Vorsicht, Makler-Falle!Foto: Eckart Breitschuh

Recht Vorsicht, Makler-Falle!

Andreas Scharbatke  

8.9.2012, Lesezeit: 3 Minuten

Unseriöse Vermittlungsangebote: „Beutezüge“ auf dem Gebrauchtbootmarkt. Ist es bis zum Richterspruch nur noch eine Frage der Zeit?

  Bezahlen in jedem Fall? Vorsicht vor unseriösen Angeboten!Foto: Eckart Breitschuh
Bezahlen in jedem Fall? Vorsicht vor unseriösen Angeboten!
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Bezahlen in jedem Fall? Vorsicht vor unseriösen Angeboten!

Provision plus Pflege-Pauschale?“ Schon in BOOTE 12/10 sprachen wir das Thema an, dass ein Yachtmakler telefonisch akquirierte Kunden auf der Basis eines nachgeschobenen schriftlichen Vermittlungsauftrags trotz ausgebliebenen Verkaufserfolgs zur Kasse bittet.

Einen neuen Fall schilderte uns kürzlich ein weiterer Leser. Auch hier gab der Anrufer vor, Mitarbeiter einer bekannten Yachtmaklerfirma zu sein und einen Inte-ressenten für das in unserem Magazin inserierte Boot zu haben. Der Eigner möge sich überlegen, wie viel er für sein Boot haben wolle. Seine Firma werde dann versuchen, das Boot mit einem Preisaufschlag zu verkaufen. Von Kosten bei ausbleibendem Verkaufserfolg war zunächst keine Rede.

Nach dem Telefonat übersandte der Anrufer dem Angerufenen einen Vermittlungsvertrag, welcher den überraschenden Hinweis auf eine pauschale Aufwandsentschädigung für den Fall der auftraggeberseitigen Kündigung vorsah. Eine Frechheit, wie der Betroffene empfand. Er unterschrieb nicht und rührte sich auch nicht mehr. Als der Vermittler erneut telefonisch Kontakt aufnahm, wurde ihm mitgeteilt, dass auf diese Art und Weise ganz sicher keine Zusammenarbeit zustande kommen werde.

Den Vorhalt, er hätte im Hinblick auf die Aufwandsentschädigung von Anfang an mit offenen Karten spielen sollen, kommentierte der Anrufer selbstbewusst mit den Worten: „Beim ersten Gespräch kann man nicht alles sagen, das dauert viel zu lange.“ In kurzen Abständen erfolgten weitere Anrufe mit dem hartnäckigen Versuch, den vermeintlichen Kunden umzustimmen. Erst auf den Hinweis, man habe das Boot ganz bewusst in der BOOTE inseriert, weil man sich den Käufer selbst aussuchen und niemanden an dem Verkauf mitverdienen lassen wolle, gab der Makler auf.

Erfahrungen wie diese scheinen viele private Bootsverkäufer gemacht zu haben. Die Betroffenen werden nach dem Telefonat angeschrieben. Wer den Vermittlungsauftrag unterschreibt, schuldet dem Yachtmakler im Kündigungsfall, jedenfalls nach dem Vertragswortlaut, die Zahlung der pauschalen Aufwandsentschädigung. Wer der Rechnungsstellung widerspricht und nicht zahlt, erhält Post von einem Inkassounternehmen.

Es gibt Betroffene, die sämtlichen Zahlungsaufforderungen hartnäckig widerstanden und bis heute nichts bezahlt haben. Bisher wurde uns kein Fall bekannt, in dem der Yachtmakler einen widerspenstigen Nichtzahler gerichtlich in Anspruch nahm. Allerdings hat sich ein Betroffener gemeldet, der den Streit beendete, indem er sich mit dem Yachtmakler auf eine geringere Abstandssumme verständigte.

Nach einer uns jüngst zugegangenen Lesermitteilung verwendet die Yachtmaklerfirma zwischenzeitlich einen geänderten Formularvertrag, nach dessen Wortlaut nicht nur die pauschale Aufwandsentschädigung für den Fall der auftraggeberseitigen Vertragskündigung, sondern auch die Provision zur Zahlung fällig sein soll, wenn der Auftraggeber das zu vermittelnde Boot selbst verkauft und den Fehler begeht, den Makler hierüber nicht unverzüglich zu informieren und ihm nicht innerhalb von zehn Tagen ab Verkauf eine Kopie des Kaufvertrags zu übersenden.

Ebenso wie die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Abrechnung der pauschalen Aufwandsentschädigung ist offenbar die Frage, ob sich die in der geschilderten Weise Betroffenen gegen das Vorgehen der Yachtmaklerfirma durch Geltendmachung des Unterlassungsanspruchs erfolgreich zur Wehr setzen können, bisher noch nicht gerichtlich beantwortet worden.

Dasselbe gilt für die Frage, ob das Vorgehen des Yachtmaklers gegen das Verbot des unlauteren Wettbewerbs verstößt. In jedem Fall unbeantwortet wird allerdings die Frage bleiben, ob es dem Yachtmakler gar nicht so sehr auf den Erfolg seiner Verkaufsbemühungen, als vielmehr auf die erfolgsunabhängige pauschale Aufwandsentschädigung ankommt.