Osprey Vipermax Leisure 8.0 Osprey Vipermax Leisure 8.0

Test: Osprey Vipermax Leisure 8.0

Ausgefeilt

Peter Lässig am 26.09.2019

Die einen bezeichnen sie als Dreikantfeile mit Schlauch außenrum, für uns ist sie ein durchdachtes Boot mit spannender Technik und hohem Spaßfaktor

Das Brugge Marine Center, kurz BMC, in Belgien ist einer der Anlaufpunkte, wenn es um "heiße RIBs" geht. Eigentlich handelt es sich hier um RHIBs (Rigid-Hulled Inflatable Boats): Festrumpfboote mit Schlauchkörper und jeder Menge Power am Heck. Die Auswahl bei BMC ist so groß, dass einem schwindelig werden kann.

Wir fahren eine Osprey VM Leisure 8.0 mit einem Yamaha F 300 Black Edition. Der hängt auf einem elektrischen Lift am Heck, dessen Funktion das Heben und Senken des Motors wäre, zu unserem Leidwesen aber ausgeschaltet und auch nicht zu aktivieren ist.

Fotostrecke: Osprey Vipermax Leisure 8.0

Denn hebt man den Motor mithilfe eines Lifts während der Fahrt an, befindet sich weniger vom Unterwasserteil im Wasser, was den Widerstand verringert und somit automatisch die Geschwindigkeit erhöht.

Dadurch, dass unser Testmotor am Lift befestigt ist und nicht am Spiegel, befindet er sich etwa 15 cm weiter hinten und kann somit etwas höher hängen, ohne dass der Propeller in Gleitfahrt schon bei kleinsten Lenkeinschlägen Luft zieht.

Am Testboot sehen wir die Kavitationsplatte knapp zwei Finger über dem Kiel schweben. Oder anders gesagt: Alles ist auf Tempo getrimmt. Das ist auch der Grund, weshalb das Boot in engen und schnell gefahrenen Kurven sowie bei den 180°-Wenden auf dem „Hintern" einfach nur herumrutscht, während der Propeller ins Leere greift. Für die Insassen ist das ein sicheres Fahrmanöver, da sie Kurvenfliehkräften nur wenig ausgesetzt sind.

Damit nicht genug, wir sehen auch, dass der Motor nicht ganz mittig, sondern etwa 2,54 cm nach Steuerbord versetzt montiert wurde. Somit wird das Propeller-Drehmoment ausgeglichen, was verhindert, dass das Boot in voller Fahrt nach Backbord hängend fährt. Ein in dem Fall rechts drehender Edelstahl-Propeller sorgt mit
Flügelblatt und -kante für ein aufrichtendes Moment an Steuerbord.

Der Motor-Versatz nach Steuerbord ist außerdem der Grund, weshalb unser Testboot bei Backbordkurven stärker krängt. Dadurch greift auch der Schlauch tiefer ins Wasser. Kurven über Steuerbord hingegen sind mit weitaus weniger Kippen über die Längsachse verbunden.


Außerdem fällt uns auf, dass die außen längs am Rumpf verlaufenden Gleitstufen mit etwa 11 ° negativ gekimmt sind, was das Wasser während der Fahrt nicht seitlich, sondern etwas nach unten ableitet. Das sorgt für stabileren Geradeauslauf und zusätzlich etwas mehr Auftrieb.


Auffällig ist auch, dass der Kiel auf dem letzten Meter nicht V-förmig ausläuft, sondern gerade abgeschnitten wurde. Das ist nicht neu und kennt man unter anderem von Glastron Carlson. Diese Kielform sorgt dafür, dass das Boot mit dem Powertrimm auf die letzte Rille getrimmt bei Höchstgeschwindigkeit nicht kippelt oder instabil ist, sondern sicher und aufrecht auf einer kleinen Fläche fährt.


Nichts desto trotz, bei Kurvenfahrten in hohen Geschwindigkeiten braucht man ein sensibles Händchen an Ruder und Schalthebel, sprich Gasgriff. Schließlich hat man es mit einem absolut auf Geschwindigkeit getrimmten Boot zu tun, dessen Fahrverhalten dem eines Rennbootes stark ähnelt.

Von 0 auf 60 km/h in 7,3 Sekunden – diese sagenhafte Beschleunigung ist letztlich dem Verhältnis von Gewicht und Leistung zu verdanken, denn ein PS muss gerade mal 5,5 Kilogramm bewegen – und das samt Tester, Beifahrer und etwas Sprit im Kraftstofftank.

Das Boot ist zum Leidwesen des Testers mit den Sitzen so konfiguriert, dass hinterm Ruder nur schlanke Personen genügend Platz haben, das kleine und nicht so griffige Steuerrad schnell genug drehen zu können.

Positiv: Dafür fallen alle Ruderbewegungen der hydraulischen Steuerung dank einer elektrischen Servo-Pumpe spielerisch leicht aus. Lob gebührt auch dem Gestühl, dessen Sitzfläche im Neigungswinkel angepasst werden kann und man sowohl stehend als auch sitzend von den Seitenwangen der ausladenden Rückenlehnen stets sicher gehalten wird.

Als Rechtshänder müssen wir die Schaltung am zentralen Fahrstand mit der linken Hand und den Trimmschalter statt mit dem Daumen mit dem kleinen Finger bedienen. Das hat uns aber nicht abgehalten, bei Vollgas knapp an der 100 km/h- Marke zu kratzen, es fehlten 0,5 km/h.

Nach Auswertung unserer Messwerte sind wir mit Tempo 50 km/h bei 3000 U/min wirtschaftlich unterwegs und eine Tankfüllung reicht dann theoretisch für eine Wegstrecke von 340 km plus 15 % Reserve. Bei Vollgas sollte man sich bereits nach etwa 188 km nach einer Tankstelle umschauen, soll die Reserve erhalten bleiben.

Was die gesamte Verarbeitung sowie technischen und elektrischen Installationen angehen, haben wir nahezu nichts auszusetzen. Dass es zwischen den Sitzen und den Tragschläuchen aus extra starkem Hypalon eng wird, liegt an dem sportlichen Design des Bootes.

Kein Mangel besteht hinsichtlich des Zubehörs, mit dem man sich seine Leisure VM 8.0 ausgiebig gestalten kann. Darunter auch einen Kraftstoffvorfilter mit Schauglas plus Alarm, wenn sich Wasser im Kraftstoff befindet, was wir lobenswert zur Kenntnis nehmen.

FAZIT

Die Osprey VM Leisure 8.0 will in dieser Konfiguration bei hohem Tempo mit allen Sinnen gefahren werden. Nimmt man Geschwindigkeit heraus, hat man ein Boot, das alles mitmacht – vom Cruisen mit der Familie bis hin
zu allen Arten von Wassersport.

Diesen Test lesen Sie in der September-Ausgabe 2018 von BOOTE. Hier erhältlich!

Peter Lässig am 26.09.2019