Technohull seaDNA 999 G5 Technohull seaDNA 999 G5

Test: Technohull seaDNA 999G5

Gummi geben

Dieter Wanke am 30.07.2018

Die Technohull bietet mit ihrem schnittigen Stufenrumpf mit tiefem V enorm viel Platz bei maximalem Fahrvergnügen

Das Kürzel G5 im Namen des Hochleistungs-RIBs seaDNA 999 steht für die fünfte Generation – und in diese sind signifikante Änderungen ein­geflossen.

Der Rumpf ist für so einen Flitzer das entscheidende Bauteil. Er wurde ursprünglich in Zusammenarbeit mit dem britischen Spezialisten Adam Younger entwickelt. Das Ergebnis gehört zu den Leckerbissen des Segments.

Zu den Modifikationen bei der G5 zählt unter anderem, dass Deck und Heckbereich zu einem Teil zusammengelegt wurden. Das bringt Vorteile bei Produktion und Stabilität. Die Rümpfe werden nur noch mit Vinylesterharz laminiert, vorher war auch Polyester bestellbar. Bei den Stringern – nun mit Schaumkernen – kommt ebenfalls das hochwertige Harz zum Einsatz. So sind sie elastischer und halten hohen Belastungen besser stand.

Fotostrecke: Technohull seaDNA 999G5

Durch das Harz wird Osmose vermieden, da es auf Epoxidmolekülen basiert. Im Gegensatz zu Epoxy kann Vinylester direkt mit einem Gelcoat kombiniert werden, was die Pflege erleichtert. Außerdem hat die G5 dickere Schläuche (55 cm) aus Orca 866 mit über 40 Farben.

Sie ist insgesamt höher als das Urmodell, was den Aufenthalt im Cockpit insbesondere bei ruppigen Bedingungen noch sicherer macht.

Auch die Tankbefestigung wurde geändert. Das Reservoir liegt nun in einer mit Schaum gepolsterten Sperrholzwanne, was Schäden durch Schläge verhindert.

Die Werft versteht sich als Manufaktur. Eine Technohull kann sich deshalb jeder nach eigenen Vorstellungen bauen lassen. Grundlage ist ein Modulsystem, das bei der seaDNA 999 aus drei Bugformen – "Cabin", "Delta" und "Open" – sowie den vier Heckvarianten "Inboard", "Classic Sun Deck", "Straight" sowie "U-Shape" besteht. Das Testboot basiert auf den Modulen "Open" und "U-Shape". Vor der Zen­tralkonsole befindet sich die u-förmige Sitzgruppe – wahlweise mit Tisch.

Mit Zusatzelementen ergänzt, dient sie auch als Liegefläche. Darunter sind Stauräume. Im Ankerkasten gehört die fernbedienbare elektrische Ankerwinde zum Standard. In der Konsole befindet sich vorn eine Klappe mit integriertem Sitz, dahinter ist ein Stauraum.

Der kann auf Wunsch mit einer E-Toilette sowie einer Persenning ausgerüstet werden und auch als Umkleidekabine dienen. An der Rückseite dann der Steuerstand. Die Grundausstattung –Kompass, Motorinstrumente, Schalter und Gashebel – lässt sich um ein Multifunktionsdisplay erweitern.

Das T-Top mit transparentem Dach ist Zubehör. Die nachfolgenden, stoßabsorbierenden Einzelsitze in einer oder wahlweise zwei Sitzreihen bieten guten Seitenhalt und fungieren bei heruntergeklappter Sitzfläche als Stehsitze. Elektrisch verstellbare Versionen sind optional erhältlich.

Im Heck folgt eine u-förmige Sitzbank, die ebenfalls mittels Zusatzpolstern zur Liegefläche wird. Die Frischwasser-Heckdusche gehört wie die Badeleiter zur Grundausstattung.

Bei den Einbaumotoren sind Doppelanlagen mit Mercury-Dieseln vom Typ 2,0L-170 oder ein Mercury-Diesel TDI 4,2L-370 mit Bravo-Three-Antrieben gelistet. Bei zwei Mercury Verados stehen F400, F350 und F300 zur Wahl, einzeln ist ein Verado F400 Racing verfügbar. Wenn technisch machbar, werden auch andere Fabrikate montiert, wie die Ausstattung des Testbootes mit zwei Yamaha F300 zeigt.

Es wurden kürzere BETX-Versionen gewählt, weil das Boot sich so nach Kundenmeinung besser für schnelle Fahrten bei niedrigem Verbrauch und geringem Seegang eignet; bei scharf gefahrenen Manövern führt das aber zu Kavitationsproblemen.

Nur vier Sekunden vergehen, bis wir bei 1700 U/min mit niedrigen 10 kn gleiten. Länge läuft halt. Den Topspeed von 58,9 kn erreichen wir nach 22 Sekunden mit 5500 U/min. Genau hier entwickelt der Motor auch seine volle Leistung. Die Ideal­dreh­zahl liegt bei 3300 Touren. Damit sind flotte 32 kn drin, und es laufen stündlich 58 l durch die beiden 4,2-l-V6er. Mit dem 450-l-Tank sind so (abzüglich 15 % Reserve) Schläge von 211 sm machbar.

Im Testboot ist für Notfälle noch ein weiterer Tank mit rund 160 l installiert. Der tiefe V-Rumpf mit zwei Stufen kann mit einem exzellenten Handling und weichem Eintauchen in die Wellen voll überzeugen.

Schnelle Vollkreise bei 25 kn sind mit drei Bootslängen Durchmesser machbar. Bei langsamen Kreisen beträgt er in beide Richtungen nur 1,3 Boots­längen. Auf Bewegungen am Gashebel oder der Lenkung reagiert das Boot ohne Verzögerung.

Um so viel Spaß genießen zu können, müssen für die getestete seaDNA 999G5 in der Grundausstattung 142 800 Euro angespart werden. Das gegenläufige Motorenpaar am Testboot liegt bei weiteren 62 455 Euro. Dazu kommen Montage und Zubehör.

Den Import der Edelschläuche aus Alimos bei Athen für Deutschland, Österreich und die Schweiz übernimmt die Technohull Swiss AG aus Tägerwilen am Bodensee. Dahinter steckt der Schlauchbootspezialist Bernd Stockmann aus Dö­mitz, der ebenso als Händler der Marke für Deutschland agiert wie der Valentina Bootservice in Konstanz. Das Testboot läuft bei RIBCruises Athen in der Charter.

Fazit:
Die seaDNA 999G5 hat exzellente Fahreigenschaften – selbst bei hohen Geschwindigkeiten ist eine angenehme Fahrt möglich. Sie ist gut ver­arbeitet und mit 2,6 t Gesamtgewicht sogar noch trailerbar. 

Dieser Test stammt aus BOOTE 9/2017

Sie möchten den vollständigen Test mit allen Messwerten haben? Dann laden Sie sich das PDF weiter unten herunter. 

Dieter Wanke am 30.07.2018