Revier: Straßburg - Eine Stadt mit GeschmackFoto: Dieter Wanke

Revier: Straßburg - Eine Stadt mit Geschmack

 

15.2.2019, Lesezeit: 7 Minuten

Straßburg hat eine Menge zu bieten – kulturell, historisch und kulinarisch. Wir haben die Hauptstadt des Elsass mit dem Boot besucht

Mit dem Charterboot nach Straßburg
Mit dem Charterboot nach Straßburg
Foto: Dieter Wanke
Mit dem Charterboot nach Straßburg
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Foto: Dieter Wanke
Mit dem Charterboot nach Straßburg
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Mit dem Charterboot nach Straßburg
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Mit dem Charterboot nach Straßburg
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Mit dem Charterboot nach Straßburg
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Mit dem Charterboot nach Straßburg
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Mit dem Charterboot nach Straßburg
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Mit dem Charterboot nach Straßburg
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Mit dem Charterboot nach Straßburg
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Mit dem Charterboot nach Straßburg
Mit dem Charterboot nach Straßburg
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Kurz vor der Abfahrt kommt die Nachricht, dass wir unser Charterboot für den "Straßburg Kurztrip" nicht wie üblich in Boofzheim übernehmen können. Neuer Abfahrtsort ist Krafft. Dauerregen hatte in den letzten Wochen den Wasserstand überall stark ansteigen lassen. Deshalb wurden auf dem schiff­baren Rest des alten Nordabschnitts des Rhein-Rhône-­Kanals, den wir bis Straßburg befahren wollen, kurzfristig einige Schleusen geschlossen.

Das nördliche Teil­stück führte ursprüng­lich von Mülhausen über Colmar nach Straßburg. Da es für große Frachter zu klein bemessen war, ist seine Blütezeit lange vorbei. Der größte Teil von Mühlhausen bis kurz vor Boofzheim wurde schon im vergangenen Jahrhundert stillgelegt und verfällt; eine Verbindung zum heute noch schiff­baren Abschnitt, der letztlich bis in die Saône führt, besteht daher nicht mehr.

Wir übernehmen die gut 13 Meter lan­ge Mystique vom Vercharterer Le Boat schließ­lich am Anleger des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Krafft, den der Anbieter als Ausweichhafen nutzt. Das spart etwa zehn Kilometer mit ein bis zwei Stunden Fahrzeit und drei Schleusen. Die Hebewerke können selbst bedient werden.

Man sollte eine frühe Abfahrt am Vormittag buchen, denn ansonsten ist die Strecke nach Straßburg wegen der Öffnungszeiten der Schleusen nicht machbar.

Gleiches gilt für die Rückgabe, die erst nachmittags erfolgen kann. Der beschauliche Weg auf dem von Bäumen gesäumten Kanal führt durch dünn besiedelte Kulturlandschaft. Anreize für Stopps in einem der winzigen Dörfer gibt es nicht.

Nach vier Stunden mit sechs Schleusen und einer automatisch geöffneten Brücke in Straßburg erreichen wir die Schwimmstege von Europe Boat Trading, die als neuer Freizeithafen der Stadt dienen. Die alte Marina am Hospital direkt vor der Altstadt gibt es leider nicht mehr, die Anleger fielen einer Umgestaltung des Areals zum Opfer. Und da das innere Netz der Wasserstraßen in Straßburg nur von Ausflugsbooten oder Kanus befahren werden darf, ist der Weg ins Zentrum nun etwas weiter. Dafür liegt man in der gepflegten Anlage bei sehr gutem Service hervorragend, und zur Altstadt mit der Kathedrale führt ein gut zwei Kilometer langer Spaziergang – oder die Straßenbahn.

Es gibt viel zu entdecken in den malerischen Gassen von Straßburg: Die Stadt blickt immerhin auf eine über 3000-jährige, äußerst bewegte Siedlungsgeschichte zurück. Schon die Gal­lier und die Römer lebten auf der "Grande Île" und um sie herum. Die Große Insel wird von zwei Armen des Flusses Ill umströmt, der hinter Straßburg in den Rhein fließt; sie bildet das alte Zentrum und zählt zum UNESCO-­Weltkulturerbe. In der jüngeren Geschichte wechselte die Herrschaft über die Stadt immer wieder zwischen Deutschland und Frankreich; heute spielen Grenzen in diesem sogenannten Eurodistrikt fast keine Rolle mehr.

Auf viel Rummel sollten Besucher eingestellt sein, denn die Gassen mit ihren Fachwerkhäusern sind ganzjähriger Anlaufpunkt von Städtetouristen aus aller Welt. Das führt oft zu längeren Wartezeiten bei Sehenswürdigkeiten wie etwa der Kathedrale. Dennoch lohnt der Besuch des beeindruckenden Liebfrauenmünsters. Das Gotteshaus wurde zwischen 1176 bis 1439 auf den Grundmauern der Vorgängerbauten errichtet und war durch seinen 142 Meter hohen Nordturm lange Zeit das höchste Gebäude der Welt.

Sehenswert ist auch die im südlichen Querschiff befindliche astronomische Uhr. Das mechanische Meisterwerk mit Kalendarium und Planetarium wurde 1574 fertiggestellt. Sie lief bis 1789. Erst ab 1838 begannen ­Instandsetzungsarbeiten, die 1842 abgeschlossen waren. Damit bekam die Uhr ein völlig neues Werk mit weltweit einmaligen Funktionen. Sie zeigt nun die Erdbahn, die Mondbahn und die Bahnen der Planeten Merkur bis Saturn an. Auch bewegliche Feiertage werden berechnet.

Zu den Wahrzeichen Straßburgs gehören auch die Gedeckten Brücken aus dem 13. Jahrhundert, die gemeinsam mit ihren massiven Befestigungstürmen den Eingang zum historischen Viertel an der Ill markieren. Die hölzernen Überdachungen existieren allerdings längst nicht mehr.

Den besten Blick auf die Brücken und die Altstadt hat man vom gegenüberliegenden Vauban-Wehr, einer Schleusen­anlage, die Ende des 17. Jahrhunderts gebaut wurde. Damit konnte der südliche Bereich vor Straßburg kontrolliert überflutet werden, was Angreifern das Eindringen in die Stadt unmöglich machte.

So viel Historie genügt für den ersten Tag. Wir kehren in die Winstub Fink’ Stuebel (www.restaurant-finkstuebel.com) ein, nur wenige Schritte von den historischen Brücken entfernt. Regionale Spezialitäten wie Rinderfilet nach Straßburger Art mit Entenleber und Rotweinsoße stehen hier auf der Speisekarte.
Am nächsten Tag steht eine Besichti­gung des historischen Weinkellers der Straßburger Hospize (www.vins-des-hospices-de-strasbourg.fr) auf dem Plan. Weinbau und landwirtschaftliche Aktivitäten dienten früher der Selbstversorgung und Finanzierung des Krankenhauses.

Der älteste Tropfen, der noch in den Gewölbekellern des 1395 gegründeten Weingutes lagert, stammt aus dem Jahr 1472. Er soll der älteste Fasswein der Welt sein. Wir dürfen mal am Verschlusskorken des Fasses riechen und sind vom intensiven Aroma beeindruckt. Die aktuellen Gärprodukte der Reben der Region können auch verköstigt und erworben werden. Die empfehlenswerte Führung gefällt uns genauso gut wie die edlen Tropfen aus dem Keller. In dem schönen Ambiente vergeht die Zeit wie im Flug.

Am Nachmittag bietet sich ein Besuch des Elsässischen Museums an – nur eines von vielen in der Stadt (www.musees.strasbourg.eu). In mehreren verbundenen alten Stadthäusern kann man anhand ausgestellter Trachten, Möbel oder historischer Werkstätten nachempfinden, wie die Menschen in der Region früher gelebt haben. Auch hier verbringen wir mehr Zeit als gedacht, sodass die Pforten des Historischen Museums bereits geschlossen sind, als wir ankommen.

Am Abend steht dann mit dem Besuch im Restaurant Chez Yvonne (www.restaurant-chez-yvonne.net) ein gastronomisches Highlight auf dem Programm. Seit der Übernahme durch Yvonne Haller 1956 ist die 1873 als "S’Burjerstuewel" gegründete Weinstube im Zentrum unter diesem Namen bekannt. Serviert werden exzellente Gerichte der Elsässer Küche, zu deren Gästen viele bekannte Persönlichkeiten gehören. So wird auch dieser Tag wieder von einem vorzüglichen Menü abgerundet. Billig ist das gehobene Essvergnügen zwar nicht, aber es wird viel geboten.

INFORMATIONEN

Die Anreise

Ideal ist die Anfahrt mit dem Pkw zu den Stützpunkten von Le Boat in Boofzheim oder Hesse. Die Reise mit der Bahn ist mit dem ICE über Straßburg oder Offenburg möglich. Bei Flügen wird Straßburg angeflogen. Die Basis in Boofzheim ist dann nur mit dem Taxi erreichbar. Nach Hesse gelangt man mit Regionalzügen über Sarrebourg, gefolgt von einer Taxifahrt. Mit dem eigenen Boot führt die Reise über den Rhein oder den Rhein-Rhône-Kanal nach Straßburg. Trailerboote können beim Bootsslip im Hafen des Nautic Club Kehl e.V. (www.nautic-club-kehl.de) in Kehl am Rhein zu Wasser gelassen und betankt werden.

Revierinformationen

Von Boofzheim nach Straßburg führt das letzte Teilstück des alten Nordabschnitts des Rhein-Rhône-Kanals. Die Weiterreise nach Hesse ist in Einwegfahrten in einer Woche über den Rhein-Marne-­Kanal möglich. Auf dieser Strecke sind das einzigartige Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller und zwei Tunnel die Attraktionen. Über diesen Streckenabschnitt haben wir bereits in der Februar-Ausgabe 2017 von boote berichtet. Es gibt automatische Schleusen, die im Sommer zwischen 7 und 19 Uhr benutzbar sind, sonntags ist eine Stunde früher Schluss. An einigen Feiertagen bleiben sie geschlossen, beispielsweise am 1. Mai. Das Revier stellt keine besonderen Herausforderungen und ist von Neulingen leicht befahrbar. Berufsschifffahrt findet kaum statt. Informationen für Besucher gibt es beim Tourismusverband (www.tourismus-elsass.com).

Bootswissen

Der Rhein-Rhône-Kanal und der Rhein-Marne-Kanal sind mit Hausbooten der Charterbetriebe führerscheinfrei befahrbar. Wer auf eigenem Kiel unterwegs ist und seinen ersten Wohnsitz in Deutschland hat, muss den Sportbootführerschein Binnen besitzen. Bei Funkanlagen an Bord wird ein Funkzeugnis benötigt. Eigner müssen auf französischen Wasserstraßen, die von Voies Navigables de France (VNF) betrieben werden, eine Vignette erwerben (online zu bestellen unter www.vnf.fr/vignettesVNF). Ausgenommen sind Boote bis 5 Meter Länge und Motoren unter 7,29 kW (9,9 PS). Vignetten gibt es für einen, drei und 30 Tage sowie ein Jahr. Detaillierte Informationen liefern die "Bootstouristischen Informationen Frankreich" des ADAC.

Charter

Auf dem Nordabschnitt des Rhein-Rhône-Kanals gibt es nur eine Charterbasis in Boofzheim, die von Le Boat betrieben wird. Auf dem Rhein-Marne-Kanal ist eine Vielzahl von Charterunternehmen tätig, die Hausboote anbieten. Wir haben das Angebot von Le Boat (www.leboat.de) ab Boofzheim genutzt. Hier wird ein dreitägiger Kurztörn als "Straßburg Kurztrip" vorgeschlagen. Dabei stellen die Zeiten für die Übernahme und die Abgabe der Boote ein Problem dar. Offiziell ist die Übergabe ab 16 Uhr möglich. Die Rückgabe muss bis 9 Uhr erfolgen. Da diese Fristen nicht mit den Schleusenzeiten kompatibel sind, ist es nicht möglich, die Fahrt am Tag der Abreise oder der Abgabe zu bewältigen. Bei Le Boat kann aber pro­blemlos eine frühere Übergabe und eine spätere Rückgabe gebucht werden, da sonst kaum Zeit in Straßburg bleibt und Zwischenstopps mit Über­nachtungen nicht sinnvoll sind. Der Törnvorschlag mit drei Nächten kostet je nach Boot ab 421 Euro. Schnäppchen­jäger
finden diverse Rabatte bei den Angeboten.

Dieses Revierporträt erschien in BOOTE-Ausgabe 01/2018