LED-Scheinwerfer LED-Scheinwerfer

Praxistest

Licht ins Dunkle

Torsten Moench am 05.12.2019

Moderne LED-Scheinwerfer sorgen für Sicherheit bei Nachtfahrten. Wir machen die Probe aufs Exempel und vergleichen Alt mit Neu

Wer abends oder in der Nacht mit dem Boot unterwegs ist, weiß einen ordentlichen Bordscheinwerfer zu schätzen. Der hilft bei unübersichtlichen Hafeneinfahrten, beim An- und Ablegen oder bei der Suche nach der nächstgelegenen Fahrwassertonne.

Während früher meist Halogenscheinwerfer aus dem Autozubehör auf Booten zum Einsatz kamen, setzen heute die meisten Hersteller auf LED-Technik.

Doch auch hier gibt es deutliche Qualitätsunterschiede. Hinzu kommt die Art der Fernbedienung. Waren sie vor Jahren noch manuell oder kabelgebunden, sind heute Funkfernbedienungen Standard.

Fotostrecke: LED-Scheinwerfer

Um zu vergleichen, was moderne LED- Scheinwerfer im Gegensatz zum althergebrachten H3-Bordscheinwerfer der ersten Generation bringen, und zu entscheiden, ob sich die Investition in einen neuen Scheinwerfer lohnt, ließen wir verschiedene Versionen und Generationen in einem Praxistest gegeneinander antreten:

Erstens einen H3-Handscheinwerfer aus den 90er-Jahren, zweitens einen LED- Suchscheinwerfer der ersten Generation und zu guter Letzt zwei moderne LED-Scheinwerfer der aktuellen Generation.

Ging man früher beim Scheinwerferkauf fast ausschließlich nach der elektrischen Leistung, spielt diese bei heutigen Kaufentscheidungen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Der Grund: Die Leistungsaufnahme sagt nur wenig über die tatsächliche Lichtstärke, gemessen in Candela (cd), aus. Bei herkömmlichen Glühwendel-Birnen, wie sie in Halogenscheinwerfern zum Einsatz kommen, werden nämlich mehr als 90 Prozent der elektrischen Energie in Wärme und nicht in Licht umgewandelt.

Rein praktisch müsste man eigentlich von Heiz- statt von Glühbirnen sprechen. Moderne LED-Technik kann das deutlich besser. Hier ist der Anteil der Lichtausbeute um mindestens Faktor 5 höher. So kommt es auch, dass eine 10-W-LED-Leuchte mindestens die gleiche Lichtleistung wie eine 50-W-Glühbirne bringt.

Beim Scheinwerferkauf sollte man also auf eine möglichst hohe Lichtstärke achten. Zum Vergleich: Halogenlampen erreichen rund 7000 cd, moderne LED-Scheinwerfer bis zu 350 000 cd. Glaubt man den Herstellern, entspricht das dem 20-fachen einer Seenot-Handfackel. Wer so eine Fackel schon mal in Aktion erlebt hat, hat in etwa eine Vorstellung, was das in der Praxis für die Helligkeit eines Scheinwerfers bedeutet.

Ein weiterer Unterschied ist die in Kelvin (K) gemessene Lichtfarbe.

Halogen- Glühbirnen erzeugen ein vergleichsweise langwelliges Licht mit einer Lichtfarbe von rund 3200 K. LED-Lampen emittieren dagegen eine Lichtfarbe um 6000 K.

Was im Wohnbereich des Bootes als warmes und damit angenehmes Licht empfunden wird, ist beim Suchscheinwerfer, in dessen Lichtkegel man möglichst viel erkennen will, fehl am Platz. Hinzu kommt, dass man Farben, also beispielsweise ob es sich um eine rote oder grüne Tonne handelt, in langwelligem Licht deutlich schlechter erkennt.

So kommt es auch, dass man mit Halogenscheinwerfern zwar ein Hindernis sichtbar machen kann, die korrekte Interpretation aber häufig unmöglich ist.

Auch in puncto Bedienung hat sich einiges getan. Musste man früher den Scheinwerfer von Hand in die richtige Richtung dirigieren, übernehmen das heute Elektromotoren. Der Vorteil: Erstens muss der Bediener des Scheinwerfers beim Anlegen nicht zwingend von links nach rechts über das Boot laufen, und zweitens kann man den Scheinwerfer am höchsten Punkt des Bootes montieren und hat so freie Abstrahlmöglichkeiten zu allen Seiten.

Wichtig sind dabei natürlich die maximalen horizontalen und vertikalen Winkel der elektrischen Drehvorrichtung. Optimal ist ein horizontaler Winkel von 360 Grad und ein möglichst großer vertikaler Winkel etwa von 135 Grad.

Insbesondere wenn der Scheinwerfer auf dem Dach montiert werden soll, ist es wichtig, dass er sich so weit nach unten schwenken lässt, dass er auch die Arbeitsbereiche auf dem Deck oder kurz hinter dem Heck noch bescheinen kann.

Zurück zu unseren Testkandidaten. Den Anfang machte ein klassischer 55-Watt-H3- Deckscheinwerfer mit manueller Bedienung. Als Zielobjekt diente ein Dingi, das in verschiedenen Entfernungen zum Boot positioniert wurde. Schon auf einer kurzen Distanz von rund 50 m war es zwar noch zu erkennen, die an Bord hochgehaltenen Farbtafeln (rot und grün, 30 cm x 30 cm) konnten jedoch nicht mehr einwandfrei identifiziert werden.

In rund 100 m Entfernung verschwanden das Dingi und die Person darin komplett im Dunkel der Nacht.

Als Nächstes kam ein preiswerter LED- Scheinwerfer der ersten Generation (Suparee Cree), wie er vor rund 10 Jahren auf Booten montiert wurde, zum Einsatz. Die elektrische Leistung entsprach mit 50 W in etwa der von der H3-Lampe. Aufgrund der "kälteren" Lichtfarbe (6000 K) und der deutlich höheren Lichtstärke (24000 cd) waren die Ergebnisse auf der 50-m-Distanz erheblich besser als beim H3-Licht. Sowohl das Dingi als auch die Person waren klar und deutlich zu erkennen. Gleiches galt für die Farbtafeln. Rot und Grün ließen sich gut unterscheiden. Erst ab rund 100 m Entfernung wurde dies schwierig bis unmöglich.

Als "hakelig" empfanden wir jedoch die funkfernbediente Motorsteuerung. Sie ließ sich nur schwer exakt auf das Ziel ausrichten. Jeder Tastendruck bewirkte eine deutlich zu hohe Winkeländerung. Hätten wir im Notfall eine über Bord gegangene Person gesucht, wäre wertvolle Zeit verloren gegangen. Wie es besser geht, zeigen die Scheinwerfer von Ferropilot. Beide ließen sich mit ihrer Funkfernbedienung "auf den Punkt" ausrichten, wobei uns der vertikale Winkel des Modells 150 mit rund 90 Grad etwas zu gering erscheint.

Während der "kleine", also das Modell 150 (75 000 cd), bis rund 100 m einwandfrei funktionierte und sowohl die Lichtstärke als auch die Lichtfarbe zur Zielfindung und Identifikation gut geeignet war, spielte das größere Modell 220 in einer anderen Liga: Seine 350 000 cd machten die Nacht sprichwörtlich zum Tage, sodass weniger das Licht, sondern vielmehr die Sicht (ohne Fernglas) der limitierende Faktor war.

Wermutstropfen: Mit rund 600 Euro spielt das Modell 220 auch preislich in der Oberliga. Unsere Empfehlung: Wer binnen unterwegs ist und mit dem vertikalen Schwenkbereich von 90 Grad leben kann, ist mit dem Ferropilot-Modell 150 bestens bedient.

Wer häufig in Küstengewässern fährt und unbeleuchtete Fahrwassertonnen sucht, greift besser zum Luxusmodell 220. Preiswertere LED-Scheinwerfer aus dem Online-Handel bringen zwar auch Licht ins Dunkel, ihre Lichtausbeute und Bedienung können aber im direkten Vergleich nicht mithalten.

Diesen Artikel finden Sie in der Juli-Ausgabe 2019 von BOOTE. Hier erhältlich!

Torsten Moench am 05.12.2019
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