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Abenteuer

Ein Stück vom Paradies

Christian Tiedt / PlanetSolar am 26.03.2011

„Turanor PlanetSolar“ ist in der Südsee angekommen: Nach den Marquesas-Inseln erreichte der Solarkatamaran am vergangenen Dienstag Tahiti.

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Sonnenuntergang im Humboldt Strom. „Turanor PlanetSolar“ auf dem Weg von Galapagos zu den Marquesas.

Über diesen Reiseabschnitt von „Turanor PlanetSolar“ – den längsten, den jemals ein Solarfahrzeug zurückgelegt hat – berichten von Bord Projektgründer Raphaël Domjan und Skipper Patrick Marchesseau: 

„Nach Verlassen der Galápagos Inseln am Morgen des 7. Februar 2011 sind wir zunächst entlang der Küste der Insel Isabella gefahren, ehe wir Tortuga passiert haben mit seiner Vulkanlandschaft, die zur Hälfte unter Wasser liegt. Es war großartig. Während der ersten Tage war das Wetter ausgezeichnet, das Meer spiegelglatt. An den ersten beiden Tagen nach dem Ablegen haben wir sogar noch Fischer getroffen, die wie aus dem Nirgendwo in den blauen Weiten des Pazifischen Ozeans auftauchten.“

Fotostrecke: „Turanor PlanetSolar“ in Polynesien

„Am Ende der ersten Woche verschlechterten sich die Navigationsbedingungen. Aber ab der zweiten Woche war uns der Pazifik wieder wohl gesonnen und hat uns westwärts in Richtung Polynesien getragen. Mit Hilfe des Humboldt-Stromes und der Passatwinde aus östlicher Richtung kamen wir den Marquesas immer näher. Kaum zu glauben, aber während der Reise erreichten wir die bemerkenswerte Durchschnittsgeschwindigkeit von über fünf Knoten.“

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Der Katamaran hat einen ferngesteuerten „Bordhubschrauber“ mit Mini-HD-Kamera dabei. Windstille im Pazifik macht den Start während der Fahrt möglich.

„Wir sind mittlerweile auch das solarbetriebene Fahrzeug mit der größten zurückgelegten Strecke.  Seit 2004 war der Rekord vom Midnight Sun Team gehalten worden, das mit einem Solarauto eine Strecke von 15,070 km von den USA nach Kanada gefahren war. Wir haben seit Monaco schon mehr als 20,000 km zurück gelegt. Am 3. März 2011 kurz vor Sonnenuntergang war dann endlich wieder Land in Sicht. Am nächsten Morgen kamen wir nach 25 Tagen auf See in Französisch-Polynesien an.“

Der Landfall erfolgte wie geplant in der Inselgruppe der Marquesas. Neben der Hauptinsel Nuku Hiva lief der schweizer Katamaran in den folgenden Tagen auch die benachbarten Inseln des Archipels an – und die internationale Crew konnte die ersten paradiesischen Eindrücke sammeln.

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Der Katamaran in Cook's Bay auf Moorea. Am nächsten Tag ging es weiter nach Papeete auf Tahiti.

„Auf unserem Weg nach Moorea kommen wir am Tetiaroa Atoll vorbei. Während der Dreharbeiten zu “Meuterei auf der Bounty” im Jahr 1960 hat Marlon Brando dieses etwa sechs Quadratkilometer große Kleinod entdeckt. Dreizehn Inselchen mit üppiger Vegetation verteilen sich entlang eines Korallengürtels. Viele Seevögel wie zum Beispiel Fregattvögel und Brauntölpel haben hier ihre Nistplätze. 1967 erhielt Marlon Brando von der Regierung Polynesiens eine für 99 Jahre gültige Privatkonzessien für das Atoll, das seine Ursprünglichkeit und natürliche Schönheit bewahrt hat.

Als bei Sonnenuntergang nur noch einige Meilen vor uns liegen, sehen wir backbord die Umrisse von Tahiti. Und vor uns, unter weißen Wolken, die wie aus Watte aussehen, sehen wir die steilen Hügel der Insel Moorea, wo wir abends anlegen. Vor etwa 250 Jahren dürfte sich großen Entdeckern wie Bougainville oder Cook die gleiche bergige Kulisse am Horizont gezeigt haben, die wir heute Abend sehen.“

Nach einen weiteren Zwischenstopp auf Moorea wurde am vergangenen Dienstag dann schließlich Tahiti erreicht. In Papeete, der Hauptstadt Französisch Polynesiens, machte „Turanor PlanetSolar“ für einen mehrtägigen Aufenthalt fest. Die Zeit wurde genutzt, um die Weiterfahrt nach Tonga vorzubereiten – mit Reinigungsarbeiten am Rumpf, Austausch der Anoden und einer Überprüfung der Antriebe. Außerdem war der Katamaran Ehrengast auf der ersten Tahiti Boat Show. Ende April möchte die Crew dann in Neukaledonien sein, bevor es auf der Rekordweltreise weiter nach Australien geht.

Christian Tiedt / PlanetSolar am 26.03.2011