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Oldies

„Bei uns wird nicht gefrickelt!“

Erich Bogadtke am 12.04.2011

Halbe Sachen sind nicht ihr Ding: Carsten Klink und Malte Krüger restaurieren Autoboote und Backdecker, nicht einfach so, versteht sich! TEIL 3.

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Historische Bootstypen: Da kommen Technik-Liebhaber wie Carsten Klink (rechts) und BOOTE-Redakteur Erich Bogadtke ins Schwärmen.

Malte Krüger, der, wie er selbst sagt, mit Werkzeug nicht besonders gut umgehen kann, bleibt auch im eigenen Geschäft das, was er schon immer war: Fahnder, Beschaffer und Organisator. Das heißt, immer auf der Suche nach Motoren, Autos und neuerdings auch Booten. Nicht gefunden (dass war Chef-Kollege Carsten Klink), aber in der „Rekonvaleszenz“ begleitet, hat er unter anderem eine 9,10 m lange Limousine aus genietetem Stahl, deren Kajütaufbau aus Mahagoni auch dank der zwölf Schichten Lack schon vor Abschluss der Renovierung einen glänzenden Eindruck macht.

Dagegen gibt die aus massivem Mahagoni gebaute Autobootlimousine gleich nebenan ein ziemlich trostloses Bild ab. Dass sie dennoch auf der „Boot und Fun“ Berlin, wo sie unter dem Motto „vorher – nachher“ auf dem Messestand von Klink & Krüger neben der perfekt restaurierten Germania steht, zum Publikumsmagneten avanciert, liegt weniger an ihrer kaum noch zu erkennenden Schönheit, als an dem Gerücht, dass sie einmal Hildegard Knef gehört haben soll.

Ob die 2002 verstorbene Schauspielerin, Chansonette und Autorin jemals an Bord des Bootes war, wollen die Messe-Macher jetzt klären. Gesucht werden Zeitzeugen, Fotos und Hintergründe. Carsten Klink und sein Team lassen sich von dem Fahndungsaufruf kaum beeindrucken, sie sind aktuell mehr an der Zukunft als an der Vergangenheit des Bootes interessiert.

Die bei Engelbrecht gebaute Limousine ist bereits komplett gelasert. Soll heißen, alle Abmessungen und Formen wurden vom Computer erfasst und in 3-D-Zeichnungen dargestellt. Fehlt nur noch ein Liebhaber, der sich die von Malte Krüger ausgesprochene Maxime „Bei uns wird nicht gefrickelt“ (übersetzt: Aufgaben nicht in Pfuscharbeit erledigen) zu eigen macht und die aufwendige Komplett-Renovierung in Auftrag gibt.

Bis dahin kümmern sich David Schmidt und Rolf Overberg um die anderen „Patienten“. Auf der Intensivstation der gelernten Bootsbauer, die es lieben, an historischen Booten zu arbeiten, liegen im Sommer 2010 ein 1000-Reichsmark-Boot, das bei Engelbrecht gebaut wurde und seinerzeit das Prädikat „Autoboot des kleinen Mannes“ besaß, und ein Doppelplichtboot. Markenzeichen dieses Bootstyps sind zwei durch Deck und Schottwand getrennte Sitzreihen und leistungsstarke Motoren.

Während Ferdinand Porsche, der ein baugleiches Doppelplichtboot besaß, das auf dem Wörthersee in Brand geriet und unterging, einen V-8 von Ford installieren ließ, wird der zukünftige Eigner der von Klink & Krüger restaurierten Schönheit auf einen Lycoming-Motor vertrauen. Der 125 PS starke Reihenachtzylinder stammt ursprünglich aus einem Duesenberg, einem der legendären Automobile, die bei gekrönten Häuptern und Filmstars, aber – zum Leidwesen ihrer Hersteller – auch bei Gangsterbossen hoch angesehen sind. Auch wenn die mit ihrer Mutter schon 1885 aus Deutschland in die USA ausgewanderten Brüder Friedrich und August Duesenberg sich ihre Kundschaft aussuchen können, rollt das eine oder andere Auto auf Umwegen in die Garagen von Al Capone & Co.

Das typische Plattbodenschiff am Ende der Halle passt in keine Garage und hat auch keinen Eigner mit Hang zum Kriminellen. Die Tjalk des niederländischen Botschafters in Berlin bekommt einen neuen, maßgeschneiderten Innenausbau aus Eiche, für David Schmidt und Rolf Overberg, die (fast) nichts lieber tun als sägen, hobeln, schleifen und lackieren, eine Arbeit ganz nach ihrem Geschmack.

Andre Kimmritz, der als selbstständiger Subunternehmer im Klink-&-Krüger-Team arbeitet, hat mit Holz nichts am Hut. Der 42-jährige Elektriker und Glasbläser, der zu Zeiten der DDR morgens Röhren für Fernseher und nachmittags Weingläser fertigte, kümmert sich heute um den Metallbau und Motoren, räumt aber ein, dass er „große Sachen“ wie die Fertigung von neuen Kolben und die Instandsetzung von Kurbelwellen lieber den Spezialisten überlässt.

Zeit für einen Ausflug mit der „Germania Mea“. David Schmidt hat getankt und noch einmal die Ölstände und Fettbuchsen kontrolliert, alles was jetzt kommt, ist Chef-Sache. Carsten Klink weiß, wie viel Frühzündung und Gas der Achtzylinder braucht, um schon nach wenigen Kurbelwellenumdrehungen anzuspringen. „Wir haben eine elektronische Zündung installiert“, kommentiert er den starken Auftritt des „grundsanierten“ Motors und bittet an Bord. Sockfuß versteht sich.

Die Chronik der nächsten Stunde ist auch für den BOOTE-Schreiber, der viel gesehen und erlebt hat, alles andere als alltäglich. Er ist begeistert. Begeistert von den Formen des Bootes, vom einmaligen Sound des Motors, von Instrumenten und Armaturen, die schön und funktionell zugleich sind, von perfekt verarbeiteten Hölzern, makellosen Lackierungen, feinstem Leder und davon, dass das alles alltagstauglich ist.

„Dank des hydraulischen Getriebes“, verrät Carsten Klink, der im Sommer, wenn es irgend­wie passt, mit der Germania und Hündin Kira ins Büro kommt. Zurück auf dem (Hallen-)Boden, verraten uns Carsten Klink und Malte Krüger ihre Pläne für die Zukunft. Solange es noch alte Autoboote gibt, will man diese restaurieren, darüber hinaus aber auch neue Boote nach historischen Vorbildern bauen. Mit moderner Technik, aber ansonsten originalgetreu.

Retro? Nein, danke! Natürlich, dass wissen beide, muss man auch Geld verdienen. Deshalb wollen sie auch Otto Normalbootfahrer mit seinem modernen Kunststoffboot als Kunden gewinnen. Also, liebe Motorbootfahrer, das Navi-System programmieren und auf dem Parkplatz des Discounters nach der Tafel mit dem Klink-&-Krüger-Logo
Ausschau halten!

Teil 2: So weich gebettet wie Edward VII.

Teil 1: Handwerkskunst der „Alten Meister“

Die ganze Reportage mit noch mehr Fotos finden Sie auch in der aktuellen April-Ausgabe von BOOTE, die es noch bis zum 26. April am Kiosk gibt.

Erich Bogadtke am 12.04.2011