Die Lastesel der LagunenstadtFoto: Johnny Bürck

Die Lastesel der Lagunenstadt

Johnny Buerck  

29.2.2008, Lesezeit: 2 Minuten

In Venedig werden die alten Wassertaxis - kleine, elegante und komfortable Motoryachten aus Mahagoni zum Personentransport - wieder entdeckt. Im historischen Zentrum der Stadt baut und restauriert man in dritter Generation diese schmucken kleinen Boote. Für Interessierte stehen die Türen der kleinen Werft offen.

Hunderte von Wassertaxis befahren Tag und Nacht Venedigs Kanäle und Lagune. Komfort, Eleganz und Schnelligkeit der kleinen Motoryachten sind legendär. Besonders alte Vollholzexemplare sind für Bootsliebhaber eine Augenweide. Vor einigen Jahren durch GFK-Boote noch fast zum Aussterben verurteilt, erleben die schmucken Mahagoni-Schönheiten derzeit sowohl bei Restaurierungen als auch Neubauten eine Renaissance.

Wer mehr über alte venezianische Wassertaxis erfahren will, muss zu Pietro Cucchini auf die unmittelbar ans historischeZentrum angrenzende Insel San Giorgio. Dort baut man seit 1919 kleine „Lance“ genannte Sportboote zum Personentransport. „Mein Großvater Antonio, der vorher große Lastkähne gebaut hatte, war nach dem Ersten Weltkrieg einer der Ersten, die in Venedig damit anfingen“, sagt sein Enkel Pietro Cucchini, der die Werft heute in dritter Generation führt. Über eine alte Holzbrücke, vorbei an uralten Konventmauern, die das ganze Werftgelände umschließen, gelangt man an eine mächtige Holztür. Hier muss der Neugierige lange klopfen, bevor er eingelassen wird. Dann steht der Besucher in einer lärmerfüllten, lang gestreckten Halle inmitten einer ganzen Armada aufgebockter alter Holzboote, alles Wassertaxis.

An ihnen wird geschliffen, poliert und repariert. Vor der Werft liegen die schon fertiggestellten Boote, Pfahl an Pfahl. Die langen Rümpfe sind aus achtfach lasiertem Bootsbausperrholz. Ihre Maserungen rufen Lichtspiele auf dem milchiggrünen Wasser des Canale di San Pietro hervor und bezaubern den Betrachter durch ihre einzigartigen Formen.

Besonders markant bei den zwischen 8,50 m bis 9,50 m langen und 2,05 m bis 2,35 m breiten Booten: der lange Strak des flachen Kajütdaches und das separierte Fahrercockpit. Aus diesen Formen lasse sich sehr schön die Entwicklungsgeschichte der Boote ableiten, versichert der Werftchef.

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