Revier: Obere Spree - Ein Teil vom grünen TraumFoto: Jürgen Straßburger

Revier: Obere Spree - Ein Teil vom grünen Traum

 

22.7.2017, Lesezeit: 10 Minuten

Noch ist die Obere Spree-Wasserstraße eine Sackgasse, deren Zukunft erst beginnen soll. Wir waren vor Ort.

Was wäre, fragt BOOTE-Redakteur Christian Tiedt in Heft 11/2015, wenn man die beiden Wasserstraßen Dahme und Spree in ihrem Oberlauf schiffbar verbinden würde? Die Antwort: Es entstünde „Der grüne Traum", eine 160 Kilometer lange Rundfahrt, die als „Märkische Umfahrt" bei Paddlern und Kanuten schon jetzt sehr beliebt ist.

Denen reichen nämlich Bootsschleppen, um die Höhenunterschiede im Revier zu überwinden. Gestandene Motorboote dagegen bräuchten Hebewerke oder Schleusen, um den „grünen Traum" wahr werden zu lassen. Dieses Ziel hat sich die Arbeitsgemeinschaft Wassertourismusinitiative Brandenburg Süd-Ost gesetzt:

„Die Schaffung der durchgängigen Umfahrung mit revierrelevanten Sportbooten ... bis 13 m Länge und die Schaffung der begleitenden touristischen Infrastruktur wurden ... als die wichtigsten Maßnahmen zur Entwicklung des Reviers bestimmt" (ag- wiso-brandenburg)

Solange die Realisierung dieses Projekts auf sich warten lässt, muss sich die Motorbootfraktion auf Teile dieses Traums beschränken.

„Unser" Teil sind der Neuhauser Speisekanal, die Mittlere Spree von der Schleuse Neuhaus bis zum Glower See und der Schwielochsee. Das sind knapp 40 Kilometer, die man natürlich bequem in einem Tag schaffen könnte. Deshalb stellt sich die Frage, warum wir vom Glower See nicht weiter der Spree Richtung Trebatsch, Kossenblatt und Alt Schadow zum Neuendorfer See gefolgt sind.

Bild 11
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 1
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 2
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 3
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 4
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 5
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 6
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 7
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 8
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 9
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 10
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 11
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 1
Foto: Jürgen Straßburger
Bild 1
Bild 2
Bild 3
Bild 4
Bild 5
Bild 6
Bild 7
Bild 8
Bild 9
Bild 10
Bild 11

Hatten wir vor! Aber: Im vergangenen Jahr warnte das für die Spree zuständige Brandenburgische Landesamt für Bauen und Verkehr (lbv. brandenburg) vor „Tauchtiefeneinschränkung auf 0,50 Meter im Unterwasser der Schleuse Kossenblatt". Da trotzdem durchzufahren hielten wir nicht für schlau, obwohl einige heimische „Revierkenner" uns sagten:

„Wenn man weiß, wie’s geht, geht’s."

Doch auf gut Glück einen Propeller- oder Wellenschaden zu riskieren, der angesichts der vom LBV veröffentlichten amtlichen Warnung von keiner Versicherung der Welt reguliert worden wäre, schied für uns aus. Damit wäre die Mittlere Spree bereits zwölf Kilometer westlich vom Glower See zur Sackgasse geworden und nicht erst nach rund 25 Kilometern am Neuendorfer See. Also ließen wir diesen Spreeabschnitt komplett aus.

Und nicht nur wir! Da stellt sich die Frage: Fährt keiner hin, weil es infrastrukturelle Defizite gibt, oder gibt es diese Defizite, weil keiner hinfährt? Ein Problem, das sich kurzfristig nicht lösen lässt.

Recht unauffällig zweigt der Neuhauser Speisekanal 1 bei Kanal-km 96 vom Oder-Spree-Kanal ab. Sein Wasser ist glasklar, und bei nur 1,30 m amtlicher Tauchtiefe wird zum Ufer hin der Grund sichtbar. Nach gut zwei Kilometern kommt die Schleuse Neuhaus. An Backbord gibt es einen Wartesteg, und so kann man den Schleusenwärter persönlich kontaktieren.

"Geht gleich los", sagt der, "wenn die Brücke hoch ist, könnt ihr einfahren". Eine holländisch anmutende Klappbrücke im tiefsten Brandenburg.

Die Vermutung, dass der Speisekanal ein Mündungskanal der Spree sein könnte, ist falsch. Er ist ein echter Verbindungs­kanal zwischen der Spree und der Schei­telhaltung des Oder-Spree-Kanals 2, dessen Wasserspie­gel rund 1,25 m höher liegt als der Wasser­ spiegel der Spree.

Es geht für uns in der Schleuse also „runter", bevor sie uns in den Wergensee entlässt, eine schirmför­mige Ausbuchtung der Spree mit ruhigen Ankerplätzen. Hier kann man das erste Bad im klaren Wasser wagen...

Die schmale Ausfahrt Richtung Spree liegt im südwestlichen Zipfel des Sees. Hart Steuerbord geht es in die für Mo­torboote gesperrte Drahendorfer Spree, die bei Kilometer 89 in den Oder-Spree-Kanal mündet, der hier auch "Fürstenwalder Spree" genannt wird. Wir halten uns geradeaus und laufen ein in den grünen Schlund der Mittleren Spree: Wiesen, Wälder, Felder, Teichrosen und Schilfgürtel sind jetzt unsere ständigen Begleiter. Natur pur. Begegnungen mit anderen Booten sind selten. Und das, obwohl wir mitten in der Hochsaison (20. Juli) unterwegs sind.

Erst in Beeskow wird wieder Bebauung sichtbar. Im Unterwasser der Schleuse Beeskow liegt hinter einer Fußgänger­­brü­cke (Durchfahrtshöhe mindestens 3,50 m) ein schmuckloses, 70 mal 35 m großes Hafenbecken, das sich anspruchsvoll "Marina Beeskow" nennt, aber mit dem, was man gemeinhin darunter versteht, nicht viel zu tun hat:

kurze Stummelstege am gespundeten Nordwestufer, ein nicht vollständig ausgebautes Südost­ufer. Dafür eine gut angelegte Slipanlage, die sich für alle trailerbaren Boote eignet. Karge Steinplatten umsäumen die Kais, am nordwestlichen Rand befindet sich ein Wohnmobilstellplatz.

Schöner liegt man im Oberwasser der SB-Schleuse am Gästesteg der "Wasserwelt". Sowohl die Marina als auch die Steganlage werden von André Rädel betrieben. Hier liegt man bequem längsseits mit Was­ser- und Stromanschluss. Zu den Sanitäranlagen sind es nur wenige Schritte, der nächste Supermarkt ist rund 300 Meter vom Hafen entfernt. www.marina-beeskow.de

Der Clou aber ist das Café und Restaurant "Wasserwelt" mit guter regionaler Küche und einer wunderschönen Terrasse mit Spreeblick. Wenn man vom Wasser genug hat, marschiert man ins Städtchen: Zwischen der Kirche St. Marien und dem ältesten Haus von Beeskow (Museum) liegt das Restaurant "Kirchenklause". Wer hier einkehrt, genießt "himmlische Speisen". www.kirchenklause-beeskow.de

"Beeskow ist nicht so schlimm, als es klingt", schrieb Theodor Fontane 1862 in sein Tagebuch.

Mehr Ehre wollte er dem Städtchen mit seiner Burg und dem mittelalterlichen Stadtkern nicht gönnen, was allerdings wenig mit dem Ort, aber viel mit seiner Frau zu tun hatte: Emilie war in Beeskow als uneheliche Tochter einer Predigerwitwe und des im Ort ansässigen Garnisonsarztes zur Welt gekommen und als Dreijährige zur Adoption "ausgeschrieben" worden. Das galt damals als höchst ehrenrührig, und Fontane versuchte, diese Herkunft zu vertuschen.

Ich will aber nicht verheimlichen, dass Beeskow das einzige sehens- und nennenswerte Städtchen an der gesamten Mittleren Spree ist. Der "Rest" ist dörflich dünn besiedelt oder Natur pur. Ein Revier für Skipper und Crews, die abseits jeder Hektik und Urbanität Erholung suchen.

Neun Spreekilometer südlich von Beeskow passieren wir die Handseilzugfähre Leißnitz, die einzige dieser Art in Brandenburg. Warnschilder weisen darauf hin. Oberhalb der Fähre erreichen wir den Leißnitzsee, an dessen Nordostufer die Marina Leißnitz in idyllischer Ruhe liegt. 25 Boote bis 12 Meter Länge kön­nen am Holzsteg
an Dalben vor Bug- oder Heckanker auf 1,20 Meter Wasser­tie­fe festgemacht wer­den. Wasser, Strom, Duschen und WC sind vorhanden, außerdem Waschmaschine und Trockner so­wie eine Fäkalien-Absauganlage.

Im Ort Leißnitz ist nichts los. Die nächste Einkaufsmöglichkeit gibt es in Beeskow, die 500 m vom Hafen entfernte Gaststätte "Schur" hat laut Marinabetreiber abends nur selten geöffnet. Kontakt zum Hafen: Jeannette Neumann, Tel. 0172/392 13 73. Auch hier stellt sich die Frage, warum sich ein Steg "Marina" nennt, womit man üblicherweise einen "Full-Service-Hafen" für Boot und Crew bezeichnet.

Aber an Spree und Schwielochsee ticken die Uhren anders: Alle Anlagen, die hier als "Marina" firmieren, übertreiben.

Leißnitz bezeichnet sich als "Tor zum Schwielochsee", und tatsächlich ist nach dem Leißnitzsee nur noch der zwei Kilometer lange Glower See zu durchfahren, dann ist der Schwielochsee erreicht. Aber halt: Am südwestlichen Ende des Glower Sees mündet von Westen kommend die "Krumme Spree" ein. Folgte man also hier dem Lauf des Flusses, würde man nach zwölf Kilometern Kossenblatt erreichen – aber das Thema hatten wir schon …

Die südliche Ausfahrt des Glower Sees und die Fahrrinne des Schwielochsees sind in Nord-Süd-Richtung gut betonnt. Aber schon am dritten Tonnenpaar des Schwielochsees gehen wir auf Nordostkurs und laufen in die Niewischer Bucht ein. Die solide Schwimmsteganlage des Schwielochsee Campings Niewisch liegt versteckt hinter einer Landzunge am Südufer. Erst wenn man sie gerundet hat, werden die Boote sichtbar. 60 Liegeplätze mit Wasser- und Stromanschluss für Boote bis 10 m Länge. Slipanlage für alle trailerbaren Boote.

Und natürlich bietet der Vier-Sterne-Campingplatz alles, was die Crew braucht: Dusche, WC, Wasch­maschine, Trockner, Well­nessbereich mit Sauna, Kinderspielplatz, Restaurant "Seeteufel" mit Ter­rasse (hier kocht tatsächlich noch der Chef persönlich), Brötchenservice so­wie WLAN. Eine Urlaubsoase, die für mehr als nur einen Kurzaufenthalt taugt. www.camping-niewisch.de


Das Wasserski-Eldorado des Schwielochsees liegt in seiner südöstlichsten Ausbuchtung. Bei der Ansteuerung von Norden kommend beachte man die Nordkardinale und die südöstlich und südwestlich davon liegenden Flachstellen. Rasch wird die gelbe Betonnung sichtbar, die die Wasserskistrecke des Motor-Yacht- und Wasserskiclubs Schwielochsee markiert. Die Hafenanlage des MYWSC befindet sich, lauschig versteckt, rund 300 m oberhalb der Mündung des Doberburger Mühlenfließes in den Schwielochsee. 50 Liegeplätze an Seitenstegen für Boote bis 12 m Länge mit Wasser, Strom, Dusche, WC, Waschmaschine und Trockner sowie 6,5-t-Kran. Das Gasthaus "Zur Linde" in Speich­row ist 1,5 km entfernt, der Fleischer dort verkauft auch Brötchen. Den nächsten Supermarkt findet man in Goyatz (3 km).

"Camping und Boot" oder "Boot und Camping": Das ist die große Nummer am Schwielochsee. So gibt es nordnordwestlich der unter Naturschutz stehenden kleinen Insel Rohrberg am Westufer des Sees zwei sehr große Campingplätze mit Steganlagen: die Marina Schwielochsee im Ferienhaus- und Campingpark Ludwig Leichhardt und die Marina Zaue, rund 400 m südlich davon. Die Marina Schwielochsee steht eher für das Konzept "Camping und Boot": Die Lage der modernen Schwimmsteganlage für 25 Boote an begehbaren Seitenstegen mit Wasser und Strom ist gut erkennbar durch die "Gelbe Welle", den 100 m langen Sandstrand südlich vom Steg und die im Wald verborgenen Ferienhäuser. Für den sanitären Service sorgt der Campingplatz mit Duschen, WC, Waschmaschine und Trockner, für das leibliche Wohl die "Waldklause". Daneben ein Kiosk mit kleinem Mini-Markt.

Die Marina Zaue steht für "Boot und Camping", ist also für die Bedürfnisse der Skipper noch besser ausgebaut: eine kombinierte Fest- und Schwimmsteganlage mit 60 Liegeplätzen an begehbaren Seitenstegen für Boote bis 15 m Länge. Wasser und Strom am Steg. Die Sanitäranlagen auf dem Campingplatz sind (noch) relativ weit vom Steg entfernt; ein Neubau ist in Planung. Gut ausgebaute Slip, geeignet für alle trailerbaren Boote. Am Fuß des Steges liegt die "Yachtklause", eine einladend anmutende Gaststätte mit Terrasse.

Wie Stöpsel versperren die zwei Osterinseln die südwestliche Ausbuchtung des Schwielochsees und den direkten Blick in den "Hals", die nur rund 100 m breite Verbindung mit dem Kleinen Schwielochsee.

Die Osterinseln dürfen nur westlich passiert werden: einfach der Fahrrinne folgen! Im Kleinen Schwielochsee ist zunächst das mit gelben Tonnen markierte Sperrgebiet östlich zu runden, dann wird die große Hafenanlage des Seesport- und Yachtclubs Goyatz am Südwestufer sichtbar. Unverkennbar sind die weißen Clubgebäude mit Halle und einem qua­dratischen, turmähnlichen Gebäude mit vier großen Sprossenfenstern.

Völlig zu Recht beschreibt der Club seinen Gelbe-Welle-Hafen als einen der modernsten am Schwielochsee. Er hat 120 Lie­geplätze für Boote bis 3,50 m Breite. Gastliegeplätze sind am Kopf des Mittel­stegs ausgewiesen. Man liegt längsseits mit Wasser- und Stromanschluss. Am Kopf des nordöstlichen Steges befindet sich die einzige Bootstankstelle im Revier (Diesel und Benzin). Hier gibt es auch eine Fäkalien-Absauganlage. Slipanlage für Boote bis 7 m Länge, 25-t-Mobilkran, 20-t-Schienenslip.

Ein Clubraum befindet sich im "Turm", die Sanitäranlagen in Seitenräumen der Halle. Waschmaschine. Sechs Doppelzimmer, zehn Stellplätze für Wohn­mobil oder Zelt (www.seesport-yachtclub-goyatz.de). Perfekt auch die Versorgungsmöglichkeiten: Zum Supermarkt (Netto) sind es 350 m. Dort gibt es auch sonntags von 6.30 bis 11 Uhr frische Brötchen. Das gemüt­liche Café-Restaurant "Am See" ist nur 150 m entfernt.

Wer den schönsten Seeblick haben möchte, geht aber 500 m bis zur "Hafenterrasse". Wenn ein Plätzchen frei ist, kann man dort auch direkt am modernen Schwimmsteg mit Wasser und Strom festmachen: Tel. 0178/8 48 05 51. Auf Wunsch wird auch an Bord serviert! Dusche und WC 100 m oberhalb vom Steg. www.hafenterrasse-goyatz.de
Es ist der 22. Juli 2015, 9 Uhr früh: Nordkurs auf dem Schwielochsee. Kein Hauch rührt sich, es ist drückend heiß. Kein anderes Boot weit und breit. Der See blüht. Platt und knallgrün liegt er vor uns. Grün ist die Hoffnung, und grün ist der Traum. Wird er je in Erfüllung gehen?