Vom Schreibtisch ins Abenteuer Vom Schreibtisch ins Abenteuer

Abenteuer: Vänern / Schweden

Vom Schreibtisch ins Abenteuer

Christian Tiedt am 13.11.2018

Wenn man immer wieder über etwas redet, muss man es irgendwann machen – auch wenn der Weg dorthin 800 Kilometer lang ist

Der Flur liegt still und dunkel da. Die Anderen sind schon auf dem Weg nach Hause, ein entspanntes Wochenende vor Augen. Der Letzte – ein Kollege von der YACHT, deren Büros am anderen Ende des Korridors liegen – hat das Licht ausgemacht. Dass ich noch an meinem Schreibtisch sitze, ist ihm entgangen. Kein Wunder.

Das Geklapper meiner Tastatur ist schon verstummt. Mein Blick fällt auf die pralle, wasserdichte Reisetasche neben der Tür. Von den wichtigen Sachen habe ich nichts vergessen: Schlafsack, Isomatte, warme Kleidung zum Wechseln.

Hier bei uns ist es für Mitte Mai zwar schon recht warm, aber wer weiß, wie es am Ziel aussieht? Neben der Tasche stehen der olivgrüne Beutel mit dem Zweimann-Zelt und eine der Transporttonnen, die uns schon oft begleitet haben. Darin verbergen sich unter einem Knäuel Spannbänder das Erste-Hilfe-Päckchen, Motoröl, eine Ersatzkartusche für den Gaskocher, der Wechselpropeller, Zündkerzen und jede Menge weitere Gegenstände, die nützlich sein könnten. Da summt mein Telefon: Morten ist dran. Auf die Minute pünktlich steht er unten vor der Tür: "Na, bist du bereit?", fragt er. Unweigerlich muss ich grinsen. Und wie!

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FREITAG, 15.00 UHR

Was wir an diesem Wochenende vorhaben, hat mit Entspannung nicht allzu viel zu tun: Wir wollen mit dem Boot vom Schreibtisch ins Abenteuer. Ans Lagerfeuer. Und das nicht auf irgendeinem Campingplatz an der Mecklenburgischen Seenplatte oder auf einer Sandbank in der Unterelbe. Nein, wir haben eine kleine Insel im Sinn, in echter Einsamkeit – genauer gesagt auf dem Vänern, dem drittgrößten See Europas. Der liegt zwar im Süden Schwedens, aber trotzdem noch immer satte 800 Kilometer von Hamburg entfernt. Wie einmal München und zurück, nur mit Iglu- statt Bierzelt.

Zu schaffen ist das gerade so, hoffen wir zumindest. Wenn alles klappt, werden wir immerhin einen knappen Tag im Schärengarten haben. Rastlose Rennerei für ein paar Stunden völliger Ruhe. Ist das die Formel unserer Zeit?

Wir jedenfalls haben in den vergangenen Jahren so oft über diese eigentlich abwegige Idee gesprochen, dass sie irgendwann ihre eigene Dynamik entwickelt und sich zu einem konkreten Vorsatz verfestigt hat. Nun ist die Gelegenheit da – wir wollen sie nicht verpassen.

Unser Sharan wartet in der Tiefgarage. Schon am frühen Morgen haben wir das zusammengerollte Schlauchboot samt Außenborder eingeladen, um jetzt Zeit zu sparen. Draußen biegen wir rechts ab zum Gänsemarkt. "Auf Ihrer Route gibt es Fährstrecken", flötet das Navi. Ankunftszeit: 23.55 Uhr. An der Alster vorbei, durch den Wallringtunnel und die trostlos versiegelte Häuserschlucht der Nordkanalstraße. Eine Hochzeitsgesellschaft brettert hupend vorbei. Das wird eine Feier! Und der Himmel über der Stadt ist so blau wie die Schilder, denen wir zur "A1" Richtung Lübeck folgen.

FREITAG, 17.10 UHR

In langer Karawane rollen wir über die gewundene Zufahrtsrampe in den dunklen Bauch der "Schleswig-Holstein". Wir haben Glück gehabt: Obwohl wir kurz vor Fehmarn noch den Tank vollgemacht haben, liegen wir gut in der Zeit ...

Die vollständige Reportage lesen Sie in der Dezember-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 14.11.18 am Kiosk gibt – Abonnenten natürlich schon eher. Oder Sie laden sich das PDF weiter unten herunter. 

Christian Tiedt am 13.11.2018