RevierporträtKoblenz – Treffpunkt am Rhein

Dieter Wanke

 · 01.10.2022

Revierporträt: Koblenz – Treffpunkt am RheinFoto: Dieter Wanke

Umsäumt von bedeutenden Wasserstraßen, ist das geschichtsträchtige Koblenz mit seiner wunderbaren Altstadt nicht nur bei Wassersportlern ein beliebtes Ziel

Wo die Mosel in den Rhein mündet, kamen die Menschen schon immer zusammen, deshalb gehört Koblenz zu den ältesten Städten Deutschlands. Schon in der Steinzeit gab es hier Siedlungen. Auch die Römer schlugen zur Sicherung der Wasserwege ihr Militärlager Castellum apud Confluentes hier auf. Die Wasserwege spielen mehr als 2000 Jahre später noch immer eine wichtige Rolle an einer der am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt ist auch die Freizeitschifffahrt ein bedeutender Faktor. Um Koblenz gibt es eine Vielzahl von Wassersportvereinen mit Steganlagen an Rhein und Mosel. Nur wenige Flusskilometer weiter gibt es in beide Richtungen mehr. Im Süden kann die Lahn erkundet werden, im Norden folgt der Yacht Club Vallendar. Ideal also für Wassersportler, die sich in der Region umsehen wollen und sich ein paar Tage Zeit nehmen, um auch die Stadt kennenzulernen. Besonders die Altstadt hat viel zu bieten. Egal ob Gastronomie, Museen, Ausstellungen oder Shopping, langweilig wird es in Koblenz so schnell nicht. Und eine Festung mit beeindruckender Historie gibt es im wahrsten Sinne obenauf.

Verlagssonderveröffentlichung

Impressionen aus Koblenz:

Der Vorplatz des Deutschen Ecks ragt in die beiden Gewässer

Die Festung

Allein die Lage sorgte für eine sehr bewegte Geschichte. Unübersehbar thront der Festungskomplex Ehrenbreitstein gegenüber der Moselmündung über der Stadt. Die Wurzeln des geschichtsträchtigen Militärgemäuers gehen auf eine Burg zurück, die um das Jahr 1000 entstand und im 16. Jahrhundert durch eine Befestigungsanlage ersetzt wurde. Die wurde 1801 von französischen Truppen gesprengt. Nachdem Friedrich Wilhelm III. 1815 die „Order zur Neubefestigung der Stadt Coblenz und der Festung Ehrenbreitstein“ gegeben hatte, entstand ab 1817 der aktuelle Bau für die Preußische Armee, der seit 2002 – wie viele andere Gebäude der Stadt – zum UNESCO-Welterbe gehört. Von hier wurde bis 1918 das Mittelrheintal gesichert. Die Festung galt nach ihrem Bau als uneinnehmbar und ist eine der größten Festungsanlagen Europas. Einen Besuch sollte man sich nicht entgehen lassen. Führungen mit unterschiedlichen Themen werden angeboten.

Wer sich eher für die atemberaubende Aussicht von dem 180 Meter hohen Standort von Koblenz interessiert, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Seit 2011, als hier auf dem angrenzenden Gelände die Bundesgartenschau stattfand, ist eine Seilbahn installiert, die das westliche Rheinufer mit der Anlage verbindet. Schon allein wegen des Ausblicks bei der Fahrt über den Rhein lohnt die Benutzung. Ein Kombiticket mit Eintritt in die Festung ist empfehlenswert, denn nur damit kommt man an die Aussichtsterrasse mit dem besten Blick über die Stadt. In dem Gebäudekomplex befindet sich auch das Landesmuseum Koblenz mit verschiedenen Ausstellungen.

Marinas und Charter

Freizeitkapitäne haben in Koblenz die Qual der Wahl, denn es gibt eine Vielzahl von Steganlagen im Bereich der Stadt. Die wohl bekannteste ist die Rhein-Marina Kaiser Wilhelm (www.rhein-marina.de) im Hafen Ehrenbreitstein bei Rheinkilometer 591,4 mit Blick auf die Moselmündung. Etwas flussaufwärts am linken Ufer bei Kilometer 589,2 befindet sich der Yacht Club Rheinlache Koblenz e. V. (www.yachtclubrheinlache.de), der ebenfalls über Liegeplätze für Gäste verfügt. Unmittelbar daneben dann noch der Wassersport-Club Koblenz e.V. mit Gastplätzen.

Für die weiteren Liegemöglichkeiten muss in die Mosel abgebogen werden, wo auch Kranen möglich ist. Hier warten an der Kurt-Schumacher-Brücke die Steganlagen des Segel- und Motor-Yacht-Club Koblenz e.V (www.smc-koblenz.de) und des Yacht-Club Rhein-Mosel e.V. (www.ycrm.de) auf Gäste. Unmittelbar danach folgt das Wassersportzentrum Grühn mit eigener Marina (www.wassersportzentrum.com). Hier gibt es kompletten Service und Gastplätze. Im Stadtteil Koblenz-Güls folgt dann noch der Bootservice Rörig GmbH (www.bootsservice-roerig.de) mit Vollservice und eigenem Hafen an der Mosel. Zwar ist der Weg in die Stadt etwas lang, der Hafen ist aber für Brettsportler interessant, denn hier befindet sich der Wasserski-Club-Koblenz e.V. (www.wasserskiclub-koblenz.de), der mit einer Ski Nautique 200 Wasserskifahrten anbietet. Auch Chartern ist möglich. Tomko-Yachtsport (www.tomko-yachtsport.de) bietet die Motoryacht „Suerte“, einen Stahlverdränger vom Typ Marvis 1060, ab Koblenz an.

Deutsches Eck, Rheinufer und Kurfürstliches Schloss

Ein Spaziergang an der anlässlich der Bundesgartenschau 2011 neu gestalteten Uferpromenade entlang des Rheins gehört zum Pflichtprogramm bei einem Besuch in Koblenz. Auch hier wandelt man auf geschichtsträchtigen Pfaden. Die größte Bedeutung hat wohl das Deutsche Eck an der Moselmündung. Die Namensgebung geht auf Ritter des Deutschen Ordens zurück.

Nach einer Schenkung Anfang des 13. Jahrhunderts, die einen Teil der Basilika St. Kastor betraf, die hier heute noch steht, ist die keilförmige Landzunge als Deutscher Ordt, später Deutsches Eck bekannt. Kaiser Wilhelm II. entschied 1891, hier seinem Großvater, dem verstorbenen Kaiser Wilhelm I., ein Denkmal für die Einigung Deutschlands zu errichten. Dazu wurde an der Moselmündung die heutige Landzunge samt Vorplatz und der aktuellen Uferpromenade aufgeschüttet. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde 1993 eine Rekonstruktion des Denkmals neu installiert. Ein Spaziergang entlang der Promenade führt am Deutschherrenhaus und an der Talstation der Seilbahn zur Festung am gegenüberliegenden Ufer vorbei.

Bald kommt auch das preußische Regierungsgebäude in Sicht, was ab 1902 entstand und heute als Sitz der Leitung des Beschaffungsamtes der Bundeswehr (BAAINBw) dient. Am Rheinufer steht hier das Pegelhaus, ein ehemaliger Kran aus dem 17. Jahrhundert, der ein Restaurant beherbergt. Es folgt das Ende des 18. Jahrhunderts vom Erzbischof und Kurfürsten von Trier erbaute Kurfürstliche Schloss, das nach kriegsbedingter Zerstörung Anfang der 1950er-Jahre wiederaufgebaut wurde. Im Rahmen der Bundesgartenschau wurden der Schlosspark und der Schlossgarten neu gestaltet. Wer nun eine Pause machen will, der kann sich im nachfolgenden Weindorf einen gastronomischen Stopp gönnen.

Die Fachwerkgebäude wurden 1925 zu einer Reichsausstellung errichtet, die dem deutschen Wein gewidmet war.

Gastliche Altstadt

Gastlichkeit wird auch in der Altstadt, die bis auf die Römerzeit zurückgeht, großgeschrieben. Die Befestigung wurde erst 1890 entfernt. Nach der Beseitigung schwerer Kriegsschäden strahlt der Stadtkern heute wieder im alten Glanz. Fünf Kirchen gibt es zu besichtigen, dazu überall Plätze mit Brunnenanlagen und zahlreichen Restaurants oder Straßencafés. Am nahen Münzplatz steht mit der barocken Alten Münze als einziges erhaltenes Gebäude aus dieser Zeit noch das Münzmeisterhaus der kurfürstlichen Münze.

Daneben der Florinsmarkt mit der Florinskirche aus dem 12. Jahrhundert. Bei dem mittelalterlichen Alten Kaufhaus und dem Schöffenhaus sowie dem barocken Bürresheimer Hof handelt es sich um Wiederaufbauten der im Krieg zerstörten Originale. Eine Ansammlung von Gebäuden mit markanten Erkern ist als Vier Türme bekannt. Drei davon wurden nach schwerer Beschädigung in den 1950ern und 1960ern rekonstruiert. Einzig das Haus von 1690 in der Marktstraße 1 ist noch erhalten. Belebt und mit zahlreicher Gastronomie versehen ist auch der Görresplatz mit seinem Brunnen und der Historiensäule, die die Geschichte der Stadt erzählt.

Kultur und Shopping

Ganz anders der Zentralplatz: Vor dem Zweiten Weltkrieg stand hier Fachwerk, das einem Luftangriff zum Opfer fiel. Historisch geht es nicht zu, moderne Architektur dominiert. Mit dem Forum Mittelrhein wurde am Zentralplatz 2013 ein Geschäftszentrum eröffnet, in dem sich auch das Forum Confluentes, ein Zentrum für Kunst und Kultur befindet, in dem das Mittelrhein-Museum und die Touristeninformation untergebracht sind. Im Museum zeigt eine Dauerausstellung Gemälde und Skulpturen vom Mittelalter bis zu zeitgenössischer Kunst. Außerdem gibt es regelmäßig Sonderausstellungen mit wechselnden Themen. Der Besuch in Koblenz hat also viele Facetten und bleibt selbst beim mehrtägigen Aufenthalt sehr abwechslungsreich.

Revierinfos

Das Revier

Entsprechend der SpFV aus dem Jahr 2017 darf der Rhein nur mit Motorisierungen bis 3,68 KW (5 PS) ohne Führerschein befahren werden. Auf der Mosel sind dagegen bis 11,03 kW (15 PS) erlaubt. Für Boote mit stärkeren Motorisierungen ist der Sportbootführerschein Binnen erforderlich. Rhein und Mosel sind stark von der Berufsschifffahrt genutzte Gewässer, zudem gibt es in Koblenz eine Vielzahl von Ausflugsschiffen, deshalb gilt besondere Vorsicht.

Navigation

Die Navigation ist bei Tag und Nacht unproblematisch. Die Fahrwasser sind betonnt und befeuert. Die Uferzonen sind gut beleuchtet. Die Strömung muss bei beiden Gewässern beachtet werden.

Nautische Literatur

Revierführer: „Der Rhein, Vom Rheinfall bis zur Nordsee und zum IJsselmeer“. Von Manfred Fenzl. 208 S., 289 Fotos und Abb., gebunden, Format 21,6 x 30,3 cm; 59,90 Euro. ISBN 978-3-667-12160-8. www.delius-klasing.de

Meistgelesene Artikel