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Aktuell:Schleuse Zaaren

Bitteres Lehrstück

Christian Tiedt am 09.08.2019

Die Schleuse Zaaren bleibt nun doch bis zum Saisonbeginn 2020 gesperrt. Eine Katastrophe für die Wassersportwirtschaft an der Oberen Havel

Ende April hatte sich der Wassersport- Himmel über dem Norden Brandenburgs noch nicht vollständig verdunkelt. Zwar war die Schleuse Zaaren schon seit einem halben Jahr gesperrt und die Wiederinbetriebnahme zu Saisonbeginn längst ausgeschlossen. Doch bei einem Ortstermin auf der Baustelle an der Oberen Havel gab man sich amtlicherseits noch optimistisch.

Für den "Silberstreif am Horizont" sorgte ein neues Datum: der 1. August.
Man wolle alles unternehmen, um diesen Termin einzuhalten, hieß es. "Selbst jeder Tag eher zählt", sagte CDU-Bundestagsmitglied Jens Koeppen, dessen Wahlkreis von der OHW durchquert wird. Seine Worte richteten sich vor allem an die übrigen Anwesenden, Gewerbetreibende der Wassersport- und Tourismusbranche.


Denn wirtschaftlicher Schaden war zu diesem Zeitpunkt längst entstanden:

"Wir sprechen von 23 betroffenen Unternehmen und einer Summe von 2,1 Millionen Euro", rechnete Manuela Neumann als Vertreterin der brandenburgischen Industrie- und Handelskammern vor.

So seien Kosten etwa durch den Straßentransport von Charterbooten entstanden, die nur so zu anderen Stützpunkten gebracht werden konnten. Dazu kämen Buchungsausfälle und noch nicht bezifferte Verluste bei einer Vielzahl anderer Betriebe – von Servicedienstleistern bis zur Gastronomie.


Kein Wunder: Die Obere Havel-Wasserstraße ist die einzige schiffbare Verbindung zwischen den Berliner Gewässern und der Mecklenburgischen Seenplatte, Deutschlands größtem zusammenhängenden Binnenrevier.

Immerhin 10 000 Sportboote passieren die OHW jährlich.


Doch die unheilvollen Wolken ließen sich weder von Optimismus noch mit Wochenendarbeit vertreiben: Was mit der zunächst überschaubaren Sanierung der maroden Schleusenhäupter begonnen und dann wegen Munitionsfunden und Änderungen der "baulogistischen Terminketten" zur ersten Verschiebung geführt hatte, entlud sich schließlich im wahrsten Sinne in einem Unwetter: Dabei wurde nicht nur die Baugrube geflutet, ein Blitz zerstörte im beliefernden Betonwerk zudem die Steuerungstechnik.

Auch der 1. August war nun nicht mehr zu halten, "höhere Gewalt" hätte dazu geführt, hieß es fast schon entschuldigend vonseiten des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde.

Neuer Eröffnungstermin soll nun der 1. April 2020 sein.

Bei den Betroffenen, die eine ganze Saison abschreiben und das wirtschaftlich verkraften müssen, sorgen allerdings weniger die Launen der Natur für Frust, sondern die allgemeinen Umstände: Jahrzehntelang sei kaum etwas für die Sanierung der teils sehr alten Schleusen getan worden, der Investitionsstau daher enorm.

"Es wurden viele Fehler gemacht, Zaaren ist da fast schon exemplarisch", so Manuela Neumann von der Handelskammer.

Aus diesem bitteren Lehrstück müssten daher nicht nur aus ihrer Sicht die richtigen Schlüsse gezogen werden – die Notwendigkeit einer besseren Planung etwa und vor allem einer transparenteren Informationspolitik. Zukünftig sollen dazu bereits in der Nachsaison Regionalkonferenzen stattfinden, auf denen die Ämter über anstehende Baumaßnahmen informieren. Denn in einer Hinsicht sind sich alle Beteiligten einig: Eine ähnliche Ka­ta­stro­phe wie in diesem Jahr an der Oberen Havel darf es nicht noch einmal geben

Diesen Artikel finden Sie in der September-Ausgabe von BOOTE. Ab dem 14.8.19 hier erhältlich

Christian Tiedt am 09.08.2019