Viper V 323 S Viper V 323 S

Test: Viper V 323 S

Schlangenlinie - Teil 2

Peter Lässig am 05.02.2019

Fahren und Manövrieren

Mit entgegengesetzt eingekuppelten Getrieben lässt sich die V 323 S nahezu auf der Stelle drehen und mit beiden Schalthebeln auf "Voraus" oder "Zurück" durchmisst ein Wendekreis etwa zwei Bootslängen. Auch das Umsteuern von einer Seite zur anderen gelingt jeweils direkt. Das begünstigt Manövrieren in langsamer Fahrt. Das serienmäßige Bugstrahlruder braucht man nur bei widrigen Wind- oder Strömungsverhältnissen. Motoren und Getriebe werden über eine mechanische Schaltbox bedient, daher muss man für den Synchronlauf beider Motoren mit niedrigen Drehzahlen mit den Schalthebeln etwas friemeln.

Gelingt es, beide V6 gleich drehen zu lassen, fährt unser Testboot in langsamer Fahrt (1500 U/min) artig geradeaus und erzeugt bei einem Tempo von 6 kn wenige Wellen. Ohne sich viel zu vertrimmen, beginnt unser Testboot ab 3000 U/min in Gleitfahrt überzugehen. Mit 150 U/min mehr als vom Hersteller erlaubt (5200 U/min) loggt sich auf dem Rhein eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 36 kn im GPS ein, und den Sprint von 0–60 km/h messen wir mit 17,8 s. Eine Tankfüllung reicht theoretisch in langsamer Fahrt für knapp 200 sm Wegstrecke plus 15 % Reserve. Wirtschaftlich ist man mit dem Testboot in schneller Gleitfahrt mit Tempo 24 kn unterwegs, wenn die Motoren 4000 U/min drehen. Da reicht eine Tankfüllung für akzeptable 156 sm am Stück und bei Vollgas 111 sm plus Reserve. Mit gerade noch "Gut" werten wir die Schalldruckwerte, die erst ab 4500 U/min die 85-dB/A-Grenze durchbrechen.

In den immer enger verlaufenden Kurven bremst sich die Viper V 323 S bis auf unterste Gleitgeschwindigkeit ab und zieht, ohne zu schaukeln oder einzuhaken, ihre Bahnen. Messen dabei die Kurvendurchmesser unter drei Bootslängen, greifen die Propeller ins Leere und verlangen neu anzufahren.

Die mit Volldampf gefahrenen Extremmanöver absolviert das Testboot absolut zufriedenstellend und dabei entstehende Fliehkräfte sind haltbar. Auf der imaginären Slalomstrecke bringt man das Testboot ungefährlich über die Längsachse zum Pendeln, und beim Verreißen des Ruders folgt es prompt dem eingeschlagenen Kurs. Für den Rauwassertest halten die Wellen der Berufsschifffahrt her, die den Rumpf der V 323 S kaum fordern. Bequem und zugfrei sitzt der Fahrer in seinem Schalensitz vor einem aufwendig gestalteten Fahrstand. Störend spiegeln sich Instrumente und helle Anbauteile in der Windschutzscheibe.

Zwar serienmäßig vorhanden, aber im Ernstfall nur ein Guckloch freigebend, werten wir den Scheibenwischer vor dem Skipper ab. Analogkompass und Echolot sind Standard. Gefühlt zu schwergängig monieren wir die Steuerung, außerdem berührt bei Vollgas die Hand auf den Schalthebeln die davor platzierten Schalter am Fahrstand. Beifahrer sitzen an Backbord auf einer Sitzbank am Tisch ohne ausgewiesene Haltegriffe. Für besonderen Halt sorgt dort aber eine Einsteckrückenlehne im vorderen Bereich der Sitzbank.

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Peter Lässig am 05.02.2019