Noblex-Ferngläser Noblex-Ferngläser

Markt & Produkt

Ferngläser von Noblex mit hoher Fertigungstiefe

Dieter Wanke am 18.09.2020

Traditionsoptik: Noblex ist als Marke neu. Doch die Wurzeln des Unternehmens reichen lang zurück nach Jena

Wer im Januar in Düsseldorf den Messestand von Noblex entdeckt hat, mag sich gewundert haben. Hier wurden zwei sehr beachtliche Kompassferngläser für Wassersportler vorgestellt. Doch wer ist Noblex? Die Geschichte des Unternehmens ist lang und komplex. Um einen Neuling oder reinen Händler in der Optikbranche handelt es sich keineswegs. Nur der Markenname wurde geändert. Übrigens gab es den schon mal in Verbindung mit Panoramakameras, aber das ist eine völlig andere Geschichte. Die der heutigen Noblex GmbH geht bis auf die Ursprünge der deutschen Optikindus­trie zurück und liegt bei keinem Geringeren als Carl Zeiss. Der hatte seinen Betrieb zur Fertigung mechanischer und optischer Instrumente 1846 in Jena eröffnet und ihn mit Experten wie Ernst Abbe und Otto Schott zu einem der bedeutendsten Unternehmen der optischen Industrie gemacht. Mit dem Reichspatent Nr. 77086 "Doppelfernrohr mit vergrößertem Objektivabstand" legte Zeiss schon 1893 den Grundstein für die heute noch aktuelle Tech­nologie der Prismenferngläser. Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte erhebliche Einschnitte mit sich. Wesentliche Teile der alten Fertigungsanlagen wurden demontiert, und viele Mitarbeiter wanderten deshalb ab. Das resultierte zunächst in einer sehr eingeschränkten Produktion mit einer Fokussierung auf wenige Fernglasmodelle. 1952 etablierte der inzwischen in VEB Carl Zeiss Jena umbenannte Betrieb den Standort im thüringischen Eisfeld.

Der Unternehmenszweig entwickelte sich prächtig und produzierte in seiner Blütezeit in den 1980er-Jahren eine breite Produktpalette, die neben Ferngläsern auch Zielfernrohre, optoelektronische Messgeräte und mehr enthielt. Der damals größte Fernglasproduzent in Europa beschäftigte über 1000 Mitarbeiter und produzierte jährlich rund 300 000 Ferngläser und Zielfernrohre. Mit dem Mauerfall kamen erneut einschneidende Veränderungen. Unter der Treuhand-Verwaltung wurde der Konzern zunächst in die Carl Zeiss Jena GmbH und die Jenoptik GmbH aufgespalten. Das Werk in Eisfeld mit 550 Mitarbeitern wurde 1991 von Bernhard Docter übernommen und firmierte dann als Docter-Optic-Eisfeld GmbH. Die Fertigung von Ferngläsern, Zielfernrohren und optoelektronischer Messtechnik wurde mit dem neuen Markennamen fortgesetzt. Das Spezialgebiet der blankgepressten Asphären wurde weiter verfeinert und floss in zahlreiche Produkte ein. Nach dem Tod von Bernhard Docter folgte der Konkurs. Die ebenfalls aus dem ehemaligen VEB Carl Zeiss Jena hervorgegangene Analytik Jena GmbH übernahm 1997 einen Teil des Unternehmens mit 40 Mitarbeitern in Eisfeld, denn hier wurden auch einige Analyse­geräte für den Hersteller gefertigt.  Der Betrieb lebte wieder auf, und die Zahl der Mitarbeiter wuchs auf ein knapp dreistelliges Niveau.

Noblex-Ferngläser

Im Mai 2016 wurde die Firma an den Investor VF Capital GmbH in Frankfurt am Main verkauft und wurde damit zur Noblex GmbH. Was fehlte, war ein erfahrener Geschäftsführer in diesem Segment. Der kam Ende 2018. Thorsten Kortemeier hatte gerade seine noch verbliebenen Anteile an der Minox GmbH verkauft und stieg als neuer Geschäftsführer und Anteils­eigner ein. Die Idee, auch mit Noblex wieder Produkte für Wassersportler anzubieten, war naheliegend und schnell umgesetzt, denn Kortemeier ist selbst Segler und hatte natürlich schon durch den Aufbau dieses Segments bei Minox das nötige Know-how sowie alle Kontakte, um hier schnell wieder Fuß zu fassen. Dass der Wassersportmarkt umkämpft ist und die Stückzahlen übersichtlich sind, bereitet dem Experten keine Sorgen. Schließlich hat er ja schon mit Minox bewiesen, wie man sich hier als Neueinsteiger durchsetzen kann. Das neue "NF 7x50 C inception" kommt als hochwertiges, aber auch sehr preisgünstiges Einsteigerprodukt von einem Entwicklungspartner in Asien. Wesentliche Komponenten der neuen Spitzenoptik NF 7x50 C advanced werden zwar ebenfalls aus Fernost zugekauft, das Fernglas wird aber komplett auf der Fertigungsstraße in Eisfeld montiert und justiert.

Die Fertigungstiefe des Unternehmens ist bemerkenswert. Die Leichtmetallgehäuse für viele Produkte werden an Drehautomaten und Fünf-Achsen-Fräsen selbst gefertigt, eine eigene Galvanik sorgt für perfekte Oberflächen. Bei Jägern und Sportschützen haben die Reflexvisiere und Zielfernrohre aus Eisfeld einen vorzüglichen Ruf. Ferngläser für die Jagd und den allgemeinen Gebrauch, Spektive, Entfernungsmesser, Kompaktstrahler und hochwertige Wärmebildkameras ergänzen das Angebot aus Thüringen. Auch Geräte für die Analytik Jana GmbH werden hier noch immer gebaut. Und wir Wassersportler können uns über neue Kompassferngläser von einem Hersteller mit großer Tradition und Entwicklungskompetenz freuen.

Der Artikel "Traditionsoptik" erscheint in BOOTE-Ausgabe 10/2020 ab 16.09.2020 am Kiosk oder online im Delius-Klasing-Shop.

Dieter Wanke am 18.09.2020
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