Runa 8 Runa 8

Klassiker vom Bodensee: Runa 8

Runa 8: Deutsches Retro-Runabout vom Feinsten

Gernot Apfelstedt am 01.04.2016

Ein Autoboot aus den 30ern des vorigen Jahrhunderts setzte einen Lindauer Edelstahldesigner so in Flammen, dass er sich sein Traum-Runabout selbst baute – mit Hightech von heute: die Runa 8

Es ist der 24. Mai 2009, letzter Tag der Klassikwelt Bodensee. Die Friedrichshafener Oldtimermesse ist für Alfred Stenzer aus dem rund 25 Kilometer entfernten Lindau fast ein Heimspiel. Und ein Muss. Denn der gelernte Landmaschinenmechaniker und Edelstahldesigner hat eine Leidenschaft für Oldtimer. Sowohl Autos als auch Boote – und die Kombination aus beidem: die legendären Autoboote und Runabouts aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Ungewöhnlich für einen erfolgreichen Regatta-Segler, der bis vor drei Jahren noch nie ein Motorboot besaß.

Fotostrecke: Runa 8: Runabout vom Bodensee

Doch die Gentleman Racer und Runabouts mit ihren langen holzbeplankten Vorschiffen lassen sein Designerherz höher schlagen. Besonders die berühmte "Baby Bootlegger", 1924 von George Crouch für den Wall-Street-Banker Caleb Bragg gebaut, der mit ihr anschließend gleich zweimal hintereinander den legendären Gold Cup gewann, hat es ihm angetan. Auch bei Hacker-Craft, ältester Hersteller von Holzmotorbooten in der Welt, Anfang 1900 von John L. Hacker gegründet, gerät Stenzer ins Schwärmen.

>>> „Warum gibt es solche Boote heute nicht neu zu kaufen?“, fragt sich Alfred Stenzer

Doch nun steht er – eineinhalb Stunden vor dem Schlussgong – auf dem Friedrichshafener Messegelände am Stand von Klink & Krüger, Spezialist für klassische Motorboote und Automobile aus Berlin-Köpenick (BOOTE 4/2011). Völlig in den Bann gezogen von einem 8,50 m langen Boot mit außergewöhnlich schöner Linienführung, das sein Leben entscheidend verändern sollte: das Autoboot „Germania“, 1931 von Claus Engelbrecht in Berlin-Köpenick gebaut – auf seinem ehemaligen Werftgelände restaurieren heute Klink & Krüger.

„Warum gibt es solche Boote heute nicht neu zu kaufen“, fragt sich Alfred Stenzer. Oder etwa doch? Der Edelstahldesigner macht sich auf die Suche: Mittelmotorkonzept, langes Vordeck und hinten eine große Liegefläche – nicht auf dem Boot, sondern im Boot – lauten seine Präferenzen. Er sieht sich um, reist, fährt Probe. Doch das, was er sucht, gibt es offenbar nicht, stellt er nach fünf Monaten fest. Zumindest nicht für seine Ansprüche. Und die sind so hoch wie die seiner Firmenkunden, die mit extravaganten Wünschen auf ihn zukommen, sei es Golfplatzausstattung, Edelstahl-Geländerbau, Gartengestaltung mit künstlerischen Elementen und anderes mehr. 

So entschließt sich der 54-jährige Lindauer, sein eigenes Traumboot zu designen. Projektname: Runa 8. 

Ein klassisches Runabout soll es werden und maximal 8 m lang, denn es soll trailerbar bleiben. Dem Vordeck räumt Stenzer 50 Prozent ein. Der Motor soll in der Bootsmitte installiert werden, um im "Wohlfühlbereich" hinten Raum für die gewünschte Liegefläche zu schaffen. Neun Monate zerbricht er sich den Kopf über die ideale Linienführung und all die Extras nach dem neuesten Stand der Technik, fertigt immer neue CAD-Zeichnungen an. Im Juni 2010 hat er alle Designvorlagen beisammen und beauftragt Alexander Mrugowski, einen Schiffbauingenieur aus dem benachbarten Wasserburg, die nötigen Berechnungen zu machen.

Da er bei diesem ehrgeizigen Vorhaben nichts dem Zufall überlassen will, zieht er weitere drei Ingenieure hinzu: Niels Hansen von Navcon in Wollgast, Eckhard Praefke vom Ingenieurbüro für Schiffshydrodynamik & Antriebstechnik in Hamburg sowie Jonas Panacek von der gleichnamigen Yacht Design & Engineering GmbH in Thalwil/Schweiz. Ein hoher finanzieller Aufwand für Alfred Stenzer, doch das Ingenieur-Quartett macht einen guten Job.

Seite 1 / 2
Gernot Apfelstedt am 01.04.2016
Kommentare zum Artikel