Krüger-Werft Krüger-Werft
Oldies

So weich gebettet wie Edward VII.

Erich Bogadtke am 09.04.2011

Halbe Sachen sind nicht ihr Ding: Carsten Klink und Malte Krüger restaurieren Autoboote und Backdecker, nicht einfach so, versteht sich! TEIL 2.

Krüger-Werft

Freude am Fahren: Malte Krüger (links) und Carsten Klink genießen den „Betriebsausflug“ mit der „Germania Mea“.

Das beste Beispiel dafür, was man mit Spürsinn, Geduld, Liebe zum Detail, handwerklichem Können und dem „nötigen Kleingeld“ aus einem maroden Kahn machen kann, schwimmt gut versteckt unter einer Persenning im überdachten Hafenbecken der ehemaligen Engelbrecht-Werft. Carsten Klink hat die „Germania Mea“, die 1928 für einen wohlhabenden Elektroingenieur auf der Exquisit-Werft gebaut wurde, 2006 von einem Fleischermeister gekauft. Der Metzger lässt das von den Sowjets nach dem Krieg ausgeschlachtete und anschließend versenkte Boot 1948 heben, baut es wieder auf, fährt es 60 Jahre lang und kapituliert erst als 80-jähriger Mann vor der aufwendigen Instandhaltung des Oldtimers.

Für Carsten Klink ist von Anfang an klar, dass die „Germania Mea“ nach der Restaurierung genauso aussehen soll wie bei ihrem Stapellauf vor 80 Jahren. Völlig entkleidet wird der elegante Stahlrumpf gestrahlt, aufwendig konserviert und anschließend mit einem Zwei-Komponenten-Lack lackiert. „Das ist“, gibt Carsten Klink zu, „zwar nicht original, aber schöner und vor allem haltbarer“.

Die Beschläge werden aufgearbeitet oder nach alten Mustern detailgetreu neu angefertigt. Letzteres gilt auch für die Instrumente, die zumindest optisch den Originalen gleichen wie ein Ei dem anderen. „Es ist nicht einfach, jemanden zu finden, der das kann“, lässt uns Carsten Klink nicht ohne Stolz wissen. Auch bei der Restaurierung des Interieurs halten sich der Restaurator und seine Helfer streng an die Vorgaben der alten Meister. So sind die Möbel aus Mahagoni gefertigt, das Deck mit Stäben aus Oregon Pine belegt und die herausnehmbaren Bodenplatten mit Linoleum beklebt.

„Nur vom Feinsten“ heißt auch die Devise der Polsterer. Wie einst König Edward VII. in seiner Krönungskutsche, sitzen Carsten Klink und seine Gäste in der „Germania Mea“ auf Connolly-Leder. Oder besser gesagt auf dem, was man heute trotz der Pleite der britischen Tierhäute-Spezialisten immer noch so nennt. In jedem Fall aber auf feinstem Leder, das erstklassig verarbeitet ist.

Bei der Beschaffung des Motors, dem Herz des Bootes, will Carsten Klink auf gar keinen Fall Kompromisse eingehen. Hätten Sie etwas anderes erwartet? Ein seitengesteuerter Reihenachtzylinder aus dem Mercedes Nürburg, den Ferdinand Porsche seinerzeit im Eilauftrag als Antwort auf den Horch 8 konstruierte, muss es sein. Und zwar die ab 1931 gebaute Ausführung mit 4918 ccm Hubraum und einer Leistung von 100 PS.

Gottlob gibt es heute ein Internet. Dort wird von Malte Krüger exakt so ein Motor zum Kauf angeboten. Der Liebhaber von Vorkriegsautos und -motoren hat nach jahrelangem Suchen sein Traumauto, einen Tatra 75 Coupé, Baujahr 1936, gefunden und muss deshalb seine Sammlung umstellen. Um die dafür erforderlichen Mittel aufzubringen, fasst er den Entschluss, sich von einem seiner geliebten Motoren zu trennen. Gut für Klink, schmerzlich für Krüger.

Der 34 Jahre alte Jurist und Technikhistoriker hat sich schon immer für alte Technik interessiert, viel gelesen und fast genauso viel gesammelt. In der Mehrzahl Archivmaterial, wie alte Prospekte, Bedienungsanleitungen und Artikel aus Fachzeitschriften, aber auch komplette Fahrzeuge und Motoren. Dass er, gemessen am Lebensalter, das jüngste Mitglied und dennoch Geschäftsführer der „Automobilistische Gesellschaft“ ist, verrät uns Malte Krüger fast ein bisschen verlegen, aber nicht ohne Stolz. „Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man heute mit den Leuten eng zusammenarbeitet, deren Bücher man als Junge gelesen hat.“

Er selbst hat 2010 unter anderem die „Luxus und Leistung“ betitelte Festschrift für Michael Graf Wolf von Metternich, dem inzwischen 90 Jahre alten Gründer des Maybach Clubs, herausgegeben. Carsten Klink sucht auch für andere Projekte Motoren, die Malte Krüger, der die Sammler-Szene kennt und die Kontakte besitzt, beschaffen kann. Aus der Handelsbeziehung wird schnell Freundschaft und aus der Interessengemeinschaft 2009 eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit Namen Klink & Krüger.

Den ersten Teil der Reportage können Sie hier lesen!

Die ganze Reportage mit noch mehr Fotos finden Sie auch in der aktuellen April-Ausgabe von BOOTE, die es noch bis zum 26. April am Kiosk gibt.

Erich Bogadtke am 09.04.2011