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Zubehörtest

Den Fluss genau im Blick

Johannes Erdmann am 16.08.2020

Wenige Motoren verraten, wie viel Kraftstoff sie benötigen. Deshalb gibt es diverse Nachrüst-Optionen von Verbrauchsmessern für alle gängigen Motoren. Ein Vergleich

Was beim Auto schon seit Beginn der Neunzigerjahre zum Standard gehört, ist bis heute nur auf neueren Booten zu finden: ein Bordcomputer, auch "Mäusekino" genannt, der, eingefasst von Tacho, Drehzahlmesser und Warnlampen, Infos zu Verbrauch und Reichweite gibt. Moderne Motoren geben diese Daten häufig über die Motorelektronik auf dem Bedienpaneel oder dem Plotter wieder. Durch die Anzeige des genauen Verbrauchs fällt es einfacher, eine ökonomische Fahrweise zu finden und Sprit zu sparen. Was aber, wenn der Motor über eine solche Schnittstelle nicht verfügt?

Natürlich bietet der Markt einige bordtaugliche Messgeräte, die in die Kraftstoffleitung integriert werden können und dort den Durchfluss messen. Meist erfordern diese Sensoren in der Installation ein wenig Improvisation, denn kaum ein Messgerät ist Plug-and-play-fähig. Häufig handelt es sich um modulare Baukastenlö­sungen wie das Easyflow NT 5 von Bach-Messtechnik, das im Praxistest genaue Werte liefert, sich aber aufgrund feinster Messleitungen nicht unbedingt vom Laien montieren lässt. Außerdem versprüht es auf dem Armaturenbrett mit seinem kastigen Gehäuse den Charme eines Taschenrechners aus den Achtzigern. Die Messdaten eines nachrüstbaren Durchflusssensors von San Giorgio lassen sich hingegen elegant im eigenen Drehzahlmesser anzeigen. Andere nachrüstbare Sensoren verfügen über einen NMEA2000-Anschluss und können auf dem Plotter angezeigt werden.

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Der Easyflow von Bach ist eine sehr hochwertige, modulare Lösung und deshalb nicht ganz günstig

Eine gefällige und innovative Lösung hat der kanadische Hersteller Interactio: Der Optio-Fuel-Sensor (ab ca. 300 Euro, AWN) ist ein kleiner schwarzer Würfel, der in die Kraftstoffleitung eingebunden wird und die Messdaten per Bluetooth (bis etwa 20 Meter) an das Smartphone überträgt. In der eigenen App kann der aktu­elle Verbrauch dann überwacht werden. Außerdem informiert das Gerät nach Ein­gabe von Bootsdaten und Tankkapazität GPS-gebunden auch über mögliche Reichweiten und Tipps zum Spritsparen.

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Immer informiert: der Optio Fuel wird mit dem Smartphone gekoppelt

Installation
Einfacher geht es kaum: ein geeignetes Stück der Kraftstoffleitung zwischen Filter und Motor finden, durchtrennen, den Sensor zwischen die Schläuche stecken und mit Schlauchschellen sichern. Dann kann das Gerät ans Schott geschraubt werden. Ist die Kraftstoffleitung aus Metall, kann es nötig sein, ein größeres Stück herauszutrennen und durch einen Schlauch zu ersetzen. Die Stromversorgung erfolgt je nach Modell entweder über eine interne Knopfzelle oder 12-Volt-Verbindung über die Zündung des Motorpaneels. Nach Entlüften der Kraftstoffleitung und Installieren der App kann es losgehen: in der App nach dem Sensor suchen und verbinden. Handelt es sich um einen Dieselmotor, muss ein zweiter Sensor im Rücklauf montiert und in der App registriert werden. Während der Fahrt zeigt das Smartphone dann den momentanen Verbrauch und weitere interessante Daten an.

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Messwerte bei verschiedenen Drehzahlen

In der Praxis
Nach jedem Motorstart lässt sich das Telefon schnell mit dem Sensor koppeln. Wird die Verbindung jedoch aus irgendeinem Grund unterbrochen, lässt er sich in unserem Test gar nicht mehr verbinden, wenn nicht kurz die Stromversorgung (Zündung aus) getrennt wird. Ansonsten sind die Messwerte beim Test (Außenborder To­hat­su 50 PS) sehr genau, auch wenn das System oft einen Augenblick benötigt, um die Werte zu errechnen. Aufgrund des Dampfblasenabscheiders im Motor pumpt die Kraftstoffpumpe nämlich nicht dauerhaft Benzin durch die Leitung. Sie fördert nur unregelmäßig, weil sich der Motor aus einem Reservoir bedient und nur nachfördert, wenn er Bedarf hat. Deshalb muss der Optio-Fuel die gemessenen Werte mitteln. Ohnehin sind Durchflussmesser nur bei höheren Drehzahlen, also ab einer bestimmten Durchflussmenge wirklich exakt, weil der Kraftstoff bei kleinen Geschwindigkeiten schlicht durch die Zahnräder des Sensors "sickert", anstatt sie in Rotation zu versetzen. Der Optio Fuel eignet sich laut Hersteller für Durchflussmengen über vier Liter, das System von Bach schon für Mengen über ein Liter.

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Der Optio Fuel informiert über den aktuellen Verbrauch und mögliche Reichweiten, gibt Hinweise zur ökonomischen Fahrweise (grüner Haken)

Will man die ganz genauen Verbrauchsdaten auch bei langsamer Fahrt, dann gibt es keine Alternative zu einem modernen Motor, der die Daten aus der Motorelek­tronik auf seinem Bedienelement darstellt.

Dieser Vergleichstest ist in BOOTE 08/2020 erschienen. Das Heft ist ab sofort am Kiosk erhältlich oder direkt beim Delius Klasing Verlag
 

Johannes Erdmann am 16.08.2020
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