Sea Ray SPX 230 Sea Ray SPX 230

Test: Sea Ray SPX 230

Leistungssportler

Peter Lässig am 23.08.2018

Sea Ray SPX 230 – Wie die kleine Schwester SPX 210 begeistert sie mit absolut erstklassigem Fahrverhalten

Vor wenigen Monaten, in der April-Ausgabe dieses Jahres, haben wir die mittlere Version SPX 210 vorgestellt, nun fahren wir die größte, die SPX 230 – aber nicht auf dem Main, sondern auf dem Mittelmeer vor Porto Christo (Mallorca).

Ihr Gewicht laut Prospekt: etwa 1,9 t. Dafür braucht es also je nach Trailer Zugfahrzeuge mit mindestens 2,5 t Zug­last. Wer es lieber eine Nummer kleiner mag – es gibt auch noch die SPX 190.

Hinsichtlich der gesamten Verarbeitung steht die 230 der kleineren 210 in nichts nach. Der Kunststoff innen und außen kann sich sehen lassen, man blickt überwiegend auf verrundete und versiegelte Schnittkanten, und die doppelschalige Bauweise in einigen Bereichen plus Schutzanstrich innen überzeugt.

Fotostrecke: Sea Ray SPX 230

Dank Kantenschutz an wichtigen Stellen bewerten wir technische und elektrische Installationen mit gut. Abzug gibt es für die Installation des Sicherungsblocks unter dem Armaturenbrett, weil dieser nur umständlich erreichbar ist. Der Verschlussmechanismus des Motorraumdeckels, zugleich Sonnenliege, verweigerte anfänglich seinen Dienst, was aber von den Mechanikern gelöst wurde.

Unser Testboot ist wie die SPX 210 ein Bowrider und mit zusätzlichen Sitzgelegenheiten im Bug ausgestattet. Gemäß Zertifizierung (CE-Kategorie C) reicht der Platz für 13 Personen, sofern sie samt Zuladung nicht mehr als 1038 kg auf die Waage bringen.

Und auf der Badeplattform warnt ein wichtiger Aufkleber, dass diese nicht mit mehr als etwa 180 kg beladen werden soll.

Dass einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, gehört zum Testalltag – selbst auf Mallorca. Am Vortag noch ideal, am nächsten Morgen Wellen und Rauwasser, die Messfahrten verhindern. Was uns damals beim Test der SPX 210 fehlte, ist hier zu viel – deshalb greifen wir auf die Messwerte der Werft zurück.

Wir fahren mit der Standardmotorisierung, einem MerCruiser 4.5L, der seine 250 PS mittels Bravo-III-Z-Antrieb und zwei gegenläufigen Edelstahlpropellern in das Wasser bringt. Das Testboot fährt in langsamer Fahrt vorwärts und rückwärts da hin, wo es hinsoll, und Drehkreise durchmessen nicht mehr als 1,5 Bootslängen.

Damit die vom Boot erzeugten Wellen nicht stören, fahren wir nicht schneller als 6 kn. Mit nur leicht angehobenem Bug geht das Testboot mit beigetrimmtem Antrieb flott von Verdränger- in Gleitfahrt über. Bei Vollgas ermittelt die Werft eine Höchst­ge­schwindigkeit von knapp 39 kn, und als wirtschaftliche Gleitfahrt entnehmen wir den Angaben ein Tempo von 21 kn bei 3000 U/min.

Damit reicht eine Tankfüllung theoretisch für einen Aktionsra­dius von 117 sm plus 15 % Reserve, was unsere Mindestreichweitenanforderung erfüllt, wenn man das Boot trotz des einen Zentimeters Überlänge in der 7-m-Klasse einordnet. Nicht ganz so weit kommt man in langsamer Fahrt (89 sm), und bei Vollgas ist nach etwa 66 sm Schluss, sollen die Reserven erhalten bleiben.

Wie bei der SPX 210 verlaufen bei der SPX 230 die Gleitstufen am Rumpf durchgehend bis nahe an den Kiel. Wir erwarten daher während der mit hoher Geschwindigkeit gefahrenen Extremmanöver gleiche Resultate – und bekommen sie auch.

Die Kurvenfahrt mit immer engerem Radius oder die 180°-Wenden führen weder zu starken Schaukelbewegungen noch zu einem Einhaken des Rumpfs. Auch beim Verreißen des Ruders oder der Slalomfahrt ergibt sich stets das gleiche Bild: Die SPX 230 fährt sicher wie auf Schienen. Selbst im Rauwasser vor Ort macht sie eine gute Figur, wenngleich man mitunter das Tempo anpassen muss.

Auf Fahrer und Co warten ordentliche Schalensitze, die man drehen und in Längsrichtung verstellen kann. Am Fahrstand befindet sich alles am richtigen Platz, die Ergonomie für den Skipper stimmt. Nur Reflexionen des hellen Untergrunds stören die Voraussicht.

Im Smart­phone-Zeitalter erleichtern USB-Steckdosen neben 12-V-Steckdosen das Laden der mobilen Geräte. Anders als bei der SPX 210 gibt es einen separaten Raum vor dem Beifahrer, der auch als Toilette (Extra) genutzt werden kann.

Im von oben gut zugänglichen Motorraum vermissen wir einen Kraftstoffvorfilter mit Wasserab­scheider. Ebenfalls Fehlanzeige bei Kraft­stoffhahn und Handlenzpumpe; und das, obwohl das Cockpit in die Bilge lenzt.

Zumindest ist im Motor-Tank-Raum ein automatischer Feuer­löscher untergebracht. Dass bei dem ansonsten fahrfertig ausgestatteten Boot die in Deutschland zugelassenen Navigationslampen sowie Verdeck, Plane, Kompass oder Wischer nicht zur Serie zählen und ein Ankerkasten fehlt, führt zur Abwertung.

Fazit:
Die SPX 230 ist nahe am idealen Sportboot; außer Ankern stimmt fast alles. Standardmotor und Bravo-III-
Antrieb harmonieren opti­mal. Einwand­­freie Fahr­eigenschaften, gute Ver­arbeitung, noch trailerbar, wasser­-
sporttauglich – was will man mehr?

Dieser Test stammt aus BOOTE 10/2017.

Peter Lässig am 23.08.2018