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Neuheit: Cigarette 41' SD GT3

Geballte Power

Dieter Wanke am 27.06.2017

Die AMG-inspirierte Cigarette 41' SD GT3 ist das schnellste Boot der Welt mit Center-Konsole. Wir fuhren das schnittige Kraftpaket auf dem Rhein

Die Boote von Cigarette Racing sind Legenden mit Spitzenleistungen. Genau wie die rennfertigen Fahrzeuge von Mercedes-AMG. Seit 2007 besteht eine Allianz beider Marken. Die vom Mercedes-AMG GT3 inspirierte Cigarette
41' SD GT3 ist das neueste Produkt – wie immer ein Einzelstück.

Es ist ein sonniger und warmer Frühlingstag, als wir beim deutschen Importeur in Neuwied am Rhein ankommen. Der High-Speed-Fan Alfred Zurhausen steckt hinter der Marine Partner Network GmbH & Co. KG, die neben Cigarette auch die Boote von Formula importiert.

Die 41' SD GT3 ist die Schwester der 2013 vorgestellten, ebenfalls AMG-inspirierten 42' Huntress, die mit fünf Mercury-Verado-350-Außenbordern debütierte. Der neue Bolide setzt auf zwei Innenborder. Aus dem Delika­tessenangebot von Mercury Racing wurden 1100er-Triebwerke gewählt. Die 90-Grad-V8-Alumotoren mit zwei oben liegenden Nockenwellen und Vierventiltechnik schöpfen dank wassergekühlter Doppelturbolader aus 9 Litern Hubraum zusammen 1640 kW (2200 PS) – mehr als genug, um einen 40-Füßer auf enorme Geschwindigkeiten zu bringen, auch wenn er rund 9 Tonnen wiegt. Ins Wasser kommt die Kraft mittels M6-Z-Antrieben mit Oberflächenpropellern.

An Deck geht es fast normal zu. Hinter dem seitlichen Einstieg folgen im Cockpit mit Leder gepolsterte Sitzgelegenheiten. Das Deck ist mit Teak ausgelegt. Auf beiden Seiten gibt es Ausstiege nach hinten. Nach vorn schließen sich drei Einzelsitze und die von einem T-Top überdachte Zentralkonsole an. Der Steuerstand ist gespickt mit Elektronik und Schaltern. Unter der Konsole verbirgt sich eine Kabine mit Doppelkoje, Toilette und Waschbecken. Im offenen Bug warten Sitzgelegenheiten und eine Sonnenliege. Ein sehr praktischer Rundum-Handlauf sorgt für Halt.

Fotostrecke: Cigarette 41' SD GT3

Dem Anlassen folgt kerniges Geblubber. Wir fahren zur Startposition. Zuerst wird der Gang eingelegt. Die langsame Vorwärts­bewegung beginnt. Nun gilt es, das Boot in Gleitfahrt zu bringen. Das ist bei den Oberflächenpropellern nicht so einfach, ins­besondere wenn die Kandidatin vor Kraft kaum laufen kann. Würde man einfach die Hebel auf den Tisch legen, würden die Props kavitieren, und der Vorwärtsdrang hielte sich in Grenzen. Fingerspitzengefühl ist gefragt. Vorsichtiges Beschleunigen mit gleich­zeitiger Arbeit an der Trimmung führt zum Erfolg. Bei gut 2000 U/min gleitet der Flitzer. Erst jetzt kann die Hebelei hemmungslos bewegt werden.

Was nun folgt, ist mit dem Start eines Düsenjets zu vergleichen, und so hört es sich auch an. Das Pfeifen der Turbolader vermittelt den Eindruck, auf Strahltriebwerken zu sitzen. Die Frachter auf dem Rhein erscheinen wie lahme Enten.

Wir fädeln uns im Slalom durch die Kolonne. Schon kurz darauf ist fast der Rekordwert von 167 km/h erreicht, den die 41' SD GT3 bereits geschafft hat. Wir fahren 165,4 km/h, also 89,3 kn bei 6200 U/min. Das Wasser wirkt wie Beton. Der Renner liegt überraschend ruhig in seinem Medium. Die Heckwellen der Frachter verursachen nur ein leichtes Rütteln, wie auf der Autobahn. Dafür muss man rund 1,5 Millionen Euro an­sparen – und noch etwas mehr, um gelegentlich den 1325-Liter-Tank zu füllen. Wer die Spitzenmotorisierung nicht braucht, kann alternativ zwei Mercury-TDI-370-Diesel montieren lassen, die auch per Joystick steuerbar sind. Deren 544 kW (740 PS) werden vielen genügen, und dann reicht auch eine Million Euro. Außerdem stehen drei Mercury-Racing-Benziner zur Wahl.

Dieter Wanke am 27.06.2017
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