Refit Refit

Werkstatt: Refit-Projekt

Nichts ist unmöglich

Erich Bogadtke am 02.11.2019

Die Abwrackwerft muss warten. BOOTE zeigt, was sich aus einem „alten Dampfer“ machen lässt. Teil 1: Bestandsaufnahme

Was tun, wenn der einst so stolze Flitzer ein Fall für die Intensivstation geworden ist, man aber an ihm hängt und kein anderes, neues Boot möchte? Die Lösung des Problems könnte "Refit" heißen.

Gemeint ist die Runderneuerung des Boots. Wer kein altes Liebhaberstück besitzt, aber gern eins hätte, findet auf dem Gebrauchtbootmarkt günstige renovierungsbedürftige Sportboote.

Unser "Vorzeigeobjekt", eine 6,15 Meter lange Conquest 1950 CC aus dem Baujahr 1992, steht bei Gründl Bootsimport in Bönningstedt in der vorletzten Reihe. Also knapp vor dem "Schiffsfriedhof". Zugegeben, sie ist schon etwas runtergekommen, aber das ist ja genau das, was wir suchen.

Fotostrecke: Refit

Wir wollen am Beispiel der altersschwachen Conquest zeigen, was aus vermeintlichen "Seelenverkäufern" werden kann. Dabei geht es diesmal nicht um möglichst preiswerte Do-it-yourself-Lösungen, sondern um die Möglichkeiten, die ein Profi hat, der sein Handwerk versteht und moderne Technik, Bauweisen und Material einsetzt.

Deshalb arbeiten wir bei diesem Projekt mit namhaften Firmen aus der Refit-Szene zusammen. Im Renovierungsprogramm stehen Rumpf- und Unterwasserschiff-Sanierung, ein Repowering (der Austausch von Motor und Antrieb) und der komplett neue Ausbau von Kabine und Cockpit. Das Motto "Tausche Alt gegen Neu" gilt auch für Fenster, Luken, Decksbeschläge, Elektrik und Elektronik.

Am Ende der Liste steht ein moderner Trailer.

Bislang nur als Video im BOOTE-TV zusehen, bringen wir das Refit-Projekt jetzt im Magazin als Serie in allen Einzelheiten "zu Papier". Vorteil: Der Seriencharakter bietet jedem die Möglichkeit, sich die für ihn interessanten Themen herauszusuchen.

Selbst wenn es wegen der hohen Kosten kaum jemanden geben wird, der das Renovierungsprogramm zu 100 Prozent realisieren will oder kann, liefert die Serie eine Menge Ideen, Tipps und Tricks zum Selbermachen.

Am Anfang unseres Refit-Projekts steht die Inventur.

"Einmal nackig machen und weitergucken", sagt Sven Walter vom Yachtbau-Spezialisten M. u. H. von der Linden.

Nackig machen heißt: Motor, Antrieb, Armaturen, Tank und Sitze werden ausgebaut. Die eingeklebten Teppiche landen, rausgerissen, gleich im Müll. Wie erwartet hält sich die Freude nach dem Striptease in Grenzen.

Spiegelplatte, Motorfundamente und Bodenkonstruktion sind total verrottet und müssen komplett erneuert werden. Das Gleiche gilt für die Wegerung (Seitenverkleidung), die Polsterauflagen und die Einrichtung der Schlupfkabine.

Bei den Technikern ist "Gefahr im Verzug". Es stinkt nach Benzin. Das heißt, Tank und Leitungen müssen auf den Prüfstand. Die Windschutzscheibe landet ungeprüft im Schrott. Ihre Nachfolgerin soll schick und modern und aus Kunststoff sein.

Otto Normalverbraucher würde jetzt wahrscheinlich das Handtuch werfen, wir machen weiter und zeigen in den nächsten Ausgaben von BOOTE, was und wie es geht.

Diesen Artikel lesen Sie in der Juni-Ausgabe 2019 vom BOOTE-Magazin. Hier erhältlich!

Erich Bogadtke am 02.11.2019