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Sicherheit: Törnvorbereitung

Der Eignungstest

Christian Tiedt am 30.04.2019

Welches Revier sicher ansteuert werden können, hängt von mehreren Faktoren ab. Hier sagen wir, worauf es dabei ankommt

Neben der Ausrüstung ist die umfassende Vorbereitung jedes Törns (und im weiteren Reiseverlauf auch jedes einzelnen Törntages) die wichtigste Voraussetzung für eine entspannte und sichere Reise. Wenn ein Revier zum ersten Mal befahren wird, sollte im Vorfeld umso mehr Zeit in die Lektüre der entsprechenden nautischen Literatur und des Kartenmaterials investiert werden.

Sie informiert nicht nur über die allgemeine Beschaffenheit eines Gebietes, wie Gezeiten, Strömungs- und Witterungsverhältnisse, sondern auch über später wichtige Details und Parameter, also etwa Ansteuerungen, Wassertiefen und vorhandene Liegemöglichkeiten generell, von Ankerbuchten über Vereine und kommerzielle Marinas bis hin zu den Stadthäfen.

Außerdem klären sie über rechtliche Fragen auf, etwa im Hinblick auf Einklarierungs- oder Registrierungsformalitäten, insbesondere Verkehrs- oder Umweltvorschriften oder die Zuständigkeit und Alarmierung von Behörden und Rettungsdiensten. Erst wenn man sich mit einem Revier eingehend beschäftigt hat, lässt sich bewerten, ob es als Ziel infrage kommen sollte.

Das richtige Boot

Sind Seetüchtigkeit, Ausrüstung und Reichweite des eigenen Bootes den Verhältnissen und Distanzen des betreffenden Reviers angemessen? Wie sieht es mit den Durchfahrtshöhen besonders bei festen Brücken und mit der Wassertiefe aus – besonders, wenn es sich um ein Gezeitenrevier oder ein Fließgewässer mit veränderlichen Pegelständen handelt? Gibt es Tankstellen direkt am Wasser oder Bunkerboote? Und wenn ja, muss auch sichergestellt sein, dass dort die richtige Kraftstoffart angeboten wird. Wären als Alternative zumindest Straßentankstellen in Reichweite?

Ebenfalls muss geklärt werden, welche Häfen und Liegeplätze für das eigene Boot infrage kommen. Auch hier spielen die Abmessungen wie Tiefgang und Breite eine entscheidende Rolle.

Erst an der Hafeneinfahrt zu merken, dass man nicht in die Boxen passt oder gar nicht erst soweit zu kommen, weil es davor zu flach wird, führt zu ärgerlichen Stresssituationen, die sich bei gründlicher Vorbereitung leicht vermeiden lassen. Ein weiterer Punkt in diesem Zusammenhang ist zusätzliche revierspezifische Ausrüstung: Wäre vielleicht ein Schleusenhaken hilfreich, ein zusätzlicher Ersatzkanister, zusätzliche längere Leinen oder ein Fenderbrett? Auch in dieser Hinsicht geben die meisten Törnführer hilfreiche Tipps, was besonders wichtig ist.

Die Besatzung

Der Skipper selbst hat in dieser Hinsicht die volle Verantwortung: Reicht die eigene Erfahrung und Seemannschaft für die zu erwartenden Törn- und Revierverhältnisse aus – und gilt das auch dann noch, wenn ein neues Ziel angesteuert wird, das mit persönlich weitgehend unbekannten Situationen aufwartet, wie etwa Gezeiten oder Großschifffahrtsschleusen? In diesem Fall ist gründliche Vorbereitung besonders wichtig. Gleiches gilt natürlich für jedes einzelne Besatzungsmitglied und für die Crew als Ganzes. Stimmt die Gruppendynamik? Schwierige Verhältnisse führen unweigerlich zu besonderen Belastungen beim Miteinander.

Das Revier allgemein

Wie anspruchsvoll ist das Törngebiet darüber hinaus? Verschiedene Faktoren können hier binnen wie seeseitig bedeutsam sein, beispielsweise die generelle Beschaffenheit der Küste oder des Uferverlaufs, des Tiefenprofils sowie die Entfernungen zwischen Häfen oder anderen geeigneten Liegestellen, die Ausprägung der Gezeiten oder die Stärke der Strömungsverhältnisse, Pegel- und Wasserstände. 

Gibt es feste Fahrwasser (möglicherweise sogar mit eigenen Verkehrsregeln) und wie gut ist die Bezeichnung mit Seezeichen (bei Tag und Nacht)? Gibt es hier eventuell Unterschiede zu bekannten Revieren? Muss mit Berufsschifffahrt gerechnet werden und wie sieht es mit dem Verkehrsaufkommen allgemein aus?

Wetter und Witterung

Welche Wind- und Wetterbedingungen sind zur Reisezeit vorherrschend, muss mit extremen Ausnahmen gerechnet werden? Können besondere Wetterphänomene auftreten, zum Beispiel lokale Wetterlagen, schnell und überraschend einsetzende Stark- und Sturmwinde oder häufiger Nebel?

Die Infrastruktur an Land

Gibt es ausreichend Liegeplätze (und Ausweichmöglichkeiten? Eventuell muss vorab eine Anmeldung erfolgen. Wie sind darüber hinaus die Service- und Versorgungsmöglichkei­ten (Betriebszeiten)? Wo kann man slippen und kranen? Welche Sprache wird gesprochen?

Christian Tiedt am 30.04.2019