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Reise: Kanalküste / England

Per Zufall nach Cornwall

Christian Tiedt am 08.02.2019

Wenn das Wetter alle Pläne ändert: Nicht nur Segler sind vom richtigen Wind abhängig. Teil 1 unserer Törnreportage auf dem Ärmelkanal

Heute soll es endlich losgehen – obwohl schon eine Woche verstrichen ist. Eine Woche mit schönstem Sommerwetter, eigentlich perfekt. Doch ein Defekt fesselte unsere "Rolling Swiss 2" an ihren Liegeplatz in der Sutton Harbour Marina: Eine Kühlwasserpumpe hatte bei der Vorgängercrew den Geist aufgegeben.

Bis das schnell bestellte Ersatzteil geliefert und eingebaut werden konnte, verstrich die erste Hälfte unseres Sommertörns mit dem Cruising Club der Schweiz für uns daher auf ungewohnte Weise – gestrandet, in Plymouth im Südwesten Englands. Unser Ziel sind zwar nach wie vor die Channel Islands auf der anderen Seite des Ärmelkanals, die berühmten Außenposten Englands dicht vor der französischen Küste. Das Programm haben wir aber bereits gehörig zusammengestrichen.

Doch jetzt ist unsere Zeit um in dieser Seefahrerstadt, die wir schon viel zu gut kennen: Von der steinernen waterfront des alten Hafens mit seinen weißen Yachten und rostigen Trawlern, vorbei an den "Mayflower Steps", wo 1620 die Pilgerväter in die Neue Welt aufbrachen, hinauf zur Zitadelle und zum "Hoe", Plymouths öffentlichem Park, hoch über den Uferfelsen. Die Legende besagt, dass Sir Francis Drake, Vizeadmiral der ersten Queen Elizabeth, hier 1588 Bowling spielte, als ihm die drohende Annäherung der Spanischen Armada gemeldet wurde.

Der Entdecker und Gelegenheitspirat ließ es sich jedoch nicht nehmen, erst die Partie in Ruhe zu beenden, bevor er selbst mit seiner Flotte in See stach, um die Angreifer zu vernichten. Weiter zur Grand Parade, der Uferpromenade, bis zum "Tinside Lido". Die halb­runde Form des Art-Déco-Freibades baute man einfach ins Meer hinein. Verlockend an einem Tag wie heute. Doch wir haben anderes vor.

Bereit zum Ablegen! Etwa 85 Seemeilen sind es von Plymouth in südöstlicher Richtung quer über den Kanal bis nach St. Peter Port auf Guernsey, das wir wegen des Hafendrempels um Hochwasser herum anlaufen wollen. Viel zu sehen wird es nicht geben. Außerdem vermeiden wir auf diesem Kurs auch das große Verkehrstrennungsgebiet "Off Casquets" weiter östlich.

Der Gegenverkehr an der Hafenschleuse wird abgewartet, dann gibt es grünes Licht. Bei strahlendem Sonnenschein geht es durch den Eastern Channel am lang gezogenen Wellenbrecher vorbei hinaus auf den Plymouth Sound. Wochenendstimmung auf dem Wasser, schon am Freitagmorgen. Allerdings haben wir die Wetterlage im Hinterkopf: Nach Tagen hat der zuletzt so lustlose Wind von West nach Nordost gedreht und merklich zugenommen. Von den vier bis fünf Beaufort spüren wir in der Landabschirmung zwar noch nichts, doch wie es wohl weiter draußen aussieht?

Die vollständige Reportage lesen Sie in der Januar-Ausgabe von BOOTE – für Abonnenten natürlich schon eher. 

 

Christian Tiedt am 08.02.2019