aufpreis zahlen, genügend Platz ist auf jeden Fall vorhanden.

Bei den Sitzen (kann man vor- und zurückschieben, bei der W9 auch drehen) ist man sich wieder einig und baut fest gepolsterte Möbel in Sportausführung ein. Beim Blick durch die Scheibe fallen bei der C9 kräftigere Spiegelungen (bei achterlicher Sonne) auf als bei der W9. Dafür besitzt die Pendler- Version eine Defrosteranlage (nur mit Innenborder möglich). Außerdem findet man zwei Scheibenwischer mit Waschanlage auf beiden Testbooten. Wer sich auf den Fahrerplatz der Weekendender setzt, bemerkt schnell, dass der Sitz etwas nach außen versetzt ist und nicht direkt vor dem Lenkrad angebracht wurde.

Erste Bedenken konnten die Fahrmanöver jedoch nicht bestätigen, denn Lenkung und Schaltung bedient man in allen Situationen gut. Schiebt man den Hebel der Schaltung ganz nach vorn, geht das Boot zügig von Verdränger- in Gleitfahrt über, dabei hilft das serienmäßige ZIP-Trimmklappensystem, das wir auf Automatik gestellt haben.

So getrimmt, beschleunigt das Boot aus dem Stillstand bis 60 km/h in gut 13 s. Der V-8-Innenborder in der rund 500 kg schwereren C9 (auch mit Zip-System) benötigt etwa 3,5 s mehr.

Bei High Speed hat die Weekender mit etwa 7 km/h (knapp 4 kn) mehr ebenfalls die Nase vorn. Eine Übereinstimmung gibt es dagegen bei der wirtschaftlichsten Gleitfahrt: Hier kommen beide Boote mit einer Tankladung minus 15 % Reserve exakt 238 km (148 sm) weit, was ein ordentlicher Wert ist.

Allerdings ist die Weekender in diesem Bereich 10 km/h (gut 5 kn) schneller unterwegs. Bei der Lautstärke entscheidet der Innenborder über den gesamten Fahrbereich die leisen Töne für sich.

Beide Boote fahren gut geradeaus, haben eine kräftige Wasserskiwelle und werden im oberen Drehzahlbereich mit dem Powertrimm angeliftet (die W9 lässt sich dabei etwas stärker trimmen). In langsamer Fahrt ist der Unterschied nur sehr gering. Gleiches gilt für die Hafenmanöver, die mit Bugstrahlruder prima zu fahren sind. In schnellen Kurven sind wir die Boote zuerst im Automatikbetrieb (ZIP-Klappen) gefahren.

Dabei neigt die Commuter zum Wippen. Das bekommt man entweder mit einer Reduzierung des Tempos in den Griff, oder aber man muss ganz eng in die Kurve ziehen. Fährt man die Trimmklappen hoch und stellt den Powertrimm auf down, wippt sie kaum noch.

Die Weekender legt sich normal auf die Seite, zieht dann eng rein und driftet zum Schluss mit dem Heck herum. Ohne Automatiktrimm verändert sich das Fahrverhalten nur gering. Auf Slalomkursen und beim Verreißen der Steuerung hat der Skipper beide Boote sicher im Griff.

FAZIT

Die Weekender 9 bietet mehr Wohn- und Openair-Qualität, was sie besonders zum Relaxen, für Badetouren und Ausflüge an schönen Tagen interessant macht. Mit dem T-Top und der Persenning kann man sie zwar auch bei schlechtem Wetter benutzen, den Komfortvorteil bei Schietwetter, wie man ihn auf der Commuter hat, bietet sie jedoch nicht. Die C9 eignet sich aber nicht nur für Entdeckungsreisen, sondern auch für die Angelgemeinschaft. Bei der Motorisierung fühlt sich der Mercury sportlicher an, sitzt aber auch am leichteren Boot und hat 50 PS mehr als der eben- falls agile V-8-Innenborder. Die Entscheidung ist wohl auch eine Glaubensfrage.

Den vollständigen Test lesen Sie in der Januar-Ausgabe 2019 von BOOTE.

Ralf Marquard am 07.12.2019