SunCamper 35 SunCamper 35

Test: SunCamper 35

Gross geworden

Ralf Marquard am 09.03.2020

Sie ist nicht nur länger, sondern auch schiffiger und eleganter als ihre Vorgängerin. Mit Mercurys F115 läuft sie gut 14 kn schnell

Vor gut sechs Jahren veröffentlichten wir den Test der SunCamper 30. Einer der ersten Sätze lautete: "Dieses Boot sieht eher aus wie ein Wohnwagen auf dem Wasser." Ein Aussehen, das die große Schwester SunCamper 35 jetzt abgelegt hat.

Fotostrecke: SunCamper 35

Auf jeden Fall hat sie ein viel schiffigeres und edleres Outfit. Geblieben ist der Wunsch, möglichst viele Personen auf dem Boot unterzubringen. Bis zu sieben Crewmitglieder sind möglich: zwei in der Achterkabine, weitere zwei im Salon und drei in der Bug- bzw. Unterflurkoje. Letztere ist nur von der Bugkabine aus zugänglich.

Solch eine große Crew muss natürlich auch eine entsprechende Anzahl Nasszellen zur Verfügung haben. Geplant hat die Werft zwei Stück, allerdings kostet ihre Ausrüstung mit Toilette, 110-l-Fäkalientank und Warmwasserboiler Aufpreis. Gleiches gilt für den Kühlschrank. Spüle und Gaskocher liefert die Werft dagegen standardmäßig.

Gekocht wird an einem gut angeordneten Pantryblock an Steuerbord. Gegenüber ist die zur Koje wandelbare Dinette untergebracht. Sie bietet entweder zwei Personen Schlafmöglichkeiten oder Sitzplätze für vier Personen zum Klönen und Essen.

Wer mit kompletter Crew reist, muss also beim Essen drei Personen ins Cockpit (mit Hardtop überdacht) auslagern, denn hier bietet eine Eckbank samt Klapptisch weitere Sitzplätze. Nicht mehr direkt am Tisch, sondern an der Steuerbordseite neben dem Zugang zur Badeplattform (Extra) findet man eine zusätzliche Sitzgelegenheit. 

Pluspunkte in Bezug auf die Sicherheit bekommt hier die Hecktür, die besonders kleine Kinder vor einem ungewollten Sturz aus dem Cockpit bewahrt. Für den lockeren Ein- und Ausstieg aus dem Wasser sorgt eine Leiter mit zwei soliden Haltebügeln. Wer sich nach dem Bad schnell mal auf der Plattform abduschen möchte, zahlt knapp 200 € Aufpreis. Sonnenanbeter begeben sich entweder aufs Vordeck zur Bugbank oder auf die Flybridge.

Dort oben gibt es bis auf den Fahrerplatz keine Sitzmöglichkeit, sondern eine Sonnenliege mit hochgestelltem Kopfteil.

Hier können es sich zwei Personen bequem machen und haben außerdem einen guten Überblick auf das gesamte Boot. Das hat ebenfalls der Fahrer auf seinem dünn und weich gepolsterten Schalensitz mit Klapplehne. Der Sitz lässt sich für die ideale Sitzposition vor- und zurückschieben. Die Schaltung sitzt auf der Oberseite der Seitenwand und muss mit der linken Hand bedient werden, dabei stört teilweise die Stütze, der sonst gut zu bewertenden Reling.

Gestartet sind wir auch von hier oben, und zwar in der Marina am Yachthafen 1, in Deetz, wo die Bootsimporteurin Annekathrin Fichtner ihren Stützpunkt hat. Damit beim Ablegen nichts schief geht, installiert Balt Yachts ein Bugstrahlruder serienmäßig.

Die ersten Meter auf dem Kanal müssen wir erst mal Ruhe bewahren, das Boot einpendeln lassen und wenn überhaupt, nur ganz wenig gegenlenken, sonst schießt man gleich wieder über das Ziel hinaus. Auf der Havel geben wir dann langsam immer mehr Gas und nehmen unsere Messwerte auf. Daraus errechnet sich eine wirtschaftliche Marschfahrt um die 6 kn. Dann benötigt unser 115-PS-Mercury Außenborder 0,83 l/sm und dank des 197-l-Tanks kommt das Gespann über 200 sm plus 15 % Reserve weit. Ein ordentlicher Wert.

Der ändert sich rapide, sobald man den Gashebel Richtung Vollgas schiebt und der Außenborder mit "Command Thrust" kräftig am Spiegel drückt.

Die SeaCamper beschleunigt jetzt auf maximal 14,1 kn und es laufen gut 2,5 l/sm durch die Spritleitung, was die Reichweite auf 65 sm schrumpfen lässt.

Je länger wir auf dem Wasser sind, desto windiger wird es. Dass sich der Wind auf den hohen Aufbau auswirkt, ist bei diesem Bootstyp nicht verwunderlich. Gewöhnungsbedürftig ist jedoch die schnelle Fahrt von der Fly, denn besonders bei Wellen schwingt es kräftig hin und her – da ist ein sensibles Lenkhändchen erforderlich.

Eine Etage tiefer, am Fahrstand im Salon ist das Schaukeln selbstverständlich weniger spürbar. Allerdings kann man das Bootsheck samt Außenborder von hier unten nicht so gut sehen wie von oben durch die Luke des Aufstiegs (mit solider Leiter).

Geht es um die Navigationsinstrumente, hilft der Blick auf die Optionsliste, gleiches gilt für die Heizung, Klimaanlage, Persenning-Seitenteile für das Cockpit und die Motormontage, die genauso gut ausgeführt wurde wie der Rest der Installationen und Verarbeitung.     

Diesen Test lesen Sie in der April-Ausgabe 2019 von BOOTE, die es seit dem 20.03.19 am Kiosk gibt. 

Ralf Marquard am 09.03.2020