Sealine C 390 Sealine C 390

Test: Sealine C 390

Auf der Überholspur

Ralf Marquard am 05.05.2020

Mit der sportlichen Sealine C 390 schließt Hanse Yachts aus Greifswald die Lücke zwischen den Modellen 330 und 430

Die Premiere feierte die Sealine C390 auf der diesjährigen boot in Düsseldorf. Fahrbereit zum Testen lag sie dann Ende März auf der Flensburger Förde beim dort ansässigen Sealine-Händler Flensburger Yachtservice. Schon in Düsseldorf erklärte uns die Werft, dass die C390 eine wichtige Lücke im Bootsprogramm bei Sealine schließt. Denn zwischen der 330 und der 430 gab es lange Zeit nichts.

Dass die Produktmanager mit der C390 alles richtig gemacht haben, kann man zumindest auch den Worten von Maxim Neumann, Sales Manager im Hause Hanse, entnehmen. Er spricht am Testtag schon von gut zwei Dutzend georderten Booten und davon, dass die Besucher auf der Messe einfach nur begeistert von der Neuentwicklung waren.

Fotostrecke: Sealine C 390

Unser Testboot (Baunummer 1) liegt in der Marina Sonvig am Steg, von dort aus betreten wir die Sealine ganz bequem über die Badeplattform und den Heckeingang mit Tür. Es war zwar nicht gerade frühlingshaft an dem Testtag auf der Flensburger Förde, doch dem Testablauf mit einem Boot wie der Sealine C390 tut das keinen Abbruch. So lässt sich beispielsweise der Salon mit Fahrtstand mit einer Warmluftheizung auf wohlige Temperaturen bringen.

Weiterer Vorteil dieser Heizung: Einige der Luftauslässe sitzen als sogenannte Defroster-Düsen direkt hinter der Windschutzscheibe. Sie sorgen besonders bei feuchtem Wetter für klare Sicht. Um Regen oder Spritzwasser auf der Außenseite "wegzufegen", installiert die Werft zwei stabile Wischer mit Waschanlage. Allerdings bleibt in der Mitte der Scheibe ein ungewischtes Feld von etwa 30 cm Breite stehen.

Gefahren wird von einer großzügigen Bank aus, auf der nicht nur der Skipper einen bequemen Platz findet, sondern auch noch ein Kind oder ein zierlicher Erwachsener. Zwei weitere Co-Piloten passen auf die wandelbare Doppelbank an Bb. Sie ist entweder in die Sitzecke des Salons integriert oder fungiert umgeklappt als Beifahrerbank. Zurück zum Fahrerplatz: Der vordere Teil des Sitzpolsters lässt sich hochklappen, was zur Fahrt im Stehen animiert. Doch habe ich (1,80 m groß) dann bei geöffnetem Sonnendach genau den Dachrahmen im Sichtfeld.

Hierzu Maxim Neumann: "Die hochgeklappte Sitzfläche ist hauptsächlich dafür da, dass man bequem zur Seitentür gelangt." Schon praktisch solch eine Tür, denn dann hat der Skipper immer guten Sprechkontakt zu seiner Crew beim Anlegen, außerdem gelangt er selbst auch schnell aufs Seitendeck und kann mithelfen und etwa die Mittelklampe belegen.

Damit das An- und Ablegen einfach funktioniert, besitzt unser Testboot eine Joysticksteuerung, die allerdings gut 16 000 Euro Aufpreis kostet. Ohne diese Steuerung lässt sich das Boot natürlich auch manövrieren, aber es gelingt nicht ganz so einfach und sicher wie mit dem System. Gleich hinter der Hafenausfahrt pustet uns ein Wind von etwa 3–4 Bft. entgegen, der weiter draußen noch etwas auffrischt.

Die dadurch entstandenen Kabbelwellen durchkreuzt der Rumpf weich und ohne kräftiges Spritzwasser. Auch in schnellen Kurven kam kein ungutes Gefühl auf, die Sealine C390 zog ohne Haken oder Schaukeln soft ihre Runden.

Die elektrohydraulische Lenkung ließ sich dabei kinderleicht bedienen, nach Bb. reagierte sie etwas direkter (enger) als zur Steuerbordseite. Dass in Backbordkreisen (bei Booten mit Fahrstand an Stb.) die Dachkante bzw. das Kajütdach im Sichtfeld der Kurveninnenseite liegt, ist keine Seltenheit und auch bei unserem Testboot nicht anders.

Um die Voraussicht beim Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt zu behalten, empfehlen wir den Einsatz der Trimmklappen (Aufpreis) und die Z-Antriebe ganz auf "down" zu stellen. Auch bei langsamen und mittleren Gleitgeschwindigkeiten bringen die Klappen eine spürbare Sichtverbesserung. Bei Vollgas benötigt man sie nicht mehr, sondern kann das Boot mit etwas Powertrimm austarieren.

Zum schnellen Streckenläufer wird unser Testboot bei 3000 U/min mit fast 25 kn. In dieser Situation laufen 3,82 l/sm durch die Dieselleitungen, und dank des 900-l-Tanks kommen wir 200 sm plus 15 % Reserve weit. Allerdings sind auch Geschwindigkeiten darunter recht wirtschaftlich, was den ökonomischen Bereich doch spürbar erweitert.

Langsame Fahrt? Hier liegen die Kanal-Geschwindigkeiten zwischen 3,8  und gut 6 kn. In diesem Bereich läuft der Rumpf schön geradeaus, und die Heckwelle behält eine angemessene Höhe. Für die Notfallfahrt – sprich: ein Motor fällt aus – sind um 2200 U/min mit gut 9 kn passend, um den rettenden Hafen anzusteuern. Bei Drehzahlen darüber nimmt die Geschwindigkeit kaum noch zu.

Damit aber gar nicht erst ein Motor ausfällt, ist natürlich eine regelmäßige Wartung und die tägliche Sichtkontrolle empfehlenswert. Wer einen Blick in den Motorraum werfen möchte, muss vorher die Salontür entweder ganz aufmachen oder ganz geschlossen halten, denn sonst stößt die elektrisch betriebene Bodenklappe (Öffnen per Hand auch möglich) gegen die halb geöffnete Türeinheit.

Den Einstieg in den Maschinenraum erleichtert eine Leiter, für Servicearbeiten gibt es reichlich Platz.

Bis auf eine platt gedrückte Leitung im Leerrohr machte die Verlegung von Kabel und Rohren eine ordentlichen Eindruck. Positiv fielen außerdem die Batteriebefestigung mit soliden Ratschenriemen, die Installation von Dieselfiltern mit Wasseralarmsensoren, elektrisch und handbedienbare Hauptschalter, fernschaltbare Dieselabsperrhähne und die Feuerlöschanlage auf.

Zum weiteren Sicherheitskonzept des Testboots gehören zwei elektrische Bilgen- und eine Handlenzpumpe, passend breite Seitendecks, solide Reling und Fluchtluks. Bei der Badeleiter fährt Sealine zweigleisig: Für den bequemen Ein- und Ausstieg aus dem Wasser ist auf der Badeplattform eine stabile Leiter im Kasten untergebracht. Wer vor dem Sprung ins Wasser vergisst, diese einzuhaken, findet für den Notfall eine einfache Einstiegshilfe im Bereich der Plattform.

An Sonnenhungrige ist ebenfalls gedacht. Für sie steht im Bug eine große Fläche und im Cockpit eine wandelbare Sitz-ecke zur Verfügung. Ebenfalls variabel gestaltet die Werft die Überdachung des Cockpits, hier überspannt ein Faltdach (in seitlichen Verlängerungen des Kabinendachs geführt) den Bereich.

Um den Salon und die Pantry perfekt mit dem Cockpit zu vereinen, lässt sich die bereits erwähnte Salontür zur Seite klappen und das Fenster an Stb. anheben und arretieren. Am Pantryblock finden man alles, um das Frühstück vorzubereiten oder auch warme Gerichte zu zaubern.

Eine Etage tiefer befindet sich dann der Schlaf- und Pflegebereich. Vom Flur aus gelangt man in
die Gäste-Nasszelle (auch als Tages-WC gedacht). Hier fällt auf, dass die Toilette platzsparend in der Duschkabine steht. Die "Pflegeeinheit" des Eigners ist wie üblich nur von seiner Kabine aus zugänglich.

In diesem Raum sind Dusche und WC voneinander getrennt. Allerdings sitzt für mich die WC-Schüssel eine Nummer zu nah an der Wand. Die Eignerkabine mit Doppelkoje im Bug ist im Layout fest eingeplant, der Unterflurbereich kann dagegen unterschiedlich geordert werden: zwei Kabinen mit Doppelkojen bzw.
getrennten Betten oder die Stb.-Kabine als riesiger Stauraum.

In der Serienausführung bekommt man allerdings nur Matratzen ohne Unterlüftung. Auf unserem Testboot hatten wir einige aufpreispflichtige Annehmlichkeiten und Ausrüstungsgegenstände. Um diese möglichst günstig für den Käufer anzubieten, "schnürt" Sealine spezielle Zubehörpakete.

Den vollständigen Test lesen Sie in der Juni-Ausgabe 2019 von BOOTE. Hier erhältlich!

Ralf Marquard am 05.05.2020