Titel Titel

Ratgeber

Klare Sicht

Joel Reher am 30.06.2006

Acrylglaspolituren auf dem Prüfstand. Welche entfernt Kratzer am besten?

Scheibenwischer, Sand und Salz setzen Kunststoffscheiben zu. Mit ein wenig Zeit und Druck im Arm lassen sich die Spuren jedoch wieder beseitigen. Wie gut die unterschiedlichen Acrylglaspolituren wirken, haben wir in mehreren Versuchsreihen getestet. Hier sei angemerkt, dass sich unser Test nur auf Acrylglasscheiben (Plexiglas) und nicht auf Polycarbonatscheiben (Makrolon) bezieht. Kandidaten waren Rot Weiß Acryl- & Plexiglas Polierpaste, Xerapol Plastic Polish, Yachticon Acrylglas Kratzerentferner, Dr. Keddo Acrylan und Acrylan Spezial, Starbrite Plastic Scratch Remover und Plastic Polish Restorer sowie das Quixx Repair System. Von diesem gibt Xerapol an, dass es nicht für Polycarbonat (PC) geeignet ist. Im Gegensatz dazu sollen die Produkte von Yachticon und Starbrite auch für PC geeignet sein. Bei den restlichen Polituren war auf der Verpackung kein entsprechender Hinweis zu finden.

Um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen, braucht man eine vergleichbare Basis. Als Versuchsproben dienten neue Acrylglasscheiben, die wir gleichmäßig zerkratzten. Dabei entschieden wir uns für drei verschieden starke Kratzerarten: leichte kreisförmige Kratzer durch Lappen und Sand, mittlere Kratzer von 400er-Schleifpapier, tiefe Kratzer durch einen Nagel. Neben der gleichförmigen Basis muss auch die Politurarbeit gleichmäßig sein. Da die getesteten Produkte in unterschiedlichen Sets erhältlich sind, entschieden wir uns für mehrere Testreihen.

  • Von Hand (Microfaserpoliertuch aus dem Baumarkt), nur die Acrylglaspolituren. Gab es zwei Mittel eines Herstellers, wurden beide in allen Testreihen nacheinander benutzt.
  • Maschinell mit Bohrmaschine (etwa 300 U/min) und Polierschwamm
  • Entfernung der Kratzer von Hand mit 2000er-Nassschleifpapier, danach Politur von Hand.
  • Entfernung der Kratzer von Hand mit 2000er-Nassschleifpapier, danach von Hand mit einer Schleif- und Polierpaste, die ihre Körnung während des Arbeitsvorgangs von 600 auf 1200 (hier Yachticon Refit) ändert. Abschließend maschinelle Politur mit Polierschwamm.

Bewertungskriterien für den Erfolg der Produkte waren die Kratzerentfernung bei gleichem zeitlichen Arbeitsaufwand sowie die nach dem Auspolieren und Reinigen hinterlassenen Schlieren. Allgemein unterscheiden sich Polituren durch ihre Aggressivität beziehungsweise Körnung. So entfernt ein grobes Mittel tiefere Kratzer besser als ein weicheres, hinterlässt dafür aber stärkere Schlieren. Folglich haben einige Hersteller mehrere Acrylglaspolituren im Programm. Dr. Keddo, Starbrite und Quixx (Quixx nur als Set erhältlich) bieten je zwei solcher Polituren an. Eine für gröbere Kratzer und eine für das feinere Finish. Diese Teamarbeiter erzielten auch durchweg bessere Ergebnisse als die Einzelkämpfer. Lediglich Xerapol machte uns einen positiven Strich durch die Rechnung. Besonders bei Handpolitur reichte das Mittel, um unsere leichten und mittleren Kratzer zu entfernen und zusätzlich einen hohen Glanz zu erzielen. In puncto Kratzerentfernung bei Handpolitur sind Dr. Keddos Produkte nach Xerapol am besten, hinterlassen dafür aber starke Schlieren. Von solchen Schlieren sieht man bei Yachticons Acrylglaspolitur am wenigsten. Dafür entfernt es die Kratzer ohne weitere Vorarbeit am schlechtesten.

Bei der Maschinenpolitur zeigten sich Lammfellscheiben aus dem Baumarkt von ihrer kratzigen Seite. Sie hinterließen durch-weg mehr Schlieren als Polierschwämme. Deshalb polierten wir fortan nur noch mit den Schwämmen. In Testreihe drei und vier wurde mit 2000er-Nassschleifpapier bis zur Entfernung der Kratzer vorgearbeitet. Somit erhielten die drei Kratzerarten in diesem Sektor stets die gleiche Note. Zeigten in Durchgang drei (Handarbeit) nur zwei Produkte eine sehr gute Wirkung, so entfernten in Durchgang vier alle Produkte die Kratzer (respektive die 2000er-Nassspuren) sehr gut. Diese Vorgehensweise mit Vorarbeit 2000er-Nassschleifpapier, Schleif- und Polierpaste sowie einem maschinellen Finish mit Polierschwamm und Acrylpolitur liefert durchweg erfolgreiche Ergebnisse. Lediglich in der Schlierenbildung zeigten sich noch Unterschiede.

Preislich spielen alle Produkte mit 9,50 bis 12,95 Euro pro Packung in der gleichen Liga. Bei Starbrite und Dr. Keddo braucht man beide Produkte und zahlt so das Doppelte. Die mit Abstand höchsten Literpreise haben Quixx und Xerapol. Dafür ist in beiden Packungen ein Microschleifpapier enthalten.

Joel Reher am 30.06.2006