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Sicherheit: Einweisung an Bord

Die Crew muss Bescheid wissen

Christian Tiedt am 02.05.2019

Der Skipper ist dafür verantwortlich, dass die Personen an Bord gut auf die anstehende Etappe vorbereitet sind. Die wichtigsten Punkte im Überblick

Vor dem ersten Ablegen zum Törnauftakt muss der Skipper mit seiner Crew eine Sicherheitseinweisung durchführen, damit jede Person an Bord weiß, was sich wo befindet, wann es zum Einsatz kommt und wie es funktioniert. Gleiches gilt für den theoretischen Ablauf der wichtigsten Manöver. Die Einweisung gliedert sich also in zwei Teile:

Boot und Ausstattung

Zunächst geht es um das Boot und seine Ausstattung. Am Anfang sollte das Wichtigste stehen – die persönlichen Rettungswesten. Tragweise und Funktion müssen besonders von Neulingen an Bord genau verstanden werden. Danach folgen die übrigen vorhandenen Not- und Rettungsmittel: Welche stehen zur Verfügung, wo befinden sie sich und wann (und vor allem wie) werden sie wirkungsvoll eingesetzt?

Ebenso muss klar sein, was ein Notfall genau ist und wann Alarm ausgelöst werden muss. Ist ein Dingi vorhanden, egal ob in Davits oder an Deck, wird demonstriert, wie es einsatzklar gemacht wird.

Außerdem müssen die folgenden sicherheitsrelevanten Systeme und Anlagen gezeigt und ebenfalls erklärt werden: die Stromversorgung mit Sicherungen und Batterien, die Verteilung und Funktionsweise der Lenzpumpen (auch bei automatisch arbeitenden Modellen), das Ankergeschirr mit Winsch (mit besonderem Hinweis auf die Verletzungsgefahren während des Betriebs), die Gasanlage mit Absperrhähnen und natürlich die korrekte Benutzung der Toiletten, der Dusche und der betreffenden Seeventile.

Verhalten während der Fahrt

Der zweite Teil der Einweisung befasst sich mit dem Verhalten an Bord während der Fahrt. Neben allgemeinen Hinweisen wie dem sicheren Bewegen an Deck stehen dabei vor allem die Manöver im Vordergrund. Das gilt besonders dann, wenn der Skipper zum Teil oder sogar ganz auf die Unterstützung unerfahrener Personen angewiesen ist.

Die wichtigsten Manöver sollten dann noch vor Ablegen einmal "trocken" durchgesprochen werden. Schon zu diesem Zeitpunkt sollte eine klare Rolleneinteilung stattfinden, die sich nach der individuellen Eignung der Crewmitglieder richtet.

Auf dieser Basis werden Ab- und Anlegen erklärt – und welche erschwerenden Faktoren dabei auftreten können. Wie erfolgt die Leinenführung und wo liegen die Risiken einer Leine unter Zug? Wie wird eine Klampe richtig belegt? Ein kleiner Crashkurs in Knotenkunde kann nicht schaden; besonders wenn die Zeit unterwegs dann auch zum Üben genutzt wird. Auch die Aufgabe der Fender muss deutlich gemacht werden – und in gleichem Zug die eherne Regel, bei Fahrt niemals Hände oder Arme zum Abhalten einzusetzen.

Welche Fehler sind überhaupt zu vermeiden? Auch wenn am Tag Schleusungen anstehen, muss die Crew auf diese Abläufe vorbereitet werden. Ganz wichtig: Was geschieht bei einer Mensch-über-Bord-Situation? Besonders für den Fall, dass der Skipper selbst betroffen ist, muss es eindeutige Handlungsanweisungen geben.

Bis es jeder verstanden hat

Nicht nur für unerfahrene Besatzungsmitglieder ist das eine ganze Menge neues Wissen. Man sollte selbst nachhaken, wenn man das Gefühl hat, dass etwas nicht verstanden wurde, und Fragen ausführlich beantworten. Die Bedeutung der wichtigsten Kommandos muss natürlich ebenfalls erklärt werden, und das in deutlicher Sprache.

Der Skipper hat dafür zu sorgen, dass sein Plan von allen Personen an Bord verstanden wird und nachvollzogen werden kann.

Sind erfahrene Crewmitglieder an Bord, können sie als zusätzliche Bezugspersonen eingesetzt werden. Man sollte sich übrigens außerdem gleich am ersten Törntag die Zeit nehmen, die Hafen- und MOB-Manöver ausgiebig zu üben. Mit zunehmender Eingewöhnung und Routine wächst nicht nur das Gruppengefühl, Effizienz und Sicherheitsempfinden der Besatzung steigen ebenfalls.

Tägliche Briefings

Ebenso wichtig wie die generelle Sicherheitseinweisung ist jedoch, auch im weiteren Törnverlauf jedes anstehende Manöver vor Beginn in aller Ruhe durchzusprechen. Schließlich gleichen sich die Bedingungen in unterschiedlichen Häfen und in Hinblick auf Wind niemals völlig. Besonders bei schwierigen Verhältnissen und auf engem Raum müssen die Abläufe klar sein – und ebenso der Reserveplan, falls sich das eigentlich vorgesehene Manöver unter den Bedingungen als zu unsicher erweist.

Am Beginn jedes Tages sollte außerdem die anstehende Etappe vorgestellt und erläutert werden. Am besten geschieht das anhand der entsprechenden Seekarten.

Entfernungen, Kursverläufe und Zeiten sind auch für die Besatzung wichtige Informationen und werden auf diese Weise nachvollziehbar. Das gilt auch für das zu erwartende Wetter, schließlich muss nicht nur die Kleidung angemessen, sondern auch an und unter Deck alles entsprechend vorbereitet sein. Nicht nur bei starkem Wellengang ist der Hinweis Pflicht, dass die gesamte Ausstattung und das Boot selbst "seefest" sein müssen

Christian Tiedt am 02.05.2019