Quicksilver Activ 855 Cruiser Quicksilver Activ 855 Cruiser

Test: Quicksilver Activ 855

Aktiv-Urlaub: Mit der Quicksilver Activ 855 auf Hochtouren

Ralf Marquard am 08.08.2015

Die Quicksilver Activ 855 Cruiser lädt den Bootseigner auch zu größeren Offshore-Reisen ein. Wir testeten das praktische Kajütboot auf der Ostsee.

Fotostrecke: Quicksilver Activ 855

Quicksilver Activ 855 Cruiser

Quicksilver Activ 855 Cruiser

Aufmerksamkeit erregte Quicksilver mit seiner frischgebackenen Activ-Baureihe 2011 auf der Düsseldorfer Messe, als die Werft mit der Activ 675 Open den Titel "European Powerboat oft the Year" holte. Diese Ehre brachte der konsequente Neuanfang der Linie. Soll heißen, man hat nicht nur ein altes Modell aufgefrischt, sondern eine wirklich neue Modellreihe entwickelt. Mittlerweile gibt es 14 Varianten in den Ausführungen Open, Sundeck, Cabin und Cruiser.

Wir fuhren mit dem Flaggschiff, der Activ 855 Cruiser, ein Boot mit sechs Kojen, Pantry und Nasszelle, das mit seiner Kategorie-B-Zertifizierung auch größere Reisen erlaubt. Wer aber beispielsweise übers Meer die Insel Bornholm ansteuern möchte, muss sich auf die bootsbauerischen Fähigkeiten der Werft verlassen können.

Hier setzt Quicksilver auf handlaminierte Rümpfe "made in Poland" – mittlerweile kommt gute Qualität aus den polnischen Werkshallen. Dies trifft, bis auf wenige Details, auch auf unser Testboot zu. Als störend notierten wir nicht gestrichene Innenseiten in den Ecken des Motorraums, wo sich auch einige Laminatspitzen zeigten oder Schrauben, die durch "schiefe Löcher gewürgt" wurden.

Fahren und Manövrieren
Bei der Motorisierung hat sich Brunswick eine Vielzahl einfallen lassen: Single- und Doppelmotorsierungen mit Außenbordern und Single-Innenborderversionen mit Benzinern und einer Dieselvariante. Dass wir mit Letzterer unterwegs sind, merkt man besonders in den niedrigen Drehzahlen; denn der Selbstzünder (Die-sel) bringt Boot und Einbauten ordentlich in Schwingungen. Eine Eigenschaft, die bei unserem Testboot oberhalb von 1000/min aufhörte – was bei 1200/min in der schnellen Verdrängerfahrt (6,5 kn) der Fall ist.

In dieser Situation, wie auch bei Hafenfahrt (650/min), giert die Quicksilver etwas und wandert mal zu einer Seite aus, was man ab und zu gering korrigieren muss – nicht ungewöhnlich für diesen Bootstyp. Um 1700–2800/min liegt der Übergang von Verdränger- zur Gleitfahrt. Die Phase verläuft nicht besonders spritzig, einen Grund dafür zeigt uns die Voll-gasfahrt: Der Diesel erreichte nur eine maximale Drehzahl von 3500/min, seine optimale "Maxdrehzahl" liegt laut Mercury-Diesel jedoch bei 4000/min. Ein Zeichen, dass der 21"-Doppelpropeller mindestens eine Nummer zu groß ausfällt.

Mit korrekt angepasstem Propeller wird nicht nur der Motor vor zu hoher Belastung geschützt, sondern auch das Spurtverhalten verbessert. – Aber zurück zum Ist-Zustand: Um in der Übergangsphase die Voraussicht zu behalten, gehört der Power-Trimm an den Spiegel und die Trimmklappen (Extra) nach unten gefahren. Je schneller dann die Gleitfahrt  wird, desto weiter lassen sich die Trimmklappen hochfahren und zum Schluss der Power-Trimm etwas anheben. Geht’s um die schnelle Marschfahrt (23,5 kn), spielt der Dieselmotor seinen großen Trumpf aus: Bei einem Verbrauch von 1,51 l/sm und einem Tankinhalt von 400 l minus 15 % Reserve ergibt sich eine respektable Reichweite von 224 sm, was ungefähr der Strecke Lübeck-Bornholm und halb zurück entspricht.

Wie der Rumpf die Wellen dabei meistert, lässt sich nicht sagen, da sich am Testtag die Ostsee vor Neustadt friedlich zeigte. Gute Bedingungen, um schnelle Manöver zu beurteilen: Auf Slalomkursen schaukelt die Quicksilver kräftig, aber stets sicher über die Längsachse. Verreißt man das Lenkrad, setzt das Heck einmal bestimmt ein. In schnellen Kreiseln legt das Boot sich normal auf die Kurveninnenseiten, und wenn man ganz scharf einschlägt, geht der Bug etwas runter und der Rumpf mit einem Ruck scharf um die Kurve – was gutes Festhalten erfordert.

Der Fahrer sitzt auf einem Schalensitz mit festen Polstern. Beifahrer finden auf der variablen Sitzbank Platz, die man entweder als Salonbank nutzt oder umgeklappt als Beifahrerbank. In der letzteren Variante hält man sich an einem Griff direkt auf dem Fahrstand fest. Die Instrumententafel ist hochbordig angeordnet, wodurch sich alles gut ablesen lässt. Das gilt für den Kompass nur eingeschränkt, denn er sitzt mitten über dem Niedergang in der Mitte des Fahrstandes und ist dadurch nur abzulesen, wenn man sich zur Seite lehnt. Plus dieser Anordnung: Andere Instrumente können ihn nicht ablenken.

Motor, Tank, Elektrik
Je nachdem, wie die Hecksitzbank im Cockpit steht, lässt sich der vordere oder hintere Bereich des Motorraums öffnen. So kommt man an alle Ecken des Motors ran – wenn auch nur wechselseitig. Leitungen und Schläuche verlegten die Bootsbauer mit Schellen und Kabelbindern. Bei der Tankanlage fallen besonders positiv Absperrhahn und Extradieselfilter mit Ablassschraube auf. Nicht überzeugen kann die teilweise Befestigung der Spritschläuche mit nur einer Schraubschelle. Zwei 55-Ah-Optima-Batterien übernehmen die 12-V-Stromversorgung und werden über einen Wahlschalter am Pantryblock geschaltet. Dort sitzt ebenfalls ein 12-V-Automatenpaneel gut zugänglich. Die 230-V-Verteilung mit Sicherungen und FI-Schutzschalter des Landanschlusses (Extra) ist am Fahrersitz.

Sicherheit
Lob verdient die Feuerlöschanlage im Motorraum und die mit einer Folie überzogene und selbstverlöschende Schallisolie-rung. Zwei standardmäßige elektrische Lenzpumpen geben zwar Komfort, doch bricht die Stromversorgung zusammen, hilft nur eine Handlenzpumpe, um bei Leckagen das eindringende Wasser wieder außenbords zu befördern. Solch eine Pumpe ist nicht vorhanden.
Um sich sicher vom Cockpit zum Vordeck zu begeben, nimmt man am besten den Weg übers tief liegende Steuerbord-Seitendeck, da dies breiter ausfällt als das auf der Backbordseite, das nur Behelfs-deck ist. Rutschfeste Strukturen besitzen alle Trittflächen auf dem Boot, und ein Deckenluk in der Bugkabine lässt sich nicht nur zum Lüften verwenden, sondern auch als Fluchtluk.

Quicksilver Activ 855

Test Quicksilver Activ 855


Wohnen und Ausrüstung
Die V-Koje in der vorderen Kabine mit drei bequemen Polstern ist eine echte Doppelkoje. Auch das Bett in der Mittelkabine lässt zwei Personen bequem liegen. Auf die zur Koje umgebaute Salonsitzecke passen dagegen nur zwei Kinder oder ein Erwachsener. Gekocht wird am Pantryblock, der serienmäßig mit Kocher und Spülbecken bestückt ist; Mikrowelle und Kühlschrank bekommt man als Extra, und Stauraum ist nur für Kleinigkeiten direkt an der Pantry vorhanden. 

Die Nasszelle ist mit Pump-WC, Bullauge, tiefem Waschbecken, herausziehbarem Duschschlauch und Bodenablauf passend ausgerüstet – um warmes Wasser zu produzieren, muss der Skipper Aufpreis zahlen. Letzteres gilt ebenso für Heckdusche, Ankerwinden, Dachluke, Bugstrahlruder, Trimmklappen, Plotter, Stereoanlage, Persenning, Generator Klimaanlage/Heizung und für eine in ganz Deutschland zugelassene Navigationsbeleuchtung. Das Zubehör kann er in praktischen Ausstattungsvarianten kaufen oder teilweise einzeln. Serienmäßig bekommt man sechs solide Klampen, Zugösen (achtern und vorn) eine spezielle Diebstahlöse und eine passende Scheuerleiste. 

Fazit
Die Quicksilver ist ein Reiseboot für vier Personen, das – wie die Werft richtig schreibt – auf vielen Revieren zu Hause ist. In puncto Sicherheit stört uns die fehlende Handlenzpumpe, und bei der Ausrüstung fehlen wichtige Dinge, wie Persenning, Kühlschrank und Warmwasserboiler.

Datenblatt: Quicksilver Activ 855

Werft: Quicksilver
Typbezeichnung: Quicksilver Activ 855
CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 8,91 m
Breite (m): 2,98 m
Verdrängung (kg): 3,15 t
Preis: 108.600,00 €
Ralf Marquard am 08.08.2015