Boot von Hildegard Knef Boot von Hildegard Knef
Oldies

Das Rätsel um die „Jubelwanne“

Gernot Apfelstedt am 03.04.2011

Im letzten Herbst machte das angebliche Boot von Hildegard Knef auf der Berliner Bootsmesse Schlagzeilen. Was ist dran an der Engelbrecht-Limousine?

Boot von Hildegard Knef

Matthias Bähr, Projektleiter der Boot und Fun Berlin, und Corinna Weidner, Autorin und Hildegard-Knef-Expertin, vor einem alten Engelbrecht-Boot in der Klassikerhalle, das per „Zufall“ in den Fokus geriet. Ist es das besagte Urlaubsboot der Knef?

Die Geschichte, wie die elegante, wenn auch arg restaurierungsbedürftige Engelbrecht-Limousine aus den 30er-Jahren auf die Boot und Fun Berlin 2010 kam und dort zum Medienereignis wurde, ist beinahe genauso interessant wie die des Bootes.

Rund sechs Wochen vor Messeeröffnung. Max Hiller, Pressesprecher der Boot und Fun und selbst Eigner eines Oldie-Bootes, ist zu Besuch bei Klink & Krüger, renommierter Restaurationsbetrieb für Klassische Motorboote & Automobile in Berlin-Köpenick. Gemeinsam mit Carsten Klink und Malte Krüger will er über Details der Klassikerhalle sprechen, die unter seiner Regie steht.

Klink & Krüger wollen ihr originalgetreu restauriertes Autoboot „Germania“ ausstellen. Hiller regt an, ein nicht restauriertes Boot als Kontrast danebenzustellen. Er will deutlich machen, was möglich ist: „Ihr habt da doch diese Limousine ...“ Carsten Klink erzählt, dass er das Boot unlängst aus Schleswig-Holstein geholt habe und zitiert eher beiläufig den Voreigner: „Das ist das Boot, mit dem die Knef früher gefahren ist.“

Von dieser Nachricht ist Max Hiller wie elektrisiert. Ein Knef-Boot auf der Boot und Fun, das wäre der Knaller, denkt er und setzt alle Hebel in Bewegung, um dieser Information auf den Grund zu gehen. Einer dieser Hebel ist Hillers Frau Corinna Weidner, die 2005 – es hätte sich nicht besser fügen können – einen Hildegard-Knef-Bildband herausgegeben hat. 

Seither pflegt sie Kontakt zu Knefs Ex-Ehemann David Cameron, der heute zeitweise in Österreich lebt. Am 18. November 2010 ruft Corinna Weidner Cameron an, konfrontiert ihn mit dem Boot. Und der erinnert sich wie aus der Pistole geschossen, auch wenn die Ereignisse fast 50 Jahre zurückliegen. Ein Auszug aus dem Interview:

„1961 haben wir für vier Wochen ein Boot gemietet. Aber dann wurde die Mauer gebaut, und wir mussten unsere Bootsferien abbrechen. Wir kamen von der Tournee (,Nicht von gestern‘), waren sehr erschöpft und wollten nicht normale Ferien machen. Ich fand Berlin ja wunderbar und habe Hilde vorgeschlagen, ein Boot zu mieten. Man konnte überall herumfahren, das war fantastisch! Wir sind ganz gemütlich gefahren, sind baden gegangen, haben Picknick gemacht und den ganzen Tag auf dem Boot gefaulenzt.“

„Das Boot lag in Wannsee, von da aus sind wir über die Havel bis nach Spandau und Tegel. Gefahren bin ich! Es war ein kleines Boot und hatte eine Kajüte, da konnten sich zwei Leute gerade so hinlegen, also viel zu eng und unbequem, um darauf zu übernachten. ,Jubelwanne‘ hieß das Boot, der Name stand seitlich auf dem Rumpf.“

Ob es sich bei dem auf der Berliner Bootsmesse gezeigten Engelbrecht-Boot tatsächlich um die „Jubelwanne“ handelt, ist unklar. Doch das „Es könnte sein“ reichte völlig, um das Boot zu einem der Publikumslieblinge zu machen. Ungeachtet dessen wollen die Messemacher die Identität des Bootes klären und suchen Zeitzeugen, Fotos und Hintergründe. Ein Schwarz-Weiß-Bild tauchte noch während der Bootsschau auf. Die Detektivarbeit beginnt erst.

Gernot Apfelstedt am 03.04.2011