Zeelander Z 55 Zeelander Z 55

Test: Zeelander Z 55

Eine runde Sache

Peter Lässig am 30.09.2019

Mit ihrem Tumblehome-Heck erscheint ihr Aussehen klassisch, aber sie ist mit der neuesten Technik ausgestattet

Zeelander existiert seit 2003 in Groot-Ammers in den Niederlanden, wo die erste Zeelander, eine Z 44 auf dem Papier entstand und dann in der Türkei produziert wurde. Da aber die überwiegende Kundschaft aus den USA stammt, ging man zu Tiara in Michigan, um dort die 44er produzieren zu lassen.

Fotostrecke: Zeelander Z 55

Ein texanischer Kunde wollte aber etwas größeres, woraus die Zeelander Z 55 resultierte. Um dem Anspruch gerecht zu werden, dass holländische Boote auch in Holland gebaut werden sollen, besann man sich auf das Heimatland und beschloss Groot-Ammers zum Produktionsort der Zeelander-Boote werden zu lassen.

Mittlerweile ist hier schon eine Zeelander Z 66 vom Stapel gelaufen. Damit aber nicht genug, zukünftig sollen hier die Modelle Z 72 bis Z 80 gefertigt werden.

Das Aussehen von Zeelander-Booten stammt aus der Vergangenheit und ist ein Mix aus Lobster-Booten und Commuter-Booten.

Commuter bedeutet Pendler, und die hatten ihren Ursprung Anfang des vorigen Jahrhunderts in den USA, als die Reichen und Schönen ein Transportmittel brauchten, um schnell von ihren Wohnungen auf Long Island in die Büros von Manhattan New York zu gelangen. Commuter wurden rasch zum Inbegriff für schnelle Yachten, Luxus, komfortables Reisen und galten vor allem als Statussymbol.

Illustre Namen der Zeitgeschichte haben einen besessen. Die Kennedys beispielsweise nutzten 20 Jahre lang einen Commuter. Präsident John F. Kennedy fuhr damit zum Fischen oder gebrauchte das Boot als repräsentative Yacht. Darüber hinaus gefiel den Machern von Zeelander auch das sogenannte Tumblehome-Heck, ein sich nach obenhin einwärts neigendes Heck, ein nicht nur in der Vergangenheit gern genutztes Stilelement, dessen man sich heute wieder besinnt.

Zeelander-Boote sind für Personen mit dem besonderen Anspruch und die gern bei Bau und Ausstattung mitgestalten möchten. Mit anderen Worten: ein Boot für Individualisten.

Das ist auch ein Grund dafür, weshalb wir uns mit Kritik etwas zurückhalten und hier nur anmerken, dass der Anspruch der Werft, Qualität zu liefern, beim Testboot auch erfüllt wird. Lediglich ein paar Kleinigkeiten fallen ins Auge, die noch nicht so ganz perfekt sind.

Runde und geschwungene Linien sind das durchgehende Stilelement, wodurch die Z 55 einen Hauch von Verspieltheit ausstrahlt. So sind die Handläufe elliptisch geformt und durch das eingeprägte Zeeland-Logo unverwechselbar – genauso wie die selbst angefertigten Belegklampen.

Das Boot ist lackiert und das Holz unter der umlaufenden Reling sowie bei den Fenstereinfassungen des Kabinenaufbaus mit der Farbgestaltung versehen, wie sie der Kunde wünscht. Insgesamt erscheint der Bau überaus aufwendig. Das "Nichts ist unmöglich, alles ist machbar"-Motto spiegelt sich im gesamten Boot wider, außen wie auch innen.

Unser Testboot wartet unter Deck mit drei Kabinen auf, eine für den Eigner und zwei für Gäste. Während der Eigner über ein eigenes Bad mit Duschkabine und WC verfügt, teilen sich die Gäste an Bord ein Bad mit gleichem Equipment. Der Kabinenaufbau ist rundum mit Fenstern versehen, was den Gästen auf der großen L-förmigen Couch einen feinen und ungestörten Rundumblick garantiert. Steht die Hecktür offen und ist dazu das große, halbrunde Fenster hinten abgesenkt sowie das Schiebedach geöffnet, hat man das Gefühl, fast in einer Open zu sitzen.

Den Fahrstand schmücken zwei mit Stoßdämpfern ausgestattete Steuermannsstühle. Das Ruder ist mittig angeordnet, links davon befindet sich die Schaltung und rechts der Joystick, mit dem das Boot in langsamer Fahrt in jede Richtung manövriert werden kann – etwas gewöhnungsbedürftig. Ansonsten ist der Fahrstand puristisch ausgelegt mit zwei Touchscreens, auf denen alles abgebildet und gehandhabt werden kann, was mit Navigation, Boot und Motoren zu tun hat. Einen Kompass haben wir nicht gesehen.

Hinter der Dinette ist die Pantry so angeordnet, dass sie bei offenem Fenster zugleich als Bar dient und damit den sozialen und geselligen Mittelpunkt des Bootes darstellt. Den Abschluss bildet eine große Sitzgruppe mit Tisch am Heck.

Der Clou ist neben der quer eingebauten Tendergarage das Heck des Bootes. Es lässt sich auf Knopfdruck herunterklappen und wird zu einer riesigen Badeplattform, in der an Backbord eine große und bequeme Badeleiter steckt. Wie aber kommt man an Bord, wenn man sich mit geschlossenem Heck im Wasser befindet? Über einen Schalter außenbords kann man das Heck aufklappen.

Mit aktiviertem Trollingsystem bewegen wir uns mit 3 kn Fahrt aus dem Hafen heraus. Draußen legen wir die beiden Fahrhebel auf den Tisch und die Z 55 beschleunigt bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 32 kn, während beide Volvo-Diesel nicht ganz die maximale Drehzahl erreichen. Nach Auswertung unserer Messdaten bestätigt sich die Werftaussage, dass die Z 55 bei 25 kn Marschfahrt wirtschaftlich unterwegs ist.

Eine Tankfüllung reicht dann für einen theoretischen Aktionsradius von knapp 350 sm plus 15 % Reserve. Das erfüllt nicht ganz unsere Forderung, liegt aber auch nicht weit davon entfernt und gilt als akzeptabel.

Wer Strecke machen will, muss aber Fahrt rausnehmen, wo je nach Tempo und Drehzahlen bis etwa 1600 sm plus Reserve möglich sind. Lobenswert ist die Motorraumdämmung, die dafür sorgt, dass wir im geschlossenen Salon einen maximalen Schalldruck von 72 dB/A messen.

Zu allem, was mit Technik zu tun hat, gelangt man, wenn das hintere Cockpitteil samt Sitzgruppen auf Knopfdruck angehoben wird. Im Motorraum ist alles gut zugänglich sowie sauber und ordentlich verbaut. Für den schnellen Zugriff wünschen wir uns eine extra Bodenluke. Zeelander stattet ihre Z 55 reichhaltig aus und bietet über eine nach oben offene Zubehörliste viel Individualität. Unser Testboot kostet in dieser Ausstattung etwas über drei Millionen Euro.

FAZIT

Jede Zeelander ist einzigartig. Die Verarbeitung entspricht den Ansprüchen, viele Details beweisen es. Die Fahreigenschaften geben keinen Anlass zur Kritik. Und was das Aussehen angeht, lenkt sie die Aufmerksamkeit auf sich. Sie ist eine Augenweide: unaufdringlich, modern und zeitlos gediegen.

Den vollständigen Test lesen Sie in der September-Ausgabe 2018 von BOOTE. Oder Sie laden sich das PDF zum Test weiter unten herunter. 

Peter Lässig am 30.09.2019