RevierporträtGran Canaria

Christian Tiedt

 · 02.03.2022

Revierporträt: Gran Canaria

Amarillo y Azul: Gelb und Blau sind die Farben Gran Canarias. Sie symbolisieren das gebirgige Landesinnere umgeben vom Ozean. Nicht nur für Skipper mit Fernweh ist die „Große“ unter den Kanarischen Inseln ein Sehnsuchtsziel

Schweden, Deutsche und Niederländer sieht man an den Stegen, Engländer und Polen. Viele Segler, dazwischen auch Motoryachten. Die Targa aus Finnland hatte den weitesten Weg. Es ist fast wie an der Ostsee. Aber eben nur fast. Denn die Blütenpracht aus Bougain­villea und Hibiskus rund um den Hafen hätte in nördlichen Gefilden keine Chance. Auch das tiefe Blau des Meeres passt nicht. Und dann die Temperatur: 22 Grad im Dezember – davon kann man in Travemünde nur träumen. Trotz der vertrauten Heimathäfen auf den Heckspiegeln ist der Leuchtturm Kiel 2000 Seemeilen entfernt, da dies nicht Port Olpenitz ist, sondern Puerto de Mogán, ganz im Süden Gran Canarias. Dass dennoch so überraschend viele Boote aus dem Norden Europas den Weg hierher gefunden haben – die kleineren wohl eher als Decksfracht oder auf dem Trailer –, liegt natürlich am Klima: zwölf Monate Sommer, unschlagbar. Und wenn es um Sehnsuchtsziele geht, gehören die Kanaren noch zu den realistischen Destinationen. Auf Skipper mit Fernweh ist man dort jedenfalls bestens vorbereitet, nicht nur in nautischer Hinsicht. Unser Revierporträt zeigt die vielen unterschied­lichen Gesichter Gran Canarias.

Die flächenmäßig größte und bevölkerungsreichste der Kanarischen Inseln ist Teneriffa, die längste Fuerteventura. Ganz vorn liegt Gran Canaria dafür beim Klima: rund vierzig Zonen werden unterschieden, von den exponierten Höhenlagen bis hinein in die barrancos, tief eingeschnittene Schluchten – ein Kontinent im Kleinen mit reicher heimischer Tier- und Pflanzenwelt, von der Osorio-Spitzmaus bis zur Kanarischen Kiefer, die selbst Brände übersteht.

Puerto Rico mit Yachthafen und Strand, beide durch Molen geschütztFoto: Christian Tiedt
Puerto Rico mit Yachthafen und Strand, beide durch Molen geschützt

DER NORDEN ist die grüne Seite Gran Canarias. Sie ist dem Passatwind zugewandt, der meist beständig aus Nordosten weht und neben angenehmen Temperaturen auch ausreichend Feuchtigkeit mit sich bringt. Davon zeugen die häufig in Nebel gehüllten Lorbeerwälder der höheren Lagen. Studien zufolge soll die Hauptstadt Las Palmas de Gran Canaria, die im Nordosten liegt, sogar über das beste Klima der Welt verfügen. Knapp 380 000 Menschen leben hier –sind beinahe doppelt so viele wie in der zweitgrößten Stadt der Kanaren, Santa Cruz auf Teneriffa.

Was den Verkehr über See angeht, ist Las Palmas der erste Anlaufpunkt im Archipel. Von hier verkehren nicht nur wöchentlich Fähren zum spanischen Festland, sondern auch zu den Nachbarinseln. Dazu kommen jährlich etwa eine Million Kreuzfahrtpassagiere. Der Flughafen ist über die Küstenautobahn GC-1 angebunden und in einer knappen halben Stunde zu erreichen. Vom Flair her treffen sich Europa und Mittelamerika in Las Palmas, moderne Großstadt und verwinkelte Altstadt. Ein Beispiel für die moderne Großstadt ist das erst vor vier Jahren eröffnete Meerwasseraquarium Poema del Mar nahe dem Fischerei­hafen. Es ist das größte Europas (www.poema-del-mar.com).www.poema-del-mar.com). Das historische Las Palmas findet man in den schattigen Gassen der Vegueta, des ältesten Viertels: die von Palmen flankierte Plaza de Santa Ana. An ihrer Stirnseite erhebt sich die gleichnamige Kathedrale, deren Bau bereits 1497 begonnen wurde. Mit der beliebten Playa de Las Canteras hat die Stadt zudem ihren eigenen Hausstrand.

Blick von Puerto de Mogán hinüber zur Nachbarinsel TeneriffaFoto: Christian Tiedt
Blick von Puerto de Mogán hinüber zur Nachbarinsel Teneriffa

Die Marina Las Palmas im Süden des Puerto de La Luz schließlich ist ebenfalls die größte der Kanaren: Bei mehr als 1300 Liegeplätzen (selbst Fünfzig-Meter-Yachten kommen hier unter) und einem Serviceangebot für alle denkbaren Dienstleistungen, überrascht es nicht, dass der Hafen auch in Etappenplänen für Atlantiküberquerungen eine wichtige Rolle spielt (www.marina.palmasport.es).www.marina.palmasport.es).

Ihre vulkanische Vergangenheit ist überall auf der Insel sichtbar, von der zerfurchten Küstenlinie bis hinauf zum 1956 Meter hohen Morro de la Agujereada. Der Roque Nublo ist eines der Wahrzeichen der Insel: Bei dem 65 Meter hohen Basaltfelsen handelt es sich um den Schlotpropfen eines ehemaligen Vulkans. Während das weichere Gestein des Kegels von Wind und Wetter abgetragen wurde, blieb der „Nebelfelsen“ stehen. Doch die erstarrten Formen täuschen: Unter der Kruste brodelt es noch immer. Zu welchen gewaltigen Verwerfungen die dort lauernden Kräfte fähig sind, zeigt vor allem die monumentale Steilküste im Nordwesten. Im Gebiet des Naturparks von Tamadaba erstreckt sie sich von Agaete bis Mirador del Balcón. Fast vergangen sind dagegen die Spuren der Ureinwohner Gran Canarias. Das archäologische Interpretationszentrum La Fortaleza ermöglicht jedoch einen spannenden Einblick in das Leben dieser Menschen (www.lafortaleza.es).www.lafortaleza.es).

Spektakuläre WestküsteFoto: Christian Tiedt
Spektakuläre Westküste

DER SÜDEN Gran Canarias, El Sur, bekommt von den Niederschlägen des Nordens nahezu nichts zu spüren. Wie eine Wand hält das gebirgige Landesinnere fast alle Feuchtigkeit ab. Umso trockener erstreckt sich die Landschaft. Die Calima verstärkt die Zustand noch. Dieser Wüstenwind weht zwar nur bei besonderen Wetterlagen aus Osten, geradewegs aus der Sahara heraus, bringt dann aber nicht nur Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius mit sich, sondern verdeckt den Himmel zudem hinter einem blassen Schleier aus Staub. Was den Tourismus betrifft, hat sich die geschützte Lage der Südküste jedoch als entscheidender Vorteil erwiesen. Bester Beweis sind die weißen Hotel- und Clubanlagen entlang der Sandstrände von Bahía Feliz, San Agustín und Playa del Inglés.

Doch es geht auch deutlich ruhiger – und nicht weniger einladend: Westlich der berühmten Dünen und des markanten Leuchtturms von Maspalomas wird die Küste zwar rauer, doch in den tief eingeschnittenen, bis zum Meer reichenden Tälern der barrancos und cañadas liegen weitere Orte, die besonders für Besucher auf eigenem Kiel keine Wünsche offen lassen. Denn wo früher die Fischer unter sich waren und ihre Boote in offenen Buchten direkt auf den Strand zogen, liegen heute Yachten aus aller Herren Länder an festen Stegen hinter sicheren Steinmolen.

Mit rund 530 Liegeplätzen in zwei Becken bietet Puerto Rico die größte von fünf Marinas in diesem gerade zwanzig Kilometer langen Küstenabschnitt. Gäste kommen im Puerto Base im östlichen Teil des Hafens unter. Der Service am Steg und an Land ist umfassend (www.grancanaria.com; Suche: haefen). Gleiches gilt für die Versorgung an Land: Ein Supermarkt befindet sich am Hafen, das moderne Einkaufszentrum Mogan Mall ist zu Fuß nur zehn Minuten entfernt. Puerto Rico ist zudem Ausgangspunkt für Fähr- und Ausflugsfahrten entlang der Küste, für Wassersportaktiväten sowie Delfin- und Walsafaris, etwa mit Spirit of the Sea (www.dolphin-whale.com/de)www.dolphin-whale.com/de). Wer einen mehrtägigen Aufenthalt plant und dafür an Land wohnen möchte, findet mit den Marina Suites eine Unterkunft mit Blick aufs eigene Boot (en.marinagrancanaria.com)en.marinagrancanaria.com).

Gediegene Clubatmosphäre herrscht dagegen in Pasito Blanco, dem ersten Hafen westlich von Maspalomas. Auch hier wird kompletter Service geboten, vom Strom am Steg über die Bootstankstelle bis hin zum 70-Tonnen-Travellift. 388 Plätze stehen zur Verfügung (www.grancanariablue.com/en/marinas)www.grancanariablue.com/en/marinas). Gleich nebenan liegt der 18-Loch-Golfplatz von Lopesan Meloneras, der auch Gästen offensteht (www.melonerasgolf.es)www.melonerasgolf.es). Hochseeangeln wird ebenfalls großgeschrieben. Je nach Saison kann man sich mit Bonito, Barracuda, Blue Fin und sogar Blue Marlin messen – notfalls im Fighting Chair (www.fishonbluemarlin.com/de).www.fishonbluemarlin.com/de).

Puerto de Mogán und die im Osten anschließende SteilküsteFoto: Christian Tiedt
Puerto de Mogán und die im Osten anschließende Steilküste

Der letzte Ort, bevor die Küste sich nach Norden wendet, weiter ansteigt und in den wilden Westen Gran Canarias übergeht, heißt Puerto de Mogán. Hoch aufragende Hotels sucht man hier vergebens im Stadtbild, der Charme eines Fischerdorfs wurde bewahrt, selbst wenn Urlauber auch hier den lukrativeren Fang ausmachen. Größtes Hotel ist das Cordial Mogán Playa, eine entspannte Anlage unter hohen Palmen (www.becordial.com/de/gran-canaria)www.becordial.com/de/gran-canaria). Dass das Viertel direkt am Hafen mit seinen rechtwinkligen Gassen und den blütenumrankten Fassaden aus den Achtzigerjahren stammt, würde man auf den ersten Blick nicht ahnen. Doch dieser Stil stimmt, weil man sich baulich an das alte Viertel angepasst hat, das sich nebenan am Hang des barranco emporzieht. Am Hafen gehört die erste Reihe den Bars und Restaurants, wie dem Casito Mediterraneo, wo mediterrane und kanarische Küche zusammenfinden. Hier sind es 246 Liegeplätze, die sich auf drei Schwimmstege, die Hafenmauer und die Moleninnenseite verteilen (www.grancanariablue.com/en/marinas)www.grancanariablue.com/en/marinas).

Der schönste Spot befindet sich jedoch außerhalb: Am Fischereihafen und steinigen Strand vorbei, kommt man zum Fuß der Klippen. Ein schmaler, ausgetretener Pfad führt eng am Fels entlang weiter zu einer natürlichen Terrasse. Besonders bei Sonnenuntergang ist hier viel los, Weinflaschen kreisen zu karibischen Beats. Es wird getanzt. Dunkel erhebt sich die Silhouette des Pico del Teide auf Teneriffa aus dem Ozean. Kurz streift der Blick die Nachbarinsel, bevor man sich wieder dem Abendrot zuwendet. Doch die Gedanken gehen weiter. An der tief stehenden Sonne vorbei reichen sie in die Ferne jenseits des Horizonts, über den Atlantik hinweg – zu neuen Ufern.

Noch mehr Informationen? Die Revierporträt “Amarillo y Azul” finden Sie mit weiteren Bildern und Serviceteil in BOOTE-Ausgabe 03/2022 – seit dem 16.02.2022 am Kiosk oder online im Delius Klasing-ShopDelius Klasing-Shop.

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