Badeplattformen Badeplattformen

Zubehörtest: Badeplattformen

Auf Luft gebaut

Torsten Moench am 03.06.2018

Aufblasbare Badeplattformen liegen im Trend. Unser Test zeigt, welche es gibt, worin sie sich unterscheiden und was man beim Kauf beachten muss

Eigner moderner Motoryachten haben es gut. Je nach Bootsgröße verfügen sie über mehr oder weniger komfortable, in die Rumpfform integrierte Badeplattformen, auf denen es sich vorzüglich sitzen, relaxen oder sogar dinieren lässt.

Wer mit älteren oder kleineren Booten unterwegs ist, kann sich den einen oder anderen neidvollen Blick kaum verkneifen. Insbesondere in der Badebucht wird das Dilemma überdeutlich.

Während die einen Tische, Stühle und Sonnenliegen auf der bootseigenen Wasserterrasse auf­fahren, können die anderen von Glück sprechen, wenn der Platz am Heck für ein herkömmliches Sitzkissen reicht.

Seit einiger Zeit bietet die Zubehörin­dus­trie nun Abhilfe. Die Rede ist von sogenannten aufblasbaren Bade- oder auch Schwimmplattformen. Größter Vorteil der Plattformen ist das vergleichsweise geringe Gewicht von rund 20 kg und dass sie sich bei Nichtgebrauch einfach zusammenrollen und verstauen lassen.

Fotostrecke: Aufblasbare Badeplattformen

Somit kann selbst ein 6-m-Boot mit einer 2 m x 1 m großen Badeplattform in der Ankerbucht auftrumpfen, und wer gar ein 40-Fuß-Boot sein Eigen nennt, kann problemlos eine 6 m2 große "Wohnlandschaft" inklusive Luftmöbel am Heck befestigen.

Schaut man in die Kataloge oder auf die Websites der Anbieter, stellt man schnell enorme Preisunterschiede fest. Wir wollten wissen, worin sich die verschiedenen Modelle unterscheiden, wie stabil sie im Wasser liegen und ob die immensen Preisdifferenzen gerechtfertigt sind. Zum Test ließen wir uns die sieben wichtigsten Modelle liefern und begutachteten sie sowohl an Land als auch auf dem Wasser.

Größen und Gewichte
Die Dimension unserer Testkandidaten schwan­kt zwischen den rund 2,5 m2 der kleinen Renrib-Plattform und den stattlichen 8,75 m2 des großen Renrib-Modells. Alle anderen liegen irgendwo dazwischen. Nehmen wir den Preis zum Maßstab, liefert A.W. Niemeyer mit der Aqua-Marina-Plattform den mit Abstand günstigsten Quadratmeterpreis von rund 100 Euro/m2.

Das andere Ende der Preisskala markiert die Nautibuoy-Plattform mit satten 1256 Euro/m2. Der Größe entsprechend variiert auch das Gewicht.

Geradezu handlich kommt die kleine Renrib mit 12 kg daher, die schwerste und größte Plattform, das große Renrib-Modell, sollte man dagegen besser mit zwei Personen tragen, denn sie bringt rund 40 kg auf die Waage. Grundsätzlich gilt, dass es an Bord ohnehin meist zweier Personen bedarf, um die Plattformen aufzubauen und am Heck zu befestigen.

Aufbau und Befestigung
Der Aufbau, also das Aufblasen der Plattformen, geht bei allen Modellen problemlos binnen weniger Minuten von der Hand. Wichtig ist jedoch eine leistungs­fähige Luftpumpe, die zum benötigten Betriebsdruck der Plattformen (Anleitung beachten) passt. Am besten gefielen uns die mitgelieferten Pumpen von Renskib und Nautibuoy.

Beide Hersteller setzen auf eine zweistufige Pumpe, mit der man im ersten Schritt viel Volumen schafft und im zweiten Schritt den nötigen Druck erzeugt. Die gleichen Hersteller statten ihre Plattformen außerdem mit Überdruckventilen aus, sodass überschüssige Luft entweichen kann, ohne die Badeplattform zu beschädigen – ein Sicherheitsfeature.

Weniger gefallen hat uns die Pumpe von Offshore Tools. Sie war für das Produkt zu schwach dimensioniert, sodass wir nach 20 Minuten Pumpzeit eine andere Pumpe verwendeten, um den nötigen Druck auf die Plattform zu bekommen.

Um die Badeplattformen zuverlässig mittels Leinen am Boot zu befestigen, braucht man entsprechende Ösen, Griffe oder Klampen. Hier mussten sich alle Kandidaten an den für den professionellen Einsatz gedachten Renrib-Plattformen messen.

Badeplattformen

Schwimmende Badeplattformen

Beide Ausführungen kommen mit massiven Kunststoffklampen und zusätzlichen Metallösen daher. Ähnlich gut lösten dies die Firmen Nautibuoy und Offshore Tools. Hier fanden wir ebenfalls ausreichend dimensionierte und sinnvoll platzierte Ösen. Auch die Befestigungsmöglichkeiten bei Aqua Marina und Aquaglide sind für den Freizeitgebrauch völlig ausreichend.

Rutschsicherheit
Genau wie integrierte Badeplattformen müssen auch die aufblasbaren Varianten rutschsicher sein, um ein ungewolltes Überbordgehen zu verhindern. Hier gab es große Unterschiede. Durchweg sehr gute Rutschsicherheit zeigten Nautibuoy, Renrib und Offshore Tools. Alle vier Modelle waren sowohl im nassen als auch im trockenen Zustand sicher barfuß zu be­gehen.

Rein optisch hebt sich bei diesem Krite­rium die Nautibuoy-Plattform deutlich von der Konkurrenz ab. Mit ihrem Teak­imitat-Belag war sie nicht nur technisch, sondern auch in puncto Design der Spitzenreiter. Die Plattformen von Aqua Marina und Aquaglide bieten im nassen Zustand nur eingeschränkte Rutschsicherheit, trocken sind sie dagegen problemlos zu betreten.

Stabilität im Wasser
Kommen wir zu dem aus unserer Sicht wichtigsten Kaufkriterium für eine schwimmende Badeplattform. Wie stabil sie im Wasser liegt, entscheidet letztlich darüber, wozu sie geeignet ist und ob man sie nur als bessere Luftmatratze oder als vollwertige Bootserweiterung nutzen kann.

Die Schwimmstabilität wird entscheidend vom verwendeten Material, der Dicke der Plattform (Freibord), ihrer Größe und zusätzlichen Stabilisatoren beeinflusst.

Badeplattformen

Schwimmende Badeplattformen

Die beste Kombination dieser Faktoren fanden wir bei der Nautibuoy Sport Teak. Neben der großen Höhe von 24 cm verfügt sie über vier fest verbundene Wassersäcke, wie man sie von Rettungsinseln kennt, die sich unmittelbar nach dem ersten Wasserkontakt füllen und die Plattform stabil an Ort und Stelle halten. Selbst Kopfstände oder vergleich­bare sportliche Aktivitäten konnten sie nicht ins Schlingern bringen.

Ähnlich ruhig lag die große Renrib-Plattform mit 20 cm Freibordhöhe im Wasser. Sie wurde für professionelle Außenreinigungen an Yachten entwickelt und bietet schon aufgrund der schieren Größe von knapp 9 m2 eine sehr gute Stabilität, die noch durch einen zusätzlichen Luftkiel auf der Unterseite verstärkt wird.

Platz drei teilen sich die kleine Renrib-Plattform und das Offshore-Tools-Produkt. Beide sind sicher zu begehen, wobei die Letztgenannte aufgrund der mehr als doppelt so großen Fläche mehr Bewegungsfreiheit bietet.

Erstaunlich gut schlug sich auch das preiswerteste Modell im Test, die Aqua Marina. Mit einer Höhe von 15 cm und einer Grundfläche von knapp 4 m2 liegt sie befriedigend im Wasser, ohne jedoch die Stabilität der zuvor genannten Platt­formen zu erreichen.

Mit nur rund 12 cm Dicke und ohne zusätzliche Stabilisatoren konnten die Aquaglide-Produkte in diesem Testpunkt nicht mithalten. Ihre Schwimmstabilität ist im Vergleich zu den anderen Produkten nur mit "mäßig" zu bewerten. Hinzu kommt, dass aufgrund des geringeren Freibords schnell Wasser auf die Oberfläche gelangt, wenn Personen die Plattformränder betreten. 

Fazit
Zu Beginn unseres Tests stellten wir die Frage, wie sich die großen Preisunterschiede erklären und ob gute aufblasbare Badeplattformen immer auch teuer sein müssen. Die zweite Frage können wir mit einem klaren Nein beantworten.

Andererseits sind nach rein technischen Gesichtspunkten die teuersten in unserem Test auch die besten. Für rund 4700 Euro bekommt man von Nautibuoy ein sowohl technisch als auch optisch ausgereiftes Produkt, an dem jeder Eigner seinen Spaß haben wird. Platz zwei belegen die Profi-Plattformen von Renrib.

Auch sie sind technisch ausgereift und für höchste Ansprüche, insbesondere als Arbeitsplattformen, gedacht. Mit Quadratmeterpreisen zwischen 400 Euro und 500 Euro will diese Leistung aber auch bezahlt werden.

Unser Preis-Leistungs-Sieger ist ganz klar die Offshore-Tools-Plattform. Sie liegt ähnlich stabil im Wasser wie die Renrib-Modelle und eignet sich mit ihren 6 m2 Fläche gut für vier Personen, kostet aber nur rund 1000 Euro. Für den schnellenBadetrip mit kleinen Booten empfiehlt sich das Aqua-Marina-Produkt. Es ist mit 400 Euro unschlagbar preiswert und bietet genügend Platz und Nutzwert für zwei Personen. 

Titel 10/2017

Titel 10/2017

Torsten Moench am 03.06.2018