Revierporträt: Deutschland - NeckarFoto: Dieter Wanke

Revierporträt: Deutschland - Neckar

 

28.3.2021, Lesezeit: 8 Minuten

Burgen und Wein | Teil 1: Von der Mündung bis nach Haßmersheim geht es auf dem fünftgrößten Nebenfluss des Rheins meist beschaulich zu

Der Unterlauf des Neckars schlängelt sich entlang der malerischen Burgenstraße. Die beginnt in Mannheim und führt bis Heilbronn, um dann abzuzweigen. Die alten Gemäuer an den Hängen bilden eine wunderbare Kulisse. Später gesellen sich zunehmend auch Weinberge dazu. Der rund 200 Kilometer lange schiffbare Teil endet bei Plochingen. Bis dahin sind 27 Schleusen zu meistern, die sich natürlich an der Berufsschifffahrt orientieren. Idyllische Ortschaften wechseln sich mit touristischen Hochburgen wie Heidelberg, Heilbronn oder Stuttgart ab und sorgen für viel Abwechslung beim Befahren des Gewässers. Der erste Teil der Erkundung führt bis Haßmersheim bei Kilometer 87.

Wer nicht mit dem Trailerboot anreist oder eines der wenigen Charterangebote nutzt, wird vom Rhein kommend bei Mannheim in den Neckar abbiegen. SlipMöglichkeiten (www.slipanlage.info/slipanlagen/Neckar/f/) gibt es viele, so kann das abwechslungsreiche Flüsschen auch in Etappen erkundet werden. Bei Kilometer 3 wartet mit dem historischen Raddampfer "Mainz" von 1929 schon die erste Attrak­tion, die momentan aber geschlossen ist. Das gute Stück muss grundsaniert werden. Lange war die Finanzierung unklar. Im November 2020 kam dann grünes Licht für eine Unterstützung vom Bund, was den Verbleib in Mannheim sichert. Auch Sportboot-Anleger waren in Planung. Wann es so weit ist, steht in den Sternen. Die erste Möglichkeit für einen Halt gibt es dann im geschichts­trächtigen Ladenburg bei Kilometer 13. Vor rund 3000 Jahren waren hier schon Kelten anzutreffen, für die Römer war der Ort Provinzstadt. Hier können Sportboote am markanten Landungssteg festmachen, wenn sie die Fahrgastschifffahrt, die hier nur selten stoppt, nicht behindern. Unbedingt den Fahrplan am Aushang beachten oder besser beim Anbieter Weisse Flotte Heidelberg (www.weisseflottehd.de) nach den aktuellen Anlegezeiten fragen. Der Besuch lohnt sich, denn in dem Ort gibt es nicht nur eine bildhübsche Altstadt mit historischer Fachwerkarchitektur und zahlreichen gastronomischen Verlockungen, sondern mit dem Automuseum Dr. Carl Benz (www.automuseum-ladenburg.de) auch ein attraktives Ziel für Freunde automobiler Technik am ehemaligen Wohnort der Familie Benz.

Noch mehr Informationen? Den ersten Teil unseres Revierporträts "Neckar" mit Serviceteil und vielen weiteren Bildern finden Sie in BOOTE-Ausgabe 04/2021 seit dem 17.03.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Nur elf Kilometer weiter warten in Heidelberg die äußerst komfortablen Schwimmstege der Vereine am rechten Ufer vor der Theodor-Heuß-Brücke auf Besucher. Der MBC Heidelberg (www.mbc-heidelberg.de) und der MYC Heidelberg (www.myc-heidelberg.de) haben bei vorheriger Anmeldung meist Plätze für Gastlieger. Hier sollte mindestens eine Übernachtung eingeplant werden, denn Heidelberg gehört zu den Perlen am Neckar. Die Altstadt ist von den Stegen nach einem kurzen Spaziergang erreicht. In den verwinkelten kleinen Gassen tobt normalerweise das Leben. Geschäfte wechseln sich mit Gastronomie ab. Touristen dominieren das Geschehen. Der Weg zum mittelalterlichen Schloss direkt über dem Zentrum ist in einer Viertel­stunde zu meistern. Der Besuch der Ruine lohnt sich auch wegen der schönen Aussicht über die Stadt und den Neckar. Wer mehr Ruhe sucht, geht durch das mittelalterliche Brückentor über die Karl-Theodor-Brücke, besser als Alte Brücke bekannt, die in der heutigen Version seit 1788 den Weg über den Strom ermöglicht. Hier führt der Schlangenweg zum bekannten Philosophenweg mit schöner Aussicht auf den Neckar, die Altstadt und das Schloss. Ein Highlight in der Stadt ist die Schlossbeleuchtung, die dreimal im Jahr stattfindet. Die Termine für 2021 sind am 5. Juni, 10. Juli und 4. September. Dabei wird die schöne Kulisse mit einem Feuerwerk in ein Lichtermeer verwandelt. Wer planen kann, sollte aber lange vorher einen Liegeplatz reservieren. Vom Boot aus ist das ein besonderes Erlebnis.

Nach dem Ablegen vom Touristenmagneten Heidelberg wird es auf dem Ne­ckar spürbar ruhiger. Steile Hänge und kleine Ortschaften ziehen hier an den Bootstouristen vorbei. Kleine Vereine und manche Städte bieten Möglichkeiten für einen Stopp. Hinter der Schleuse Heidelberg wartet in Schlierbach eine weitere Steganlage des MBC Heidelberg mit Gastplätzen. Bald wird dann der Neckargemünder Wassersportverein 1983 e.V. passiert, der seinen kleinen Hafen in der abzweigenden Elsenz betreibt. Hier dürfen nur Mitglieder einfahren. Nach der übernächsten Biegung folgt Neckarsteinach, das mit vier Burgen, die alle zwischen 1100 und 1230 entstanden, glänzt. Außer den Ruinen der Burg Schwalbennest und der Hinterburg gibt es noch die bewohnte Mittelburg und die Vorderburg. Die einzige Anlegemöglichkeit direkt unterhalb der Steinach-Mündung muss vorsichtig angefahren werden, denn hier gibt es einen gefährlichen Absatz. Ein ruhiger Ankerplatz ist im Oberwasser des Wehrs. Vom Campingplatz Dilsberg (www.camping-dilsberg.de), wo Sportboote bis fünf Meter anlegen können, gibt es einen guten Blick auf das Idyll. Nur fünf Kilometer weiter freuen sich die Wassersportfreunde Neckarhäuserhof 1983 e.V. (www.wsf-neckarhaeuserhof.de) mit Stegen und Sanitäranlage auf Besuch. Nach einigen Biegungen taucht dann die Hirschhorner Neckarschleife mit der Burg Hirschhorn aus dem 13. Jahrhundert am Horizont auf. Hier siedelten schon vor 6000 Jahren Menschen. Am Ortseingang befindet sich ein großer Wohnmobilstellplatz mit Sliprampe und Steg, wo auch Trailer abgestellt werden können. Liegen kann man gut an der Spundwand beim historischen Ortskern vor der Burg. Der Weg ins kleine Zentrum mit Gastronomie ist so nicht weit. Nach dem Schleusen wird bei Kilometer 57 Eberbach erreicht. Am befestigten Ufer kann angelegt und auch übernachtet werden. Hier ist es im Sommer oft recht voll. Dann liegen die Boote in Päckchen an der Mauer. Der Ort hat eine attraktive Altstadt mit Fachwerkarchitektur und vielen Restaurants zu bieten. Oberhalb der Stadt gibt es die Ruinen dreier Burgen aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die man leicht nach einer kleinen Wanderung erreichen kann.

  Die Alte Brücke und das Schloss darüber sind die Wahrzeichen von HeidelbergFoto: Dieter Wanke
Die Alte Brücke und das Schloss darüber sind die Wahrzeichen von Heidelberg
  Die Alte Brücke und das Schloss darüber sind die Wahrzeichen von HeidelbergFoto: Dieter Wanke
Die Alte Brücke und das Schloss darüber sind die Wahrzeichen von Heidelberg

Nächster Anlaufpunkt ist Zwingenberg. Hier liegt man hervorragend beim Motor-Yacht-Club Neckar e.V. mit Gaststegen und komplettem Service. Einen Campingplatz gibt es auch. Außerdem eine hervorragende Aussicht auf das Schloss Zwingenberg (www.schloss-zwingenberg.de), das von Prinz Ludwig von Baden bewohnt wird. Außer Führungen finden in den Sommermonaten regelmäßig Schlossfestspiele (www.schlossfestspiele-zwingenberg.de) statt. Schöne Wanderungen sind ebenfalls möglich, beispielsweise in die bekannte Wolfsschlucht oder zur Keramikwerkstatt Krösselbach (www.kroesselbach.de) nahe der Schleuse Rockenau. Fahr­räder können beim Hafenmeister ausgeliehen werden. Die Stadt mit etwas Gas­tronomie ist über eine Brücke zu Fuß zu erreichen.

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Bei Kilometer 75 passieren Neckar-Kapitäne Waldcamping Germania (https://campingplatz-waldcamping-germania.business.site/) und Fortuna Camping (www.fortuna-camping.de) in Binau am gegenüberliegenden Ufer. Waldcamping Germania eignet sich eher als Ziel für Dauercamper mit kleineren Sportbooten. Fortuna Camping hat da­gegen einen größeren Gaststeg und komplette Infrastruktur mit eigenem Schwimmbad und Restaurant. Wer nicht auf dem Boot übernachten möchte, kann auch einen der gemütlichen Schäferwagen mieten. Außerdem ist hier der Übergabeort für die Charteryacht "Infinity", einen Stahlverdränger mit drei Doppelkabinen, der über die Charteragentur Ferien auf dem Wasser (www.ferien-auf-dem-wasser.de) angeboten wird. Und nur zwei Flussbiegungen weiter warten dann 70 Meter Steganlage beim Sportbootclub Obrigheim e.V. (www.sbc-obrigheim.de). Hier liegen die Charteryachten "Maja" und "Ronja" von Rhein-Neckar-Yachtcharter (www.rheinneckar-yachtcharter.de). Auch diese beiden Stahlverdränger verfügen über je drei Doppelkabinen. Versorgen kann man sich hier im etwa einen Kilometer entfernten Ortskern.

Nach weiteren sechs Kilometern wird bei Flusskilometer 87,3 Haßmersheim erreicht. Hier befindet sich die Hafenanlage des HBV-Haßmersheim (www.hbv-hassmersheim.de) mit einem herrlichen Blick auf Neckarzimmern und die Burg Hornberg (www.burg-hornberg.de). Das alte Gemäuer wurde im 16. Jahrhundert vom bekannten Ritter Götz von Berlichingen bewohnt. Wie sein Vorgänger beschäftigt sich auch der heutige Burgherr mit dem Weinbau. Verköstigungen sind ebenso möglich wie das Übernachten in den Hotelzimmern oder die Versorgung im eigenen Restaurant. Über die nahe gelegene Fußgängerbrücke ist man nach gut drei Kilometern am Ziel. Für den Besuch der Burg Guttenberg (burg-guttenberg.de) mit der Deutschen Greifenwarte ist eine knapp fünf Kilometer lange Wanderung nach Neckarmühlbach empfehlenswert. Neben Flugvorführungen mit Adlern und Geiern gibt es ein Museum sowie die Burgschänke, in der auch zünftige Rittermahle an­geboten werden. In der Mittelalterlichen Herberge oder in den Ferienwohnungen Burgfrieden kann auch übernachtet werden. Uriger kann man einen Tag und auch eine Nacht am Neckar wohl kaum verbringen. Für einen Kurzbesuch kann eventuell auch der Anleger der Fahrgastschifffahrt bei Kilometer 92 genutzt werden, das sollte allerdings vorab mit dem Schifffahrtsbetrieb Personenschifffahrt Stumpf GmbH & Co. KG (www.ausflugsschiffe-heilbronn.de) abgestimmt werden. Versorgung gibt es hier im Gasthaus zum Neckartal (www.gasthaus-zum-neckartal.de). Dann ist nur ein Fußweg von einem Kilometer zurückzu­legen, um die spätmittelalterliche Höhenburg Guttenberg zu erreichen (www.burg-guttenberg.de).

  Sehr schön liegt man in Hirschhorn vor der StadtmauerFoto: Dieter Wanke
Sehr schön liegt man in Hirschhorn vor der Stadtmauer
  Sehr schön liegt man in Hirschhorn vor der StadtmauerFoto: Dieter Wanke
Sehr schön liegt man in Hirschhorn vor der Stadtmauer

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TEIL 2 der Erkundung des Ne­ckars mit einem Besuch von Heilbronn, der Metropole Stuttgart und idyllischen Örtchen wie Besigheim erscheint in BOOTE 7/21