Ocean Bay e-Power Ocean Bay e-Power

Test: Ocean Bay e-power

Leisetreter

Ralf Marquard am 25.09.2018

Ocean Bay e-Power: Sie ist besonders für Gewässer geeignet, auf denen Verbrennungsmotoren verboten sind

Für den Automobilbereich ist der E-Antrieb momentan immer wieder ein Thema. Auch wir Bootsleute bekommen es nun häufiger mit Elektroantrieben zu tun. Hauptakteur auf dem Wasser ist Torqeedo, der Weltmarktführer für E-Antriebe. So ist es nicht verwunderlich, dass unser Testboot, die Ocean Bay e-Power, auch mit einem Torqeedo fährt.

An den Spiegel der Ocean Bay MM-430 dürfen Außenborder bis maximal 30 PS, selbstverständlich auch Verbrennungsmotoren

An unserem Testboot sitzt jedoch der Torqeedo Cruiser 10, der mit einer Dauerleistung von 10 kW (kurzfristigen Max.-Leistung 12 kW) angegeben ist. Versorgt wird er von vier Torqeedo-Batterien, die bei voller Ladung eine Kapaziät von je 2685 Wh besitzen. In Schleichfahrt mit 4 km/h steht Torqeedos Leistungsanzeige auf 200 W. Jeder kann sich vorstellen, dass man so eine ordentliche Reichweite von über 200 km erzielt. Doch eine realistische Marschgeschwindigkeit ist das nicht. Wer doppelt so schnell (langsame Reisegeschwindigkeit) unterwegs ist, kommt noch fast 50 km weit.

Aber das Besondere an der Boot-Motor-Kombination ist die Möglichkeit des Gleitens, und hier zeigt die Tabelle, dass man mit Vollgas weiter kommt, als mit  Geschwindigkeiten zwischen 12 und 14 km/h. Dabei musste eine Person jedoch vorn im Bug sitzen, damit der Bootstrimm stimmt und die Nase nicht zu weit oben bleibt. Denn vier Batterien im Heckkasten plus Fahrer machen die Ocean Bay schon hecklastig.

Dieses Problem hat auch Niemeyer erkannt und will zukünftig zwei Batterien in den seitlichen Backskisten vorn unterbringen 

Ob nun in Verdränger- oder Gleitfahrt, das Testboot hält gut die Spur und das alles bei einem Lautstärkepegel von maximal 73 dB/A. Hafenmanöver lassen sich wie mit einem Außenborder mit Verbrennungsmotor sicher fahren, der Skipper muss sich aber an das hohe Drehmoment des E-Motors gewöhnen, denn schon bei einer kleinen Hebelbewegung schießt das Boot sofort nach vorn.

Bedient wird der Motor über eine Kombi-Einheit aus Anzeige und Einhebelschaltung. Auf unserem Testboot sitzt die Einheit allerdings unter dem Lenkrad – zu tief zum Ablesen, und mit dem Knie kommt man leicht mal an den Gashebel. Auch hier will Niemeyer nachbessern. Gleiches gilt für die unschöne Verkabelung unter der Heckbank. Alle Strippen lagen unbefestigt wild umher, und teilweise waren die Batterien nicht befestigt.

Unter dem klappbaren Fahrstand, den man sich in den Scharnieren und Verschlüssen eine Nummer solider wünscht, fällt die Installation der normalen 12-V-Anlage besser aus. Der Handlauf auf dem Seitendeck sowie die gesamte Verarbeitung sind absolut solide. Bei der Ausrüstung fehlt uns allerdings eine Handlenzpumpe. Stauräume gibt es reichlich und eine Scheuerleiste sowie drei Klampen, die zum Bootstyp passen.

FAZIT

Die Ocean Bay e-Power ist besonders für Reviere geeignet, auf denen Verbrennungsmotoren verboten sind. Mit langsamen Geschwindigkeiten schafft man passable Reichweiten. Gleitfahrt ist möglich, jedoch darf man die Fahrzeit nicht zu sehr strapazieren.  

Dieser Bootstest erschien in BOOTE-Ausgabe 11/2017

11/17

BOOTE Ausgabe 11/17

Ralf Marquard am 25.09.2018