Foiler Foiler

Technik

Über-Wasser-Sprinter

Sören Gehlhaus am 29.08.2019

Der Foiler stürmt das junge Segment der Flügel-Motoryachten mit Hybridantrieb und innovativem Klappmechanismus. Triebfeder ist ein französischer Unternehmer mit eigener Kompositwerft in Dubai

X-beinig wie ein Wasserläufer jagt der Foiler über die Wasseroberfläche. Und hat doch nur wenig mit dem Insekt gemeinsam. Das nutzt die Oberflächenspannung, die Flügel des Foilers hingegen schneiden gut einen halben Meter tief durch das Wasser. Dieses Kunststück ist alles andere als neu.

Motorisierte Flug- oder Tragflügelboote, wie sie damals hießen, gab es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Prinzip ist gleich geblieben: Ein Flügelprofil, ähnlich dem eines Flugzeugs, erzeugt ab einer gewissen Geschwindigkeit so viel Auftrieb, dass das Fahrzeug abhebt. Bei dem eine Tonne leichten Foiler müssen es 18 Knoten Fahrt sein, damit der Karbonrumpf in den Flugmodus übergeht.

Schon ab zwölf Knoten soll dynamischer Auftrieb spürbar sein. Der pure Gleitflug bringt gleich mehrere praktische Nutzen mit sich: Der Verbrauch sinkt aufgrund des verringerten Widerstands laut Werft um 20 Prozent, und die Endgeschwindigkeit klettert auf bis zu 40 Knoten. Aber auch der Komfort nimmt zu. Kein Schaukeln ist zu verspüren, kein Klatschen des Rumpfs auf der Oberfläche zu vernehmen und zu hören – lediglich ein leises Hinweggleiten über Wellen, die nicht höher als 1,50 Meter sein dürfen.
Zudem wird die beflügelte Yacht so agil, dass der Hersteller die Drehradien aus Sicherheitsgründen limitiert hat.

Passt auf jeden Liegeplatz


Echte Innovationskraft birgt das kompakte Maß.

Im Parkmodus liegen die Arme der beiden L-Foils und deren Wing­lets, die im Flugmodus ganze 7,20 Meter trennen, eng und überaus formschön hinter zwei Stufen an den konkaven Freibords an. Aus den unten gespiegelten Kerben treten die 1,60 Meter hohen L-Flügel aus. Deren Stämme werden im Park- oder konventionellen Fahrmodus elektronisch in das Rumpfinnere gefahren und übereinander gelagert.

Auch die auf den Ruderblättern sitzenden Schrauben klappen die französischen Ingenieure so auf das Heck um, dass die Bootslänge die Zehn-Meter-Marke nicht überschreitet und eine Badeplattform ausgefahren werden kann. Die minimale Bootsbreite von 3,30 Meter ermöglicht das Liegen in einer gängigen Box. Der Hubmechanismus, der die L-Foils einfährt, wurde an einem Prototypen in der Schweiz vom nahezu gleichen Team, aber unter dem Namen Hydros entwickelt.

Französischer Foil-Fanatiker
Die finanzielle wie ideelle Triebfeder hinter Foiler ist der Unternehmer Sylvain Vieujot. Der Franzose lebt seit über zehn Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten und ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender eines der größten Immobilienfonds des Nahen Ostens. Selbst Foil-Kiter und -Segler, baute er unter dem Namen Enata in Dubai eine Werft auf, die Segel-Katamarane, Komponenten für die Luftfahrtindustrie sowie Kiteboards und auch Kitefoils fertigt.

Vom Foiler, der Anfang März auf der Dubai Boat Show präsentiert wurde, konnte Vieujot bereits mehrere Einheiten verkaufen. Insgesamt verfügt das Serienmodell über vier separat trimmbare Foils. Zu den beiden L-Foils, die den eigentlichen Auftrieb und die Seitenkraft erzeugen und auch Dalí-Foils genannt werden, kommen zwei horizontal zum Ruderblatt stehende Flügelhälften im Delta-Shape. Sie fungieren als Höhenruder.

Hergestellt werden beide Flügeltypen in einer Autoklave in der eigenen Produktionsstätte. Bei diesem Verfahren werden die Karbonteile in einer gasdichten Röhre unter hohem Druck getempert. Nur wie die Leistung auf das abgesenkte Ruderblatt bringen?

Ein herkömmlicher Antrieb, bei dem die Kraft über eine Welle übertragen wird, ist nicht mit dem Klappmechanismus vereinbar. Stattdessen laden zwei 235 Kilowatt starke BMW-Motoren eine Hochvolt-
batterie und wirken auf zwei E-Generatoren, die in die Ruderblätter integrierte Propeller-Pods versorgen.

Im reinen Batteriebetrieb absolviert der Foiler zehn Minuten Fahrt bei zehn Knoten. Diesel­elektrisch angetrieben werden 130 Seemeilen bei 30 Knoten Fahrt erreicht, im Flugmodus wohlgemerkt. Dann liefern die zwei Sitze vor den Bugfenstern den besten Blick. In Zukunft soll es wahlweise auch eine Kabine geben. Der Preis ist ein weiteres Abgrenzungsmerkmal zu bisherigen Tragflügelbooten.

Eine Million Euro soll der Foiler als Serienboot kosten.

Diesen Artikel lesen Sie in der August-Ausgabe 2018 von BOOTE. Hier erhältlich.

Sören Gehlhaus am 29.08.2019