Revier: Frankreich - Die AlabasterküsteFoto: Dieter Wanke

Revier: Frankreich - Die Alabasterküste

 

21.8.2020, Lesezeit: 6 Minuten

Weiße Magie: Auf 65 Meilen von Le Havre bis Le Tréport säumen die Kreidefelsen der Côte d’Albâtre das französische Ufer des Ärmelkanals

Während die weißen Klippen von Dover, die englischen Küstenstädte Brighton, Portsmouth und Southampton oder die westlich davon gelegene Jurassic Coast sich großer Bekanntheit erfreuen, fristet die nur 50 bis 100 Seemeilen südlich gelegene Alabasterküste an der französischen Flanke des Ärmelkanals ein eher beschauliches Dasein.

Häfen wie Le Tréport oder Fécamp sind nur wenigen geläufig. Dabei gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede: Das raue Atlantikklima, den gewaltigen Tidenhub, die weißen Klippen entlang der Küste und vieles mehr teilen sich beide Küstenabschnitte.

  Klippen prägen auch bei Le Tréport das BildFoto: Dieter Wanke
Klippen prägen auch bei Le Tréport das Bild
  Klippen prägen auch bei Le Tréport das BildFoto: Dieter Wanke
Klippen prägen auch bei Le Tréport das Bild

Nur geht es an den nördlichen Ufern der Normandie ruhiger zu. Dabei ist auch hier für jeden Geschmack etwas dabei. Wer Großstadtflair sucht, findet es in Le Havre. Hier mündet mit der Seine auch der größte Fluss in den Ärmelkanal. Das Revier ist also auf eigenem Kiel über Paris (BOOTE 2/2020) erreichbar. Eine eher dörfliche Hafenidylle gibt es dagegen in Saint-Valery-en-Caux und mehr Rummel in der Touristenhochburg Dieppe.

Noch mehr Informationen? Das Revierporträt der Alabasterküste mit vielen Fotos, Servicehinweisen und detaillierter Karte finden Sie in BOOTE-Ausgabe 9/2020 (hier erhältlich).

Langweilig wird ein Aufenthalt in der Region also nicht, denn die Hafenstädte haben alle ihren eigenen Charakter. Liebhaber von Meeresfrüchten werden den Aufenthalt in der Region genießen, denn lokale Fischer sind überall am Werk, und auf den allgegenwärtigen Märkten oder direkt am Kutter lässt sich der tägliche Fang noch durchaus preiswert erstehen. Ein breites kulinarisches Angebot ist in den Orten mit touristischer Prägung eher zu finden. In den ruhigen Kleinstädten ist die Auswahl geringer.

LE HAVRE

Die Lage an der Atlantikküste und an der Mündung der Seine, die für eine schiffbare Verbindung zur Hauptstadt sorgt, gab 1517 den Ausschlag für die Gründung von Le Havre als Kriegshafen. Später wurde die Stadt Heimathafen der Französischen Westindienkom­panie. Der Handel mit Kolonialwaren, aber auch Sklaven blühte. Historische Gemäuer findet man in Le Havre allerdings nicht, denn nach ihrer vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt komplett neu aufgebaut.

  Le Havre am westlichen Ende der AlabasterküsteFoto: Dieter Wanke
Le Havre am westlichen Ende der Alabasterküste
  Le Havre am westlichen Ende der AlabasterküsteFoto: Dieter Wanke
Le Havre am westlichen Ende der Alabasterküste

Heute befindet sich hier der zweitgrößte Seehafen des Landes.Das Stadtbild ist eine Mischung aus zweckmäßiger Nachkriegsarchitektur mit modernen Highlights, eingebettet in dominierende Hafenbecken. Mittendrin ein lebendiges Zentrum mit einer großen Auswahl an Bars und Res­taurants, die eher durch Vielfalt als durch Kulinarik auffallen.

Kunstliebhaber können das Musée d'Art Moderne André Malraux besuchen. Freunde moderner Architektur werden sich am Stadtkern erfreuen, der nach Plänen von Auguste Perret aufgebaut wurde und zum UNESCO-Welterbe gehört. Im Zentrum befindet sich auch das von Oscar Niemeyer entworfene Maison de la Culture du Havre.

Zu den zahlreichen Hafenanlagen gehört der Port du Havre Plaisance (www.lehavreplaisance.com) am Boulevard Clemenceau mit 1150 Liegeplätzen für Yachten bis 18 m. Wassern ist über die Slipanlage, einen Kran bis 4 t oder einen Travellift bis 30 t möglich. Eine Wassertankstelle und Parkplätze sind vorhanden. Mit einem Tidenhub von bis zu 7,2 m und einer Strömung bis 3 kn muss hier gerechnet werden. Der neue Yachthafen im Herzen der Stadt heißt Port Vauban und ist unter gleicher Verwaltung.

FÉCAMP

Die Geschichte der Hafenstadt beginnt mit der Gründung eines Klosters im 7. Jahrhundert, dem Wikinger rund 200 Jahre später ein Ende setzten. Ab 990 ging es mit dem Wiederaufbau los. Die heutige Abteikirche Sainte-Trinité hat romanische bis frühgotische Ursprünge und wurde um 1170 bis 1220 gebaut. Sehenswert ist auch das Palais Bénédictine. Der im 19. Jahrhundert gebaute Firmensitz der gleichnamigen Likörfabrik enthält auch eine Kunstsammlung. Eine Tour zur Erkundung lohnt sich. Gemütliche Gastronomie findet man im Zentrum.

  Der Hafen von Saint-Valery-en-CauxFoto: Dieter Wanke
Der Hafen von Saint-Valery-en-Caux
  Der Hafen von Saint-Valery-en-CauxFoto: Dieter Wanke
Der Hafen von Saint-Valery-en-Caux

Zentrale Bedeutung hat der Hafen von Fécamp (www.portdefecamp.fr), der gleichermaßen für Handelsschiffe, Fischerboote und als Yachthafen genutzt wird. Hier lohnt der Besuch des Fischereimuseums. Im Avant Port de Fécamp, dem vorderen Hafenteil, gibt es 510 Plätze bis 40 m, davon 75 für Besucher. Wer länger bleiben will, kann nach einem Liegeplatz im Bassin Bérigny hinter der Schleuse mit 230 Plätzen fragen. Wassern über eine Rampe oder einen Travellift bis 20 t ist ebenso möglich wie die Versorgung mit Treibstoff. Parkmöglich­keiten für Zugfahrzeuge und Trailer sind vorhanden.

SAINT-VALERY-EN-CAUX

Wer die Ruhe sucht, liegt hier richtig. Bei einem Spaziergang lässt sich die hübsche Ortschaft, die schon im Jahr 990 als Besitz der Benediktinerabtei von Fécamp erwähnt wird, leicht erkunden. Das alte Fachwerkhaus Maison Henri IV wurde im 16. Jahrhundert von einem wohlhabenden Reeder gebaut. Heute befindet sich in dem denkmalgeschützten Gebäude ein Museum. Die Gastronomie konzentriert sich um das Hafen­becken, das zentraler Bestandteil der Ortschaft ist.

Der äußere Teil des Port de Plaisance Saint-Valery-en-Caux (www.saintvaleryencaux.fr/port-de-plaisance) fällt trocken. An den Stegen im Innenhafen hinter der Schleuse gibt es 560 Liegeplätze für Boote bis 22 m Länge. Sanitäranlagen und zwei Kräne mit fünf und 16 t sind ebenfalls vorhanden. Der Hafen hat keine eigene Webseite, und die Hafenmeisterei ist nicht ständig besetzt. Kontaktaufnahme ist über port@cote-albatre.com möglich. Eventuell hilft auch der im Hafen befindliche Club Nautique Valeriquais (www.cnvaleriquais.fr).

DIEPPE

Der ursprüngliche Naturhafen wurde ab 900 besiedelt und jeweils im 12. und 17. Jahrhundert zerstört. Der letzte Wiederaufbau im Barockstil ist heute noch gut erkennbar. Wie auch die Verwandlung in den ersten französischen Badeort nach englischem Vorbild im 19. Jahrhundert, dem die neue Bahnverbindung nach Paris viele Gäste brachte. Dieppe ist eine Touristenhochburg. Gastronomie ist allgegenwärtig. Spezialität ist die Fischsuppe.

Sehenswert ist die Burg mit Wurzeln im 12. Jahrhundert. Die heutige Anlage mit dem Stadtmuseum und einer Gemäldesammlung wurde 1435 aus Überresten errichtet. Auch einen Blick wert ist die gotische Kathedrale Saint-Jacques oder das Museum Cité de la Mer (www.estrancitedelamer.fr) mit Aquarien und einer Meeresausstellung.

  Am Strand von DieppeFoto: Dieter Wanke
Am Strand von Dieppe
  Am Strand von DieppeFoto: Dieter Wanke
Am Strand von Dieppe

Der Port de Plaisance (www.portdedieppe.fr) hat 410 Plätze im vorderen Becken, davon 50 für Besucher. Maximale Länge 160 m. Die Capitanerie mit Sanitäranlagen ist im Südwesten. Trotz bis zu 9 m Tidenhub zur Springzeit fällt der vordere Hafenteil in der Regel nicht trocken und ist zumindest mit Motorbooten mit geringerem Tiefgang selbst bei Ebbe befahrbar. Wer länger bleiben will, kann nach einem Liegeplatz in einem der Becken hinter der Schleuse mit insgesamt 120 Liegeplätzen fragen. Ein- und Auslaufen muss auf UKW (12) angekündigt werden, Liegeplätze auf UKW (9).

LE TRÉPORT

Das Städtchen, das mindestens seit dem 11. Jahrhundert besteht, liegt an der Mündung der Bresle. Eine Treppe und eine Zahnradbahn führen auf die Klippen, von wo eine spektakuläre Aussicht auf die Alabasterküste genossen werden kann. Der Ort lebt vom Tourismus und wird deshalb insbesondere an der Promenade von einer Vielzahl von Fischrestaurants geschmückt. Spezialitäten: Heringe, Meeresfrüchte und Omelette. Ein Fischmarkt, aber auch ein Kasino – was in der Region zum Standard gehört – ergänzen das Angebot.

Der Port Le Tréport ist unter staatlicher Verwaltung und ein gemischter Hafen für die Berufs- und Freizeitschifffahrt. Es gibt 95 Liegeplätze bis 28 m, davon zehn für Besucher. Außerdem Bojen im Außenhafen, der aber trockenfällt. Duschen und Toiletten sind vorhanden. Eine Webseite hat der Hafen nicht. Kontakt zum Hafenmeister: ddtm-dml-capt@seine-maritime.gouv.fr. oder UKW (12). Infos auch über den Yacht Club du Tréport (www.facebook.com/Yacht.Club.Du.Treport).