Cap San Marco Cap San Marco

Abenteuer: Reise mit dem Containerschiff

Eine Fahrt fürs Leben

Phillip Gätz am 09.10.2020

Für Phillip Gätz erfüllt sich ein Kindheitstraum: An Bord eines gigantischen Containerfrachters überquert er den Atlantik. Ein Erlebnis mit bleibenden Erinnerungen

Die Autobahn windet sich aus dem Elbtunnel hinaus, mitten hinein in den Hamburger Hafen. Hier schlägt sein Herz, auch heute im Starkregen. Rechts die Ausfahrt nach Waltershof. Unser Ziel ist das Eurogate Terminal mit seiner Skyline aus Verladebrücken. Hoch aufgetürmte Container bilden eigene Straßenschluchten, eine Stadt in der Stadt. Dahinter ragt eine rote Wand auf: das Schiff. "Ist die riesig", sage ich nur und fühle gewaltigen Respekt. Noch nie habe ich etwas so Großes und Eindrucksvolles aus der Nähe gesehen wie die "Cap San Marco", 333 Meter lang, einer der Giganten in der Flotte der Hamburg Süd.

Cap San Marco

Nach der Vorlage aller notwendigen Papiere – und das sind viele – geht es per Shuttlebus zur Gangway. In zig Taschen habe ich 50 Kilo Foto-Equipment für meine Aufgabe und dazu Klamotten für alle Fälle dabei – schließlich werde ich in vier Wochen fast vier Jahreszeiten erleben. Jetzt fehlen nur noch 72 steile Stufen. Hilfe wird mir angeboten, doch ich will es allein schaffen. Oben angekommen, zittern die Knie, auch vor Aufregung. Jetzt, im September 2019, geht nach sieben langen Monaten voller Kampf und Krampf für die Erfüllung dieses Traums plötzlich alles so schnell, vielleicht zu schnell.

Ein wachhabender Kadett springt herbei: "Sir, let me help. Are you visiting?" Ich stehe noch neben mir und nicke nur. Doch meine Begleiter passen besser auf: "Nein, der bleibt an Bord. Er fährt mit." Freude ringsum: Ein neues Gesicht auf einem monatelangen Törn ist immer gern gesehen. Ich kann die Eindrücke noch gar nicht greifen, da nimmt mir ein anderes Besatzungsmitglied meine Taschen ab und verfrachtet sie drei Schotts weiter in einen Fahrstuhl, dazu mich und meine Entourage von der Hamburg Süd. Ich glaube mich im Aufbau zu befinden. "Hallo", sagt mein Helfer jetzt, "ich bin Holger, wir bringen dich mal auf Station."

Cap San Marco

Es wird ein Schlüsselmoment, denn Holger, dessen Overall schwere Arbeitsspuren trägt und amtlich nach Öl riecht, ist nicht nur unwesentlich jünger als ich, sondern auch Zweiter Offizier. Ich habe als Kind mit meinen Großeltern wohl zu viel "Traumschiff" gesehen und war sicher, dass eine weiße Sascha-Hehn-Gedächtnis-Uniform bei solcher Dienststellung Pflicht ist, immer. Ich erhalte die Eignerkabine. Von Anfang bis Ende der Reise in Südamerika. Genau genommen lautet das Ziel Buenos Aires, Argentinien. Die Kabine ist frei, kein Eigner in Sicht. Eine Unterkunft, so weiträumig wie eine Hotel­suite im Las Vegas der wilden Neunziger. Nur: kein Luxus hier, eher zweckmäßiger Charme. Fehlen nur noch Siegfried und Roy für die große Show. Die beiden lerne ich aber später kennen, in Person des Kapitäns und des Chefingenieurs, sowie alle übrigen "Macher" meiner Traumwerkstatt.

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Phillip Gätz am 09.10.2020
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