Parker 690 DC Parker 690 DC

Test: Parker 690 DC

Ost-West-Verbindung

Peter Lässig am 24.11.2018

Ein Boot mit skandinavischen Genen, das in Polen entwickelt und produziert wird. Wir fuhren sie auf der Ostsee bei Danzig

„Das Boot kommt mir sehr vertraut vor", ist mein erster Gedanke beim Betreten unseres Testbootes. Und wie sich später herausstellt, bin ich einen ähnlichen Typ bereits in Skandinavien gefahren. Nur da hieß der Hersteller Askeladden.

Fotostrecke: Parker 690 DC

Des Rätsels Lösung: Askeladden und Parker kommen aus ein und derselben Werft und sind darum identisch. Askeladden heißen die Boote, wenn sie in Skandinavien verkauft werden und Parker in Westeuropa.

Dass ich seinerzeit von der guten Verarbeitung, wie auch beim jetzigen Testboot, beeindruckt wurde, liegt daran, dass in der polnischen Werft auch namhafte skandinavische Werften ihre Boote produzieren lassen. Und von deren Qualitätsansprüchen profitiert Parker.

Es sind ein und dieselben Handwerker, die alle Boote laminieren und montieren, wie uns ein Werftbesuch eindrucksvoll beweist. Parker baut zur Zeit neun Modelle in unterschiedlichsten Variationen, vom 6,30 m langen Bowrider bis hin zum 11 m langen Kajütboot oder auch 10-Meter- Schlauchboot mit Festrumpf. Dazwischen unser 6,45 m langes Testboot Parker 690 Day Cruiser, das für Motoren von 115 PS bis 250 PS gut ist.

Wir fahren das Boot in der Danziger Bucht vor Gdingen, und als Antrieb dient ein Verado 175 von Mercury, dessen Abstimmung auf das Boot nicht alltäglich ist. Gemäß Vorgabe des Kunden hängt der Motor am Spiegel extrem hoch, und der Propeller wurde so gewählt, dass der Motor nicht über 5800 U/min hinauskommt. 

Damit dreht er im unteren Vollgasbereich, der zwischen 5800 und 6400 U/min liegt. Das hat aber auf die gute Verarbeitung keinen Einfluss genommen, bei der unser Testboot in allen Bereichen top abschneidet. Trailerkapitäne benötigen ein Zugfahrzeug, das wenigstens zwei Tonnen auf den Haken nehmen darf.

Fahren und Manövrieren

Eine präzise arbeitende, elektrische Schaltung und die hydraulische Steuerung erleichtern zwar das Manövrieren, doch mit etwas mehr als fünf Umdrehungen von einer zur anderen Seite, bedeutet das mehr Arbeit für die Ruderhand. Da unser Testboot aber in langsamer Fahrt vorwärts und rückwärts hinfährt wo es soll, bleibt großes Hantieren aus.

Wechselt während langsamer als auch schneller Verdrängerfahrt jemand seinen Platz im Boot, nimmt das nur wenig Einfluss auf Kurs und Krängung. Vollkreise durchmessen bei diesen Geschwindigkeiten gerade mal zwei Bootslängen, die sich in Gleitfahrt auf etwa 50 m Durchmesser strecken.

Bei stets guter Voraussicht und moderater Vertrimmung, geht die 690 DC von Verdränger-, ab etwa 3000 U/min oder 11 kn Fahrt in Gleitfahrt über. Bei ausgereiztem Power- Trimm bremst der Propeller dann die Drehzahlen auf 5800 U/min ein und erlaubt auf dem zwischenzeitlich kabbeligen Wasser, nach längerem Anlauf, eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 39 kn.

Parker 690 DC

Parker 690 DC

Nach Auswertung unserer Messergebnisse kommt man mit dem Testboot bei einem Tempo von 17 kn oder bei 3500 U/min mit einer Tankfüllung theoretisch 245 sm weit, plus 15 % Reserve. Bei Vollgas sollte man sich nach etwa 110 sm nach einer Bunkerstation umschauen und in langsamer Fahrt (6 kn) nach 255 sm, zuzüglich Reserven.

Damit ist das Reichweiten-Soll in allen Drehzahlbereichen mehr als erfüllt. Akzeptabel macht sich die Akustik bemerkbar, wo unser Schalldruckpegelmesser erst ab 5500 U/min die 85 dB/A-Grenze überschreitet.

Während der Testsequenzen, Manövrieren in schneller Gleitfahrt oder den Extremmanövern, macht sich die Abstimmung des Motors bemerkbar und verhindert bei optimaler Trimmung durch sehr frühzeitig ventilierenden Propeller, eine enge Kurve zu fahren.

Mit ganz bei getrimmtem Motor greift der Edelstahlpropeller etwas später ins Leere. Die 180°-Wenden absolvieren wir in einem Rutsch, wenn man schnell genug am Ruder kurbelt. Dabei hakt der Rumpf nicht ein und großartiges Schaukeln bleibt aus.

Auf der imaginären Slalomstrecke bringen wir die 690 DC ungefährlich über die Längsachse zum Pendeln und beim Verreißen des Ruders geht's hin wo's soll. Etwas raueres Wasser mit mehr Wellen am Testende reicht, um dem Rumpf auch hier seine positiven Eigenschaften zu bescheinigen.

Mit anderen Worten: Parker 690 DC plus Verado 175 sind ein optimales Paket für jedermann, geeignet auch für Anfänger.

Während der Skipper in einem verstellbaren Schalensitz sicher und bequem sitzt, nimmt der Co auf dem vorderen Teil der Cockpit-L-Sitzbank Platz. Will der Beifahrer nach vorn schauen, klappt er dazu das Rückenteil nach achtern. Ein Haltegriff an der Cockpitwand bietet Halt, den wir ansonsten im Boot etwas vermissen. Die Bedienelemente für den Fahrer sind passend montiert, und wie das Armaturenbrett bestückt wird, bestimmt der Eigner.

Technik und Sicherheit

Der Außenborder hängt ordentlich verbolzt am Spiegel und wird durch ein Leerrohr mit dem Boot verbunden, durch das alle Anschlussleitungen führen. Wer an die Technik im Boot will, muss zuvor das Verdeckgestänge unter der Hecksitzbank hochklappen, damit er unter der Bodenklappe alles erreicht.

Das sind unter anderem Batterien, Hauptsicherung, Abstellhähne für die Selbstlenzung des Cockpits außenbords, sowie Kraftstofftank und -hahn samt externem Filter, ohne Wasseralarm. Im gleichen Bereich ist auch die Handlenzpumpe untergebracht.

Einfacher gelangt man an die 230-V-Einheit, sie steckt unter dem Sitzpolster der Backbordsitzbank. Hauptschalter sowie die  Thermosicherungen können schnell hinter einer Klappe im Fußraum des Fahrers erreicht und bedient werden.

Gute und sichere Fahreigenschaften und das nach Außenbord selbstlenzende Cockpit punkten. Dass auf dem Vordeck nur eine Handlaufreling verbaut ist, gehört zum Design. Als praktisch erweist sich der Kunststoff-Teak-Belag (Extra).

Wohnen, Cockpit und Ausrüstung

Die Maße der Bugkabine versprechen einen Schlafplatz für Zwei, die nur mäßige Kopffreiheit ist der Bauart geschuldet. Wer das Kreuz an der richtigen Stelle setzt, bekommt gegen Aufpreis für die Kabine eine Seetoilette samt Fäkalientank mit Absaugpumpe.

Parker 690 DC

Parker 690 DC

Außerdem gibt es für draußen ein Camperverdeck und noch einiges mehr, wie beispielsweise 230-V-Landanschluss mit Ladegerät oder einen Scheibenwischer für den Beifahrer. Man kann auch gleich den Antifoulinganstrich samt Epoxid-Grundierung ab Werk mitbestellen und, was Sinn macht, elektronische Navigationsgeräte von Raymarine oder Garmin.

Das Boot betritt man entweder vom Heck über die integrierten Badeplattformen, oder das Vorschiff mit klappbarem Windschutzscheiben-Mittelteil und begehbarem Niedergang. Weder Echolot noch Kompass zählen zum Standard, ein Scheibenwischer schon. Eine attestierte Navigationsbeleuchtung liefert der Händler auf Kundenwunsch ohne Aufpreis.

Minus-Plus: Ein Verdeck zählt nicht zur Serienausstattung, dafür aber die Plane. Vier Belegklampen dienen als Festmacher, und die weit umlaufende Reling eignet sich für Fender, aber nicht als Spring.

Ein selbstlenzender Bug-Ankerkasten samt Bugbeschlag und Badeleiter (der sich übrigens vom Vordeck aus prima bedienen lässt) sind Standard. Gleiches gilt für die Scheuerleiste, die man sich jedoch eine Nummer breiter und wulstiger wünscht.             

Fazit

Parker 690 DC plus Verado 175 sind ein Harmoniepaket, wie die Fahreigenschaften beweisen. Die Verarbeitung ist auf Topniveau, und das Platzangebot im Cockpit kann sich sehen lassen. Die Ausstattung ist recht gering, dafür ist das „Paket“ noch gut zu trailern.

Dieser Test stammt aus BOOTE 11/2017.

11/17

BOOTE Ausgabe 11/17

Peter Lässig am 24.11.2018