Reise: Mitteldalmatien / Kroatien - Sieben Tage EinsamkeitFoto: Bodo Müller

Reise: Mitteldalmatien / Kroatien - Sieben Tage Einsamkeit

 

15.7.2021, Lesezeit: 7 Minuten

Kroatien in Zeiten von Corona. Während einer Charterwoche in Mitteldalmatien umschifften wir alle Städte und entdeckten eine einsame und schöne Küste

In der ACI Marina Trogir übernehmen wir an der Basis von Blue Nautica unser Charterboot. Das junge Unternehmen vermietet nicht nur Motorboote, sondern bietet auch allen Service rund ums Tauchen an und betreibt in der drei Meilen entfernten Bucht Jelinak eine eigene Tauchstation. Zugleich ist Blue Nautica ein gefragtes Unternehmen als
Rescue Diver, das in der Lage ist, Boote und Schiffe aus bis zu 100 Meter Tiefe zu bergen. Wir haben vom ersten Moment an das Gefühl, dass hier Menschen am Werk sind, die bestens mit dem Meer vertraut sind.

  MitteldalmatienFoto: Bodo Müller
Mitteldalmatien
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Mitteldalmatien

Unser Charterboot, eine Jeanneau Leader 36, ist zwei Jahre jung, sieht aus wie neu und ist technisch im Eins-a-Zustand. Der Himmel strahlt stahlblau, die Quecksilbersäule zeigt 33 Grad, und es weht ein leichter Maestral, der Schönwetterwind an der Adria. Und es soll in den nächsten Tagen so bleiben. Traumhafte Bedingungen für einen Chartertörn auf der Adria.

Noch mehr Informationen? Die Reisereportage über Mitteldalmatien mit vielen weiteren Bildern und Serviceteil finden Sie in BOOTE-Ausgabe 08/2021 seit dem 14.07.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Anfang September ist noch Hochsaison in Kroatien. In der Marina sind die Stege viel voller als üblich zu dieser Zeit. Vor allem viele Segelyachten großer Charterfirmen, die in der Saison normalerweise unterwegs sind, liegen im Hafen. Corona hat sichtbare Auswirkungen auf die Charterbranche an der Adria. Doch die Kroaten sind entspannt und freundlich wie immer. An das Masketragen beim Einkaufen hat man sich gewöhnt. Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Die Außengastronomie – im Sommer sitzt man in Kroatien immer außen – hat geöffnet, der Wein schmeckt, und die Sonne scheint. Was will man mehr?

Unsere Törnplanung ist noch sehr vage. Klar, spielen dabei die Corona-Infektionszahlen eine Rolle. In Kroatien sind vor allem die Großstädte betroffen. Doch wie sieht es auf den Inseln aus? Wie ist die Situation in solch zauberhaften alten Städten wie Milna, Hvar oder Stari Grad? Dorthin reisen Touristen aus der ganzen Welt. Kann man dort sicher vor dem Virus sein?

Wir bitten Firmenchef Joško um Rat. Der überlegt kurz, steht auf und geht in seine Basis. Schwer tragend kommt er zurück. "Ich gebe euch zweimal eine komplette Tauchausrüstung mit. Schnorchel, Masken und Flossen sind sowieso an Bord." Augenzwinkernd sagt Joško: "Unter Wasser gibt es kein Corona." "Wohin sollen wir fahren?" "Wenn ihr ganz sicher sein wollt, meidet alle Städte. Sucht euch einsamste Buchten. Rund um Brač und an der Nordküste von Hvar gibt es Hunderte davon. Viele sind unbewohnt, in manchen leben Einsiedler. Da gibt es kein Corona."

Wir kaufen im Mini-Markt der ACI Marina für eine Woche ein. Es ist nur unwesentlich teurer als in einem großen Supermarkt, dafür können wir die Einkaufswagen bis ans Boot schieben. Frisches Obst und Gemüse holen wir vom nahen Wochenmarkt am nördlichen Rand der Altstadt. Hier sieht es aus wie immer, nur kaufen relativ wenige Ausländer ein. Man erkennt sie an den Masken.

Mit 550 Litern Diesel im Tank sind wir für die Woche gut gerüstet. Nur der Frischwassertank ist mit 160 Litern nicht besonders üppig dimensioniert. Klein dimensionierte Frischwassertanks sind typisch für viele französische Boote, weil man dort üblicherweise am Abend wieder zum eigenen Liegeplatz zurückfährt. Aber das sollte in Kroatien kein Problem sein.

Bei traumhaftem Wetter und gut gerüstet beginnen wir unseren Törn in sieben Tage Einsamkeit. Wir lassen Trogir achteraus und steuern dann in Richtung Südosten zum Kap Gomilica an der Nordwestspitze der Insel Brač. Etwa eine Meile südlich des Kaps liegt die Bucht Stipanska, wo zum ersten Mal das Eisen fällt. Entlang der Nordküste von Brač steuern wir nach Osten, lassen konsequent alle Städte aus und entdecken viele einsame und wunderschöne Buchten. Leider ist nach zwei Tagen unser Frischwassertank fast leer. Um nicht in einen Stadthafen fahren zu müssen, steuern wir die Gemeinde Mimice an der Festlandküste an. Dort liegen nur wenige lokale Fischerboote und an der kurzen Mole ein kleines Ausflugsschiff. Wir gehen längsseits. Auf der Mole springen Jugendliche ins Wasser und spülen sich hinterher mit einem Wasserschlauch an einem öffentlichen Hahn ab. Der Kapitän des Ausflugsschiffs hilft, den Schlauch zu verlängern, bis er zu unserem Boot reicht.

Mit vollem Wassertank setzen wir unseren Törn rund um Brač fort, runden Kap Lašćatna und entdecken auf engstem Raum etliche malerische Ankerbuchten, eine schöner als die andere. Entlang der Nordküste von Hvar steuern wir zur Insel Sveti Klement, um in der ACI Marina Palmižana noch einmal Wasser zu bunkern. Von der Bucht Soline treten wir die Heimreise nach Trogir an. Sieben Tage Einsamkeit war einer der schönsten Kroatien-Törns, den wir erlebt haben.

  MitteldalmatienFoto: Bodo Müller
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Stipanska: Die beliebte Ankerbucht im Nordwesten der Insel Brač bietet guten Schutz vor allen Winden. Wenn mehrere Boote hier ankern, sollte man eine Landfeste ausbringen. Eine Konoba gibt es bisher noch nicht.

Lovrečina: Den Strand haben wir fast für uns allein. Die Bucht Lovrečina liegt an der Nordküste von Brač zwischen Postira und Pučišća. Am Ufer stehen die Reste der Basilika zum heiligen Laurentius aus dem 5. Jahrhundert. Wenige Schritte sind es vom Strand zum Restaurant namens Lovrečina.

Konopjikova: Wo früher weißer Stein gebrochen und verschifft wurde, ist ein kleines Paradies geblieben. Die Bucht Konopjikova liegt eine Seemeile östlich von Lovrečina. Zwischen den eins­tigen Verladebrücken ankert man auf 3,5 m Wassertiefe.

Mimice: Der winzige Fischerhafen liegt an der Festlandküste. Es gibt keine Gastplätze, aber an der Badestelle am Molenkopf kann man gratis Wasser bunkern, dazu einfach am Ausflugsschiff längsseits gehen.

Luka: Die größte Bucht auf Brač schneidet tief ins Land hinein und bietet Schutz bei jedem Wetter. Am westlichen Ende liegen die Konobas Pipo und Rojen und bieten exzellente regionale Küche.

Rasotica: Der tief eingeschnittene Fjord liegt am östlichen Ende von Brač, unterhalb des Kaps Lašćatna. Es gibt keine Infrastruktur und keinen Service. Wer hier das Eisen fallen lässt, hat Einsamkeitgebucht. Bei Jugo rollt Schwell in die Bucht und man sollte sie verlassen.

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Studena: Die Bucht liegt knapp 2 sm südwestlich von Sumartin und ist ein beliebter Tagesankerplatz zum Schwimmen und Schnorcheln. Bei südlichen Winden oder Seegang bietet sie keinen Schutz. Am Ufer gibt es eine im Sommer bewohnte Einsiedelei, jedoch keine Konoba.

Špiljice: Malerische Bucht an der Südküste von Brač, etwa 2 sm westlich von Studena. Einsamer Sandstrand mit kristallklarem Wasser. Das Steinhaus auf dem westlichen Kap der Bucht ist ein Sommerhaus, keine Konoba. Kein Schutz bei südlichen Winden und Seegang.

Hrvaska: Einer der schönsten Plätze an der Südküste von Brač. In der Konoba Vala Hrvaska gibt es frischen Fang und Agrarprodukte aus ökologischem Anbau. Fünf Muringplätze für kleine Boote sowie drei Bojen für Yachten. In der Saison reservieren: Tel.+385-91-931 5241.

Mala Stiniva: Zweiarmige Bucht an der Nordküste der Insel Hvar. Der westliche Arm (Foto) ist pittoresk anzusehen, bietet aber zu wenig Raum zum Ankern und keine Möglichkeit zum Anlegen. Gut ankern kann man im östlichen Arm, außer bei nördlichen Winden.

Žukova: Sehr geschützte und malerische Bucht an der Nordküste der Insel Hvar. Auf dem Sandgrund hält der Anker gut. Am Ufer stehen wenige alte Steinhäuser, die im Sommer teilweise bewohnt sind. Eine Konoba gibt es aber nicht.Genießen Sie die unglaubliche Stille und Einsamkeit!

Palmižana: Die wenig belegte ACI Marina Palmižana bleibt achteraus. Hier lagen wir eine Nacht, um Wasser zu bunkern und um unseren Akkus wieder eine Steckdose zu gönnen. Ein Abend im Top-Restaurant Palmižana Meneghello gehörte auch dazu.

Soline: Westlich der Insel Hvar erstreckt sich der Archipel Sveti Klement mit unzähligen Buchten. Zu den schönsten zählt die Luka Soline, wo man ankern oder an Bojen festmachen kann. Von hier sind es nur wenige Schritte zu den Restaurants Paradiso, Fishermans House und Dionis. An der Bucht Vlaka im Norden liegt das hervorragende Weingut Colnago.