Sea Ray 250 SDX Sea Ray 250 SDX

Test: Sea Ray SDX 250

Space Ship

Dieter Wanke am 03.06.2019

Das großzügige Platzangebot ermöglicht die Fahrt mit mehr als zehn Personen. Beliebt ist sie besonders bei Wakeboardern und Wasserskiläufern.

Unmittelbar nach unseren Testfahrten mit der Baunummer Eins der neuen Sea Ray SDX 250 in Florida gab der Mutterkonzern Brunswick Corporation bekannt, dass Sea Ray zum Verkauf steht. Seit immerhin 31 Jahren gehört die Marke zum Unternehmen.

Fotostrecke: Sea Ray 250 SDX

Als Grund für die Entscheidung werden dauerhaft niedrige Verkaufszahlen bei den großen Yachten genannt, die insbesondere den US-Markt betreffen. Zum Redaktionschluss lagen uns noch keine Erkenntnisse über mögliche Käufer oder Interessenten vor.

Die lassen sich aber sicher finden, denn Sea Ray hat ein umfangreiches Angebot mit insgesamt 46 Modellvarianten in acht Produktlinien zu bieten, das mit Sportbooten wie dem knapp sechs Meter langen Bowrider SPX 190 beginnt und sich bis zum rund 20 Meter langen Flaggschiff in Form der 650 Fly erstreckt.

Zumal die Palette in den letzten Jahren kontinuierlich mit Neuentwicklungen aufgefrischt wurde. An Neuheiten wurde ebenso wenig gespart wie an den stets hohen Qualitätsansprüchen, sowohl bei der Verarbeitung als auch bei den Fahreigenschaften. Die Braut ist also, zumindest in dieser Hinsicht, in gutem Zustand. 

Die neue SDX 250 hat ihre Europapremiere gerade auf der BOOT 2018 in Düsseldorf gefeiert. Obwohl der getestete Prototyp aus der US-Produktion stammt, ist für den europäischen Markt auch wieder eine Fertigung in Polen geplant.

Angeboten wird das Modell in zwei Varianten. Wer sich eher für Außenborder erwärmen kann, sollte sich die SDX 250 OB ansehen, die lediglich über eine geänderte Heckpartie mit verschiebbarer Sitzgruppe im Cockpit verfügt, ansonsten aber baugleich mit der von uns gefahrenen Innenborder-Version ist. Mit entsprechender Überbreitengenehmigung für die Zugfahrzeuge sind beide Varianten trailerbar.


An Deck

Wie bei den ersten Baumustern üblich, gibt es im Testboot viel Zubehör. Das geschieht, um die Einbausituation für die Produktion zu prüfen. Das relativiert natürlich den ohnehin schon stattlichen Einstiegspreis von 102 500 Euro, denn wer sich den ganzen Luxus gönnen möchte, muss noch einiges zuzahlen. Dazu gehört auch das sehr umfangreiche "Platinum Trim Package" mit insgesamt 16 Extras.


Bestandteil davon ist neben dem durchgehend vorhandenen Kunstteak-Belag auch eine ausklappbare Trittstufe, die als Ergänzung zur Badeleiter in der Badeplattform integriert ist. Das erlaubt den bequemen Weg in die Fluten und Brettsportlern das komfortable Anlegen ihres Sportgeräts.

Ein Durchgang führt ins Cockpit. Einfaches Umklappen der Rückenlehnen verwandelt den vorderen Teil des Liegepolsters im Heck in Verbindung mit dem seitlichen Sitzpolster und der Beifahrerbank in eine U-förmige Sitzgruppe.

Der serienmäßige Tisch hat eine GFK-Platte. An Steuerbord ergänzt eine variable Sitzkombination für den Fahrer – auf Wunsch verstellbar – und weitere Beifahrer das Arrangement. Das genügt selbst für größere Runden mit Freunden.

Bei Bedarf dienen die entsprechend verwandelten Sitze auch als Sonnenliegen. Schatten spendet auf Wunsch ein Bimini auf dem Sport-Tower. Stauräume gibt es unter den Sitzpolstern.

Zum offenen Bug gelangt die Crew über den Durchgang an Backbord, der mit einer Tür und der klappbaren Windschutzscheibe verschlossen werden kann. Auf den beiden Sitzbänken im breit ausladenden Bug können problemlos bis zu sechs Personen eine Runde bilden.


Optional kann mit einem Tisch ergänzt oder mit Einlegepolstern in eine Liegefläche verwandelt werden. Der Clou ist hier ein weiterer Ausstieg über eine Badeleiter, die im Bug versteckt ist. Die Duschköpfe, die sich hier und im Heck herausziehen lassen, gehören zu den Optionen.

In der Konsole verbirgt sich eine Kabine, die insbesondere als Toilettenraum dient. Ein portables WC gehört zum Standard, die fest eingebaute Version sowie Liegepolster oder ein Luk zur Belüftung sind Optionen. Für Erwachsene ist der 1,47 Meter hohe Raum mit der 1,47 Meter langen und 1,43 Meter breiten Liegefläche zwar nur zum Sitzen geeignet, aber zwei Kinder können sich hier zum Mittagsschlaf zurückziehen.

Motor und Fahrspaß

Serienmäßig ist ein MerCruiser 4,5 L MPI ECT mit 186 kW (250 PS) montiert. Im Testboot wurde ein V8 in Form des Mer-Cruiser 6,2L 300 MPI ECT mit 224 kW (300 PS) verschraubt. Maximal ist ein 350er verfügbar. In allen Fällen sorgt ein Bravo-Three-Antrieb mit zwei gegenläufigen Edelstahlpropellern für die Kraftübertragung ins Wasser.

Am Steuerstand finden wir statt der Standardinstrumente eine komplett digitale Anzeige auf einem 12-Zoll-Touchdisplay vom Typ Simrad NSS EVO3 sowie das Mercury Active Trim.

Beides natürlich Optionen. Ein Kompass fehlt jedoch. Alle Komponenten und Schalter sind übersichtlich angeordnet und gut ablesbar.

Nach sechs Sekunden Beschleunigung ist bei 3000 U/min mit 16,8 kn die stabile Gleitfahrt erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit von 35 kn liegt bei 5000 Touren im unteren Bereich des zulässigen Drehzahlbandes. Über das Trimmen muss man sich dabei keine Gedanken machen, denn das erledigt das automatische Trimmsystem.

Die höchste Effizienz ermitteln wir bei 3500 U/min.

Hier laufen bei einer guten Reisegeschwindigkeit von 23 kn stündlich 35 l aus dem 238-Liter-Kraftstofftank. Abzüglich der 15 % Reserve sind so Schläge mit knapp sechs Stunden Fahrzeit und 133 sm ohne Nachtanken machbar. Das ist zwar kein Rekordwert, reicht aber für einen Tagestourer.

Der verbolzte V8 bildet eine harmonische Kombination mit der SDX 250. Das Gespann zeigt bei Bedarf eine sportliche Note und bietet reichlich Fahrspaß.

Dank einer Aufkimmung des Rumpfes von 21 Grad setzen auch Wellen dem Vergnügen wenig Grenzen. Schnelle Vollkreise, die wir bei 4000 Touren einleiten, werden mit einem Durchmesser von 2,5 Bootslängen genommen, wobei die Drehzahl um 300 Umdrehungen absinkt.

Beim Verreißen der Lenkung bleibt alles im Griff. Manövriert der Skipper langsam, werden Vollkreise vorwärts in beide Richtungen mit 1,5 Bootslängen Durchmesser gemeistert. Rückwärts drehen wir fast auf dem Punkt. Beim Umsteuern rückwärts passiert bei Standgas nichts. Erst eine Drehzahlerhöhung zeigt die gewünschte Wirkung.

Auch beim Geradeauslauf ist alles im grünen Bereich.

Verarbeitung, Montage und Sicherheit

Insgesamt präsentiert sich die Testkandidatin auf einem hohen Qualitätsniveau.

Mängel bei der Montage der Komponenten oder der Verarbeitung sind keine zu erkennen. Die empfehlenswerte zweite Batterie, die zusätzliche Startsicherheit gibt, gehört nicht zur Serienausstattung. Ein Feuerlöschsystem sowie ein zusätzlicher Löschport sind aber vorhanden.

Der Blower arbeitet automatisch, denn eine Motorraumtemperatur von 45 Grad wird nicht überschritten. Zur Kontrolle oder für Wartungsarbeiten sind alle Komponenten gut zugänglich.

Die 80 cm hohen Bordwände im Cockpit geben der Crew auch bei schneller Fahrt ein hohes Sicherheitsgefühl. 

FAZIT

Die Sea Ray SDX 250 bietet viel Platz für Tagestouren mit großer Besatzung. Der WC-/Rückzugsraum sorgt für gehobenen Komfort. Spaß verspricht der Neuling auch durch die Eignung als Zugboot für Wakeboarder, Wasserski oder aufblasbare Spaßbringer. Gute Fahreigenschaften und die Transportmöglichkeit erlauben den Einsatz in jedem Revier.  

Diesen Test lesen Sie in der März-Ausgabe 2018 von BOOTE. 

BOOTE Titel 3/2018

Dieter Wanke am 03.06.2019