Sicherheit an Bord Sicherheit an Bord

Sicherheit an Bord

Sicherheit an Bord, Teil 3

Christian Tiedt am 14.11.2019

Probleme auf See. Richtig reagieren bei schwerem Seegang, Maschinenausfall oder Feuer. Notsignale und Alarmierung

Steigendes Wasser in der Bilge und laufende Lenzpumpen sind immer ein ernstes Zeichen. Wassereinbruch? Wo ist das Leck? Wird das Boot sinken?

So verständlich der erste Schreck ist: Das Beispiel eignet sich bestens, um zu zeigen, wie wichtig ein kühler Kopf in Stresssituationen ist. Denn wenn die Alarmtaste am DSC-Controller erst einmal gedrückt ist, kommt die gesamte SAR-Maschinerie ins Rollen.

Dabei kann der Wassereinbruch vergleichsweise unschuldige Ursachen haben: Vielleicht ist eine Leitung am Frischwassertank geplatzt? Dann müsste man zwar aufs Duschen verzichten, aber zumindest nicht gleich in der Rettungsinsel "baden" gehen. Bevor Hilfe gerufen wird, muss deshalb Klarheit herrschen, was tatsächlich passiert ist, wie die Lage ist und ob das Problem nicht doch mit Bordmitteln zu beheben ist.

Ein Seenotfall liegt erst dann vor, wenn sich zumindest eine der Personen an Bord in unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben befindet. In diesem Fall muss die Alarmierung der zuständigen Rettungsleitstelle erfolgen. In Deutschland ist dafür das MRCC "Bremen Rescue" zuständig.

Die Seenotretter der DGzRS sind dort rund um die Uhr im Einsatz und überwachen die UKW-Kanäle 16 und 70, die amtliche Telefonnummer lautet 0421-53 68 70. Die einfachste Art der Alarmierung (MAYDAY) erfolgt über den bereits erwähnten digitalen Selektivruf (DSC) – falls die Funkanlage über diese Option verfügt. Sprechfunk ist dann im Grunde nicht mehr nötig.

Fotostrecke: Sicherheit an Bord

Ist allerdings nur die Sicherheit eines Bootes oder der Besatzung betroffen (etwa bei einem Maschinenausfall), wird lediglich eine Dringlichkeitsmeldung (PAN PAN) abgesetzt. Wenn man eine Situation beobachtet, die die Sicherheit der gesamten Schifffahrt beeinträchtigen könnte, erfolgt eine Sicherheitsmeldung (SÉCURITÉ).

Fahren bei schwerem Seegang

Auch bei gründlicher Törnplanung kann es sein, dass sich das Wetter anders entwickelt als vorhergesagt. Auch lokale Effekte können eine Rolle spielen, wenn es plötzlich rauer zugeht. Kurs und Geschwindigkeit müssen dann sofort den Umständen angepasst werden.

Schnelles Fahren mag verlockend erscheinen, ermüdet Besatzung und Boot aber umso schneller. Wird gegen den Wind gefahren, muss die Fahrtstufe vor jedem Wellenkamm reduziert werden, um Sprünge (und hartes Einsetzen im folgenden Wellental) zu vermeiden. Meist ist es besser, in einem Winkel von 30° bis 45° gegen die See zu kreuzen.

Stellen Sie sicher, dass sich jede Person gut festhält und sicher sitzt.

Manövrierunfähigkeit

Wenn die Steuerung des Bootes nicht mehr funktioniert, sollte man den Verkehr im Auge behalten, die Fahrt zumindest reduzieren und gegebenenfalls aufstoppen. Stellt man ein nautisches Hindernis dar, muss eine Sicherheitsmeldung (SÉCURITÉ) abgegeben werden.

Danach sollten Sie zunächst überprüfen, ob der Autopilot unwissentlich aktiviert ist. Je nach Ausstattung und eigenem Wissen kann man im Anschluss die Funktion der Ruderanlage prüfen. Solange das Steuer nicht in Hartruderlage blockiert ist, lässt sich bei langsamer Vorausfahrt auch mit Bug- und Heckstrahlruder manövrieren.

Das Dingi kann ebenfalls eingesetzt werden; entweder zum Schlep- pen auf kurzen Strecken oder zum Manövrieren auf engem Raum, indem man den Bug des aufgestoppten Bootes damit in die gewünschte Richtung dreht.

Lässt sich die Fahrt nicht sicher fortsetzen, bleibt nur externe Hilfe.

Machen Sie andere Fahrzeuge mit einem optischen Signal auf Ihre Lage aufmerksam, oder verständigen Sie die Rettungsdienste per Mobiltelefon (falls möglich) oder mit einer Dringlichkeitsmeldung (PAN PAN). Falls Sie während des Wartens in Richtung Küste getrieben werden, sollten Sie rechtzeitig ankern.

Maschinenausfall

Sieht man von einem echten Motorschaden einmal ab, gibt es in diesem Bereich einige "klassische" Ursachen, die unter geeigneten Bedingungen (etwa ruhige See und ausreichend Seeraum) recht schnell vor Ort mit Bordmitteln behoben werden können:

Zu den häufigsten Problemen gehört dabei der blockierte Propeller: In Küstengewässern und Häfen kann man sich schnell treibende Leinen, Murings oder Teile von Fischernetzen "einfangen". Wenn es möglich ist, wird das um die Welle gewickelte Material eventuell bei einem Tauchgang per Hand (oder Messer) entfernt. Besonders für Außenbord- motoren kann auch dichter Bewuchs mit Wasserpflanzen in dieser Hinsicht zum Problem werden.

Der Motor kann allerdings auch überhitzt sein: Tritt das Kühlwasser nicht ausreichend oder zu gleichmäßig aus, ist das entsprechende Seeventil eventuell schadhaft.

Außerdem müssen Impeller und Antriebsriemen der Pumpe überprüft und bei Beschädigung oder zu starker Abnutzung ersetzt werden. Möglicherweise ist auch einfach der Tank leer: Auch dieser Klassiker kommt immer wieder vor. Das ist besonders dann der Fall, wenn die Tankanzeige bei geringen Füllständen nicht genau anzeigt, generell nicht verlässlich funktioniert oder sogar komplett ausgefallen ist.

Ein (voller) Reservekanister schafft schafft hier vergleichsweise schnell Abhilfe.

Ist die Ursache des Motorausfalls nicht eindeutig festzustellen oder zu beheben, wird allerdings auch hier fremde Unterstützung angefordert – wie bereits im Fall der Manövrierunfähigkeit geschildert. In engen Fahrwassern kann es ohnehin zunächst wichtiger sein, ein Abtreiben in einen gefährlichen Bereich zu verhindern. Ankern Sie, wenn möglich, also erst einmal, bevor Sie sich um Schlepphilfe kümmern.

Seekrankheit

Der Skipper muss auch auf kurzen Törnabschnitten zu jedem Zeitpunkt über den Gesundheitszustand der übrigen Personen an Bord im Bilde sein. Besonders Seekrankheit ist hier ein Risiko. Da sie nicht nur im Zusammenhang mit schwerem Seegang auftreten muss, sollten die Besatzungsmitglieder ohne Ausnahme aktiv angesprochen und regelmäßig kontrolliert werden.

Besonders still und lethargisch wirkende Crewmitglieder können betroffen sein. Bereits geschwächte Betroffene sollten sich an möglichst ruhiger Stelle ausruhen können, bis die Verhältnisse besser sind oder der Hafen erreicht ist. Aus der Bordapotheke können Medikamente gegen Seekrankheit verabreicht werden. Spuckbeutel bereitlegen.

Diesen Artikel finden Sie in der Juni-Ausgabe 2019 von BOOTE. Hier erhältlich!

Christian Tiedt am 14.11.2019