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Abenteuer: Pogo Loxo 32

Viking Saga

Christian Tiedt am 09.10.2018

Zwei Motorboote und zweitausend Seemeilen auf den Spuren der Wikinger. Ein modernes Abenteuer – und der Traum eines Mannes

Fotostrecke: Viking Saga 32

Bernard Deguys gegerbtes Gesicht ist voller Geschichten. Mit klarem Blick erzählt es von Stürmen, Eis und der sengenden Sonne auf hoher See. Und wenn es schweigt, ist es ein wissendes Schweigen, begleitet von einem Lächeln. Doch es gibt viel zu erzählen: Von der ersten Whitbread-Regatta um die Welt etwa, bei der Bernard 1973 zur Crew seines Landsmannes, des Ausnahmeseglers, Éric Tabarly gehörte – und die mit einem Mastbruch endete.

Oder von seinem zweiten Versuch, diesmal auf seiner eigenen Rennyacht "Neptune", bei dem er als achtbarer achter von fünfzehn Startern nach 130 Tagen und 27 000 Seemeilen ins Ziel kam.

Mehr als dreißig Mal hat der gebürtige Bretone bislang den Atlantik überquert, lange als Kapitän für den legendären Meeresforscher und Filmemacher Jacques-Yves Cousteau gearbeitet und danach für Paul Watson, den kanadischen Umweltaktivisten, dessen Organisation "Sea Shepherd" sich mit dem kompromisslosen Kampf gegen den Walfang einen Namen gemacht hat. Jahrzehnte lang, ein ganzes Leben lang hat Bernard Deguy gemacht, wovon andere Menschen nur träumen. Doch einen großen Traum hat auch er noch – und der wird gerade Wirklichkeit.

Lerwick, das Zentrum Shetlands, ist eine Stadt aus grauem Stein. Auf einer felsigen Landspitze ragt sie in den schmalen Sund hinaus, der sie von der gegenüberliegenden Insel Brassey trennt. Kahle, windgeschliffene Hänge rahmen den Sichtkreis ein. Das kurze Grün krallt sich am Boden fest. Was hier wächst, kommt selten aus der Deckung. Für die wandernden Wettersysteme des Nordatlantiks ist Shetland noch nicht einmal ein Stolperstein. Man kann sich nur zu gut vorstellen, wie es hier aussieht, wenn der Himmel im Winter wie eine rissige Betondecke über den Inseln hängt und jeden Augenblick einzustürzen droht. Und doch ist jetzt alles anders: 

Es ist Mitte Mai und die Einheimischen müssen lange überlegen, bis ihnen ein Jahr einfällt, in dem sich ein Sommer ähnlich strahlend angekündigt hat: Seit Wochen schon scheint die Sonne über der Inselgruppe. 

Die Passagiere des Kreuzfahrtschiffes draußen auf dem Sund posieren zwischen den alten Kanonen von Fort Charlotte für Selfies und halten am Strand hinter dem "Queen’s Hotel" die Zehen ins Wasser. Eine Sattelrobbe, die es aus kälteren Gefilden hierher verschlagen hat, sonnt sich auf der gepflasterten Slipbahn an der Victoria Pier. Beste Bedingungen für "Seefahrer" jeder Art.

Der kommunale Gästesteg gleich daneben ist zur Hälfte belegt. Zwischen einigen norwegischen Segelyachten sorgen zwei ungewöhnliche, nur knapp zehn Meter lange Motorboote im Päckchen für Aufmerksamkeit. Ihre flache Keilform mit dem breiten, geraden Heckspiegel und dem niedrigen Deckshaus erinnert nämlich eher an moderne Segelyachten, an schnelle Performance Cruiser, die auf Leistung und Funktionalität statt auf Komfort getrimmt sind.

Nur, dass jemand vergessen zu haben scheint, Masten und Rigg aufzustellen. "Dromy" und "Lipsi" heißt das Duo mit der französischen Trikolore am Heck.

Verglichen mit dem robusten Seenotrettungsboot an seiner seegrasbewachsenen Muring, den rostgezeichneten Trawlern vor der Fischfabrik oder selbst den hochbordigen Seglern mit dem trocknenden Ölzeug über der Reling, wirken die zwei Franzosen puristisch, leicht und kaum für die raue Witterung und die kalten Gewässer dieser Breiten geschaffen. Und dennoch strahlt der Entwurf eine versteckte Athletik aus. Eine Fitness für besondere Herausforderungen.

Diese Vermutung hat auch ein bärtiger Kerl, kaum dreißig Jahre alt, von einer Ketsch aus Ålesund ganz vorne am Steg. Er kommt vorbei, um sich die beiden baugleichen Motorboote genauer anzusehen, die so gar nicht hierher zu passen scheinen. "Loxo 32" liest er am scharfen Bug. Fünf Personen, eine Frau und vier Männer, alle im besten Alter, sitzen mit dampfenden Kaffeebechern im Cockpit des innenliegenden Bootes. In ihrer Mitte: Bernard Deguy.

Die vollständige Reportage lesen Sie in der November-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 17.10.18 am Kiosk gibt – Abonnenten natürlich schon eher. Oder Sie laden sich das PDF zum Test weiter unten herunter. 

Christian Tiedt am 09.10.2018