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Klassiker vom Bodensee: Runa 8

Runa 8: Deutsches Retro-Runabout vom Feinsten - Seite 2

Gernot Apfelstedt am 01.04.2016

So kann im Januar 2011 mit dem Bau begonnen werden. Dazu mietet der angehende Traumboot-Eigner die Werfthalle der Yachtmarina Prechtl in Wasserburg, gründet in seiner Firma Edelstahl + Design einen Geschäftsbereich "Runa 8" und stellt mit Florian Obermeier einen erfahrenen Bootsbauer ein, der die Pläne der Ingenieure in einem guten Team und mit viel Eigenleistung Stenzers umsetzen  soll.

Bei M. u. H. von der Linden wird ein Mallensatz bestellt und mit dessen Hilfe ein Urmodell gebaut. Von diesem wird die Form abgenommen, mittig geteilt, zum Bau des GFK-Rumpfes in Sandwichbauweise wieder zusammengeschraubt und vor der sogenannten Entformung wieder getrennt. Den Motor für den Prototyp, einen 190 PS starken FNM Diesel, holt Stenzer direkt beim Werk im fast 1200 km entfernten süditalienischen Atella.

Der 28. Februar 2012 wird zu einem Meilenstein in der Geschichte dieses modernen Runabouts mit markantem negativen Steven wie ihn auch der Schaufelraddampfer "Hohentwiel" (siehe Seite 22–29) besitzt: Von Wasserburg aus startet die Runa 8 zu einer ersten Testfahrt nach Lindau – besser gesagt ihr nackter, frisch entformter Rumpf wie die Wachsspuren am Bug verraten.

Der See ist spiegelglatt, bei Außentemperaturen von minus 3 Grad kein anderes Boot unterwegs. Doch Alfred Stenzer und Florian Obermeier, die auf provisorischen Sperrholzsitzen Platz genommen haben, spüren die Kälte vor lauter Spannung und Freude nicht mehr. "Ich war innerlich auf 1000, das Adrenalin kam mir fast zu den Ohren raus", erinnert sich Stenzer.

Ein erhebendes Gefühl für den Lindauer Edelstahldesigner nach so langer akribischer Vorarbeit. Die Jungfernfahrt wird ein einziger Erfolg, Teamfotograf Bernhard Schmitt dokumentiert sie von einem Belgeitboot aus mit 260 Bildern.

Zurück an Land wird der Prototyp der Runa innerhalb des nächsten halben Jahres zu einem wahren Wunderwerk moderner Technik mit allen nur erdenklichen praktischen Extras und designerischen Highlights ausgebaut. Wobei Stenzer dem Komfort im hinteren Bereich des Bootes zentrale Bedeutung beimisst. Die gesamte Elektrik der Runa 8 basiert auf einer speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS).

Ein Tastendruck auf der Fernbedienung und die komplette Bordstromversorgung schaltet sich ein. Ein zweiter Druck und die Heckklappe öffnet sich, über die man das Boot betritt und auf einem 40 cm breiten Gang zwischen den Liegen zum Fahrer- und Beifahrersitz gelangt. Dort lässt sich durch zahlreiche Funktionsschalter alles Weitere bequem handlen: B beispielsweise steht für Bugklappen öffnen und schließen, wobei sich dank SPS je nach Lage des Wasserfalzes die eine vor der anderen Klappe öffnet bzw. wieder schließt. Die Windschutzscheibe (W) lässt sich um 30 cm senken, um nach Belieben "das volle Fahrfeeling" zu genießen.

Die Liegen (L) lassen sich zusammen- und wieder auseinanderfahren, jede verfügt aber noch über einen separaten eigenen Schalter. Über H schließlich öffnet und schließt sich die Heckklappe (Badeplattform). Navigationsbeleuchtung – sie ist genauso versenkbar wie Klampen und Festmacher –, die acht Buglichter und Innen- wie Außenbeleuchtung (Schalter N, B, I, A) lassen sich ebenfalls zentral ein- oder ausschalten. Auch der Startvorgang läuft per Druckknopf automatisch. Kein "Orgeln" also, bis der Motor anspringt. Wer zum Tanken fährt, braucht sich über die Lage der Einfüllstutzen keine Gedanken zu machen. Die Runa hat steuerbords wie backbords welche, und die jeweiligen 100-l-Kraftstofftanks sind miteinander verbunden.

Dass die Runa 8 – pünktlich zur Interboot 2012 fertig geworden – die Blicke im Hafen auf sich zog wie das Autoboot "Germania" drei Jahre zuvor bei der Klassikwelt Bodensee, ist der Lohn für ein außergewöhnliches Design, das Ästhetik an erste Stelle setzt ohne dabei die Funktionalität zu vernachlässigen.

Kurz vor der Interboot 2015 (19.–27. 9.) ist nun die zweite Runa 8 fertig geworden: V8-1. Ihr 150 kg leichterer Carbon-Rumpf kompensiert das höhere Gewicht des stärkeren Benzinmotors und der doppelten Auspuffanlage. Anders als die erste Runa, die erneut im Interboot-Hafen liegen wird, ist die neue in Halle A6 zu bewundern und steht für 285 000 Euro zum Verkauf.
Info: Runa Bootsmanufaktur, Heuriedweg 42, 88131 Lindau, Tel. 08382-97 61 20, www.runa8.de

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Gernot Apfelstedt am 01.04.2016