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Ausrüstung

Mann-über-Bord-Warnsystem von Mercury

Johannes Erdmann am 01.11.2020

Über Bord: Ein Crewmitglied zu verlieren und nicht wiederzufinden ist der Horror eines jeden Skippers. Mercury hat ein reaktionsschnelles und fremdmotoren-kompatibles Rettungssystem entwickelt.

Der Skipper gibt ruckartig Gas, ein unachtsamer Moment, man verliert das Gleichgewicht, und platsch liegt man im Wasser. Wer einmal über Bord gefallen ist, erinnert sich meist: Es ist ganz plötzlich passiert. Eben noch stand man an Deck und fühlte sich sicher – im nächsten Augenblick sieht man, wie einem das Wasser über dem Kopf zusammenschlägt.

Über Bord zu fallen ist eine Gefahr, die sich zwar durch einen sicheren Seezaun und viele gut dimensionierte Haltegriffe an Deck verringert, aber leider nie ganz ausschließen lässt. Zudem ist der Brauch, bei Bootsfahrten eine Rettungsweste zu tragen, nie ganz in Mode gekommen. Die durchschnittliche über Bord gefallene Person trägt deshalb gewöhnliche Kleidung, keine Weste, und es geht bei der Bergung um Minuten.

Sportboote verfügen für gewöhnlich über einen Quickstopp-Schalter für den Fahrer, um den Motor abzuschalten, wenn er bei rasanten Manövern den Halt verliert. Doch wenn ein Crewmitglied beim Sonnenbaden von der Liegefläche rollt, vergehen oft kostbare Augenblicke, bis die Crew den Notfall realisiert und dem Skipper meldet. Bis der Bootsführer reagiert, ist das Boot dann schon hundert oder mehr Meter von der Person entfernt. Auf See reichen schon kleine Wellen aus, um den Blickkontakt zur Person abreißen zu lassen, deren Kopf zwischen den Wellenkämmen verschwindet. Sie dann wiederzufinden ist schwierig.

Melden und Retten

Viele Hersteller haben sich damit beschäftigt, verlässliche Mann-über-Bord-Warnsysteme zu entwickeln. Auf elegante Weise ist dies nun Mercury gelungen, denn das 1st-Mate-System ist zugleich mit Quickstopp und Wegfahrsperre verbunden.

Statt eines roten Bands, das beim Manövrieren ständig im Weg ist, trägt der Skipper einen roten Sender ("FOB") am Arm, ähnlich wie eine Uhr. Er ist über WLAN mit dem Vessel-Hub im Boot verbunden, das wiederum kabelgebunden über das NMEA-Netzwerk und Mercury Smartcraft mit Motor und Plotter (sofern vorhanden) kommuniziert. Über den "On"-Button auf dem FOB kann der Skipper das Boot vor Fahrtbeginn entriegeln. Ohne den Sender ist es nicht möglich, das Boot zu starten. Sind Gäste an Bord, bekommt jeder einen schwarzen Crew-FOB, der sich nach Aktivierung in das WLAN des Vessel-Hubs einloggt. Auf der Handy-App des Skippers wird automatisch seine an Bord befindliche Crew gelistet.

Das WLAN hat viele Stärken: Die Reichweite ist gut, es durchdringt auch GFK-Rümpfe, und ein ganz besonderer Vorteil bei der Nutzung für die Sender ist: Es funktioniert nicht unter Wasser. Also machen wir den Test, halten den Arm mit dem FOB von der Badeplattform aus ins Hafenbecken – und sofort ertönt ein Warnton, zeitgleich stirbt der Motor. Die Handy-App meldet: "Passenger Overboard". Das Display zeigt außerdem eine genordete Karte, darauf das Boot und die Person leicht achterlich in der Richtung, in der sie über Bord gefallen wäre.

1st Mate kennt die Position, an der der Kontakt zum Handsender abgebrochen ist, und die fortlaufend aktuelle Posi­tion des Boots. Anhand dieser Daten berechnet und visualisiert das System (auf Plotter oder App) nun ständig die Entfernung des Boots von der letzten bekannten Position des verlorenen Crewmitglieds. Der Skipper kann nun die nächsten Schritte zur Bergung einleiten. Ist der Abstand zur Person im Wasser groß genug, dass keine Gefahr besteht, dann wird er die Zündunterbrechung deaktivieren, um den Motor zu starten und die Person einzusammeln. Fällt hingegen der Skipper über Bord, sendet das System nach Ablauf eines Countdowns automatisiert eine Notmeldung mit der GPS-Position an bis zu drei gespeicherte Kontakte.

Den Artikel "Über Bord" finden Sie in BOOTE-Ausgabe 11/2020 seit dem 21.10.2020 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

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Johannes Erdmann am 01.11.2020
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