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Oldies

Die Glastron-Community

Aaron Schreiber am 15.06.2011

Classic Glastron: Ob Carlson, GT oder Hammond – die markanten Kunststoffboote sind Kult und ihre Fangemeinde wächst. Auch in Deutschland.

Glastron Classic

Mittagspause im Päckchen: Im belgischen Deinze fand das jüngste Glastron-Treffen statt. Das nächste steht kurz bevor.

Dass die Marke Glastron, die einst durch Bruno Tibus in Europa bekannt wurde, heute einen solchen Kult-Status erreicht hat, hätte damals wohl niemand für möglich gehalten. Der Pioniergeist und die Verkaufserfolge des seinerzeitigen Generalimporteurs aus Rhumspringe sind auch Basis der Renaissance der GFK-Klassiker aus Texas, deren weltweite Fan-Gemeinde – vereint in der Classic Glastron Owners Association (CGOA) – ein Stück amerikanischer Bootsbaugeschichte lebt. Auch in Europa und besonders in Deutschland.

Fotostrecke: Glastron-Community

Jedes Jahr treffen sich Glastron-Besitzer aus Nordeuropa, um an dem mittlerweile fest im CGOA-Kalender eingetragenen Annual European Classic Glastron Meeting teilzunehmen. Die Community wächst: Waren es beim ersten Treffen 2007 in Dänemark nur vier Boote, wurden beim letztjährigen Treffen in Neu Darchau an der Elbe bereits 13 gezählt. Fürs nächste Meeting vom 17. bis 19. Juni 2011 (erneut in Neu Darchau) haben sich schon 29 Eigner von Glastron-Oldies angemeldet.

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Wasserzeichen: An ihrem Roostertail kann man Dennis Krebs' Carlson mit überarbeitetem Oldsmobile-Motor schon von weitem erkennen.

Die An- und Abfahrt von mehr als 1000 Kilometern schreckt die Besitzer nicht ab. Erst einmal angekommen, freuen sich selbst Erwachsene wie kleine Kinder auf die gemeinsame Fahrt im Pulk die Elbe runter. Der Preis für die weiteste Anreise ging 2010 an Wim Blommaert aus Belgien. Er trailerte seine CSS 23 über eine Gesamtstrecke von 1300 Kilometern nach Norddeutschland.

Das Teilnehmerfeld besteht aus den unterschiedlichsten Schmuckstücken der Glastron-Geschichte: von spanischen oder amerikanischen Larayas über glitzernde Carlsons, springende GTs – berühmt geworden in den 70ern durch eine Action-Szene im James-Bond-Film „Leben und sterben lassen“ – bis hin zu ganz alten Modellen wie die V154 Futura von André Gladbach aus Köln.

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Originalität bis hin zum Trailer: Aaron Schreibers CVX 16 im Basecamp in Neu Darchau an der Elbe.

Ob die Boote originalgetreu hergerichtet wurden, noch ganz im Originalzustand sind oder stark modifiziert, hängt vom Geschmack des Besitzers ab. Frank Marcus aus den Niederlanden, auch „der fliegende Holländer“ genannt, baute sich beispielsweise in seine CVX 16 SS sogar einen V8 ein, der gerade so eben in den Motorraum passte. Weitere Modifizierungen, die natürlich der Erhöhung der Endgeschwindigkeit dienten, folgten: „Hot-Foot-Fußgas“ sowie einen „Nose Cone“ am Z-Antrieb.

Die Fäden der Glastron-Fangemeinde hierzulande liefen in den vergangenen Jahren bei dem Hamburger Aaron Schreiber zusammen. Der Eigner einer Carlson CVX 16 hatte Lauenburg als Location für das Treffen gewählt. Für Abwechslung sorgte 2010 Peter Schröder, der über die CGOA-Website (www.classicglastron.com) und Internet-Foren auf die Classic-Glastron-Clique aufmerksam geworden war, Kontakt zu Aaron knüpfte und sogleich federführend bei der Organisation des Glastron-Meetings mitwirkte.

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Fliegender Holländer: Frank Marcus in seiner CVX 16 SS, befeuert von einem Ford V8.

Schröders Idee war es auch, Start und Ziel des Treffens einige Fluss-km elbaufwärts nach Neu Darchau zu verlegen, das mit dem Campingplatz „Elb­ufer“ (der „Glastroner“ hat dort seit 25 Jahren ein zweites Zuhause), der gemütlichen Gaststätte „Zum Göpel“ sowie dem nahe gelegenen Hafen mit Slip­anlage ideale Voraussetzungen für ein Treffen von Trailerboot-Skippern bietet. Die Freundschaft zwischen Peter Schröder und Campingplatz-Inhaber Thomas Lütjens übertrug sich auf die ganze Community.

Gemeinsam Spaß haben, Wissen und Tipps austauschen – darum geht es in erster Linie bei den Treffen der Glastroner. Ob Aaron Schreiber mit seiner CVX 16, die er nach dem Kauf in England nach Deutschland verschiffen ließ und sie dann mithilfe seines Vaters komplett restaurierte, durch die Wellen taucht oder ob eine CV 23 keinerlei Kontakt mehr zum Wasser hat, ein einziges Vergnügen. Kleinere Pannen gehören bei betagten Booten natürlich dazu, die meisten Glastrons sind bereits über 30 Jahre alt.

So hatte Cor Baarda aus den Niederlanden seine prächtige CV 23 Jet ungewollt einmal zur „Badewanne“ umgebaut. Ein Hochdruckschlauch löste sich vom Jetantrieb, und binnen weniger Sekunden hatte das Boot einiges an Tiefgang mehr, da das Wasser, ohne zu stoppen, ins Boot lief. Nach einer kurzen Reparatur am Strand konnte die Reise weitergehen, und der sogenannte Roostertail war wieder aus vielen hundert Metern Entfernung zu erkennen. Selbst die Fische freuen sich über das Glastron-Treffen, denn auf dem Grund vor der Schleuse Geesthacht liegt heute noch eine Kamera, die zahlreiche Fotos der Boote zeigt.

Matthias Gennermann war von der Marke Glastron so begeistert, dass er zusätzlich zu seiner SSV194 noch eine V174 Jet kaufte. Der Tankinhalt seiner Donnerbüchse beläuft sich auf 90 l, eine Distanz von mehr als 100 km schaffte er trotzdem nicht. Nachdem er bereits einige Meter geschleppt wurde, eilte Peter Schröder zur Hilfe. Der 5-l-Kanister wurde in den Tank gefüllt und der Hebel wieder durchgeschoben.

Ausgelassene Stimmung, Gesprächsstoff ohne Ende, wobei „Benzintalk“ natürlich im Vordergrund steht. Die Leichtigkeit des Seins trägt jedes Glastron-Treffen. Während die einen am Strand sitzen und grillen, fahren die anderen – jeder bei jedem – mal beim anderen mit. Lars Mende fuhr sogar ohne Boot morgens um 5.00 Uhr in Berlin mit seinem Roller los, um sich die Boote einfach nur anzugucken. Seine fast originale CV 16 SS hatte zu der Zeit leider keinen Zugwagen. Ähnlich wie Lars fanden auch einige andere Schaulustige den Weg nach Neu Darchau. Sie hatten im Internet von dem Treffen gelesen.

Dass das Internet bei Weitem nicht so anonym ist wie häufig beschrieben, zeigt sich besonders bei den Glastron-Fans. Alles fing nämlich online an. Der „Thread für Glastroner“ unter boote-forum.de hatte nach weniger als zwei Jahren bereits mehr als 3000 Beiträge. Der regelmäßige Stammtisch lüftet Geheimnisse wie: Wer versteckt sich eigentlich hinter dem Nicknamen „Shark72“, oder warum heißt „fieb“ eigentlich „fieb“?

Selbst im Winter ist man regelmäßig in Kontakt. Sobald irgendwo eine Glastron zum Verkauf angeboten wird, weiß ein paar Stunden später jeder davon. Manchmal findet jemand auf diesem Weg sogar sein neues Winterprojekt zum Aufbau. 

Viele Glastron-Besitzer bleiben über das Treffen hinaus freundschaftlich verbunden, treffen sich abends zum gemeinsamen Essen oder fahren auch zusammen in Urlaub. Enthusiasten wie Peter Riemann, der bereits eine V 212 sein Eigen nennt, fliegen sogar für ein Wochenende nach Mal­lorca, um dort eine seltene Hammond, wie die Glastrons von Bob Hammond entworfen, zu kaufen.

Kontakt: classic-glastron@web.de

Aaron Schreiber am 15.06.2011