Revier: Rotterdam / Niederlande - Wolkenkratzer an der MaasFoto: Dieter Wanke

Revier: Rotterdam / Niederlande - Wolkenkratzer an der Maas

 

2.8.2016, Lesezeit: 7 Minuten

Rotterdam mit dem Boot zu erkunden ist ein Genuss, denn in Europas größtem Seehafen ist Wasser naturgemäß allgegenwärtig. Spannende Kontraste von gestern und heute.

Städtereisen mit dem Boot? Ja klar! Da es in den Niederlanden überall Wasser gibt, haben wir das in Rotterdam ausprobiert. Fazit: Der Törn ist sehr empfehlenswert, wenn man nicht gerade die Ruhe in der Natur sucht. Die gibt es aber 30 Kilometer südöstlich im Nationalpark De Biesbosch. Ursprung der Stadt war ein Damm am Fluss Rotte. Heringsfischer haben hier den Fang umgeladen und sich ab 1230 angesiedelt.

Ein Umschlagplatz für Waren ist die Stadt – heute der größte Seehafen in Europa und Nummer drei weltweit – geblieben.

Zu entdecken gibt es viel. Ob mit dem eigenen Boot oder einer gecharterten Sloep, der Besuch des Schifffahrtsmuseums und die Fahrt durch die umliegenden Kanäle gehören zu den Highlights. Ein Leckerbissen ist die Markthal, durch die man sich förmlich hindurchfressen kann – oder man lässt den Tag in einem der vorzüglichen Restaurants ausklingen. Weitere Infos liefert das Tourismusbüro. www.rotterdampartners.nl

City Marina Rotterdam

Die City Marina war bis vor Kurzem der einzige Yachthafen in der Stadt. Laut Hafenmeister Jan Wilhelm Kranendonk gibt es immer freie Gastplätze für Boote zwischen fünf und 50 Metern Länge. Für die ersten beiden Nächte sind zwei Euro pro Meter fällig, dann wird es billiger. Einziger Wermutstropfen: Slippen oder Kranen ist im gesamten Stadtbereich nicht möglich. Dafür empfiehlt sich die 30 Flusskilometer südlich gelegene Marina Barendrecht.

The Red Apple Marina

Diese brandneue Steganlage wurde im Juni 2015 eröffnet und liegt mitten in der Stadt im Wijnhaven. Gastliegeplätze bis 10 Meter sind für 20 Euro pro Nacht oder 120 Euro pro Woche verfügbar. Da es keine Sanitäranlagen gibt, können die Duschen oder Toiletten des benachbarten Ibis-Hotels genutzt werden.

Marina Barendrecht

Slippen und Kranen ist in der Marina Barendrecht möglich. Auto und Trailer sollten hier geparkt werden. Die Fahrt in die Innenstadt beginnt entlang der Oude Maas. Im schönen Dorndrecht kann ein Stopp eingelegt werden. Weiter geht es über die Noord in die Nieuwe Mass. Hier muss das Ruder nach Backbord in den Koningshaven gelegt werden. Unmittelbar hinter der markanten Eisenbahn-Hebebrücke De Hef befindet sich an Backbord die Schwenkbrücke, die die Einfahrt zur City Marina Rotterdam freigibt.

Chartern in Rotterdam

Boote können in der City Marina Rotterdam gechartert werden: Es gibt Sloepen (www.sloepverhuurrotterdam.nl) für Tagestouren und sogar Stahlverdränger von Yachtcharter de Waarheid, die ebenfalls hier stationiert sind. Die Preise pro Woche lagen je nach Boot und Saison im Jahr 2015 zwischen 895 und 2195 Euro (www.yachtcharterdewaarheid.nl).

Watertaxi

Wer nach einem üppigen Gelage nicht mehr ans eigene Ruder gehen möchte, sollte sich ein Wassertaxi gönnen. Die Preise hängen von der Strecke ab. Die Fahrt von der Basisstation am Hotel New York bis zum Leuvehaven kostet 3,60 Euro pro Person. Unter Tel. +31-10-403 03 03 kann eines der Boote an eine der rund 50 Stationen gerufen werden, in der Innenstadt kommen sie aber oft an den Haltestellen vorbei.

Suite Hotel Pincoffs

Das Hotel befindet sich direkt an der City Marina Rotterdam. Ideal für Reisende, die nicht auf dem Boot übernachten können oder wollen. Den Namen verdankt das Hotel Lodewijk Pincoffs, einem der Gründer der Holland-Amerika-Linie, die in dem heutigen Hotel ihr Büro hatte. Die Stadt ist zu Fuß über die Erasmusbrücke schnell erreicht. Noch bequemer und schneller geht es mit dem Boot: Die Charterstation für die Sloepen und das Tankschiff der Marina liegen direkt vor dem Hotel. Ein Komfortzimmer ist ab 119 Euro pro Nacht zu haben. www.hotelpincoffs.nl

Hotel New York

Das Hotel befindet sich im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Holland-Amerika-Linie. Es ist eines der wenigen Gebäude des alten Rotterdam, das den deutschen Luftangriff am 14. Mai 1940 auf die Stadt überstanden hat. Der Stadtteil Kop van Zuid, wo das Hotel steht, wurde damals nahezu ausradiert. Erst seit 1992 wird gezielt wieder aufgebaut. So entstand eine Kulisse mit modernen Wolkenkratzern. An der nahe gelegenen Wilhelminapier legen heute noch Kreuzfahrer an. Das Restaurant im denkmalgeschützten Hotel ist für seine Meeresfrüchte bekannt. www.hotelnewyork.nl

SS "Rotterdam"

Das elegante ehemalige Kreuzfahrtschiff hat endgültig an der Pier im Maashaven festgemacht und dient seit der kompletten Renovierung als originelles Hotel mit maritimem Flair, das ans Goldene Zeitalter der Ozeanliner in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erinnert. Die einzigartige schwimmende Unterkunft verfügt auf 228 Metern Länge über 254 Zimmer, zwei Bordrestaurants, Captain's Lounge und Ocean Bar. Die Preise beginnen bei rund 40 Euro pro Nacht. www.ssrotterdam.com

De Matroos en Het Meisje

Ein originelles Highlight der Erlebnisgastronomie Rotterdams verbirgt sich hinter dem ungewöhnlichen Namen "De Matroos en het Meisje". Eine Reservierung ist empfehlenswert, denn die 50 Plätze sind oft ausgebucht. Alle Gäste bekommen ein Überraschungsmenü ab drei Gängen. Die Gerichte wechseln wöchentlich. Die Speisekarte verrät nicht, was es gibt, der Kellner fragt aber nach Allergien oder Vorlieben, dann kommen Alternativen. Die Anzahl der Gänge bestimmt der Gast. www.dematroosenhetmeisje.nl

Las Palmas

Herman den Blijker ist in den Niederlanden ein bekannter Küchenchef. In Rotterdam betreibt er an der Wilhelminakade 300 das Spitzenrestaurant Las Palmas. Geboten wird klassische Edel-Gastronomie im industriellen Beton-Ambiente auf gehobenem Preisniveau mit exzellentem Service. www.restaurantlaspalmas.nl

Maritiem Museum

Um das Maritiem Museum im Leuvehaven kommt der Besucher von Rotterdam nicht herum. Wer sich für Seefahrtsgeschichte und maritime Traditionen interessiert, sollte sich etwas Zeit für das Erkunden der Exponate nehmen, die eine beeindruckende Kulisse im Herzen der alten Handelsstadt bilden. Auch ohne den Besuch in den Ausstellungshallen kann die Szenerie auf dem Wasser einfach nur genossen werden. Im Veerhaven liegen übrigens noch weitere historische Schiffe. www.maritiemmuseum.nl

Markthal

Die 2014 neu eröffnete Markthalle gehört nicht nur architektonisch zu den Leckerbissen von Rotterdam. Auf 11 000 Quadratmetern gibt es ein exzellentes Angebot an vorzüglichen Lebensmitteln. Außerdem kann man sich in zahlreichen Restaurants mit leckeren Snacks verwöhnen lassen (www.markthalrotterdam.nl).

Täglich außer montags gibt es auf der Binnenrotte und den Straßen unmittelbar vor der Markthal außerdem den größten Freiluftmarkt in den Niederlanden. Das Angebot der rund 400 Stände ist gewaltig und reicht von frischen Lebensmitteln und Gewürzen bis zu internationalem Fast Food, Kleidung und Nippes.

Fenix Food Factory

Eine Markthalle mit besonderem Ambiente gibt es auch in der Fenix Food Factory auf dem Südufer des Flusses. Verschiedene Anbieter tummeln sich in den ehemaligen Lagerschuppen am Rijnhaven und bieten kulinarische Genüsse an. www.fenixfoodfactory.nl

Kubushäuser

Die außergewöhnliche Wohnanlage ist ein weltweit bekanntes Experiment des niederländischen Architekten Piet Blohm, was in den 1970er-Jahren seinen Anfang nahm. Die vertikal aufgestellten Würfel-Wohnungen in Rotterdam wurden 1984 fertiggestellt. Ein Musterhaus kann besichtigt werden. Ein Teil der Anlage dient als Hostel, in dem auch übernachtet werden kann. www.kubuswoning.nl

Nautische Informationen

So reizvoll es erscheinen mag, das Erkunden der unzähligen Industriehäfen Rotterdams ist für die Freizeitschifffahrt tabu. Erfreulich ist aber, dass es auf der Oude Maas, der Nieuwe Mass und den anderen Gewässern, die einen Ring um die Stadt bilden, kaum Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt.

Wissenswert: Brücken oder Schleusen werden in den Niederlanden heute oft mit einem Anruf und einer Zahlenkombination mit dem Mobiltelefon bedient. Wer auf eigenem Kiel unterwegs ist, benötigt die in Deutschland vorgeschriebenen Führerscheine. Für Charterboote bis 15 Meter Länge, die nicht schneller als 20 km/h fahren können, ist kein Führerschein erforderlich.

Boote mit einer möglichen Höchstgeschwindigkeit von mehr als 20 km/h müssen ein Kennzeichen nach deutschen Vorschriften führen, und der Schiffsführer muss mindestens 18 Jahre alt sein. Bei Motorbooten von bis zu sieben Metern Gesamtlänge, die eine Höchstgeschwindigkeit von 13 km/h nicht überschreiten können, liegt das Mindestalter des Schiffsführers bei 12 Jahren. Für alle anderen Wasserfahrzeuge gilt ein Mindestalter von 16 Jahren.

Die Verkehrsvorschriften in Form des "Almanak voor Watertoerisme, Teil 1" müssen an Bord mitgeführt werden. Empfehlenswert ist auch Teil 2 des Almanak, der detaillierte und stets aktuelle Angaben zu den Revieren und Häfen enthält. Weitere Details zur Ausrüstungs- und Versicherungspflicht sowie besonderen Regelungen gibt es in einem PDF-Dokument des ADAC unter www.adac.de/_mmm/pdf/Niederlande_57412.pdf