Scilly-Inseln Scilly-Inseln

Reise: Schilly-Inseln / England

Zu schön, um wahr sein

Christan Tiedt am 13.04.2019

Im klassischen Commuter-Stil lässt die Neuheit aus dem Niederlanden zwei Personen auf Entdeckungstour gehen – und auch auf längere Törns

Wie eine Sichel schießt eine Formation Sturmtaucher dicht über das Wasser, während sich die Papageientaucher lieber treiben lassen. Hoch oben ziehen majestätische Mantelmöwen gemächliche Kreise. Es ist der warme Wind, der vom Land aufsteigt und sie über den Himmel trägt. An diesem Sommertag wirkt das Bild unter ihnen aus ihrem luftigen Blickwinkel beinahe paradiesisch: tiefblaue See ringsum, darin der Archipel aus grünen Inseln, deren Küsten von Stränden gesäumt werden.

Der feine Sand am Meeresboden reflektiert das Sonnenlicht und lässt die Lagunen von innen leuchten. Es könnte die Karibik sein.

Es ist der Nordatlantik. Und der kann auch ganz anders: Wochenlang wüten hier im Winter die Stürme. Und wenn der Wind geht, kommt der Nebel. So werden die Scilly-Inseln, die wie der Kopf eines lauernden Seeungeheuers zwanzig Seemeilen vor der Küste Cornwalls aus dem Meer ragen, zur Falle. Seit Jahrhunderten zersplittern die Kiefer des Ungeheuers gnadenlos, was sie zu fassen bekommen.

Die Seekarten von Scilly sind mit den Namen der Opfer gespickt: "Isabo", "Daphne" und "Endeavour". "Thomas
W. Lawson" und "U-1209". Im Jahr 1707 irrte Admiral Cloudesley Shovell bei der Navigation – und verlor nicht nur drei Linienschiffe seiner Flotte: Von den rund 2000 Seeleuten an Bord überlebte ein einziger Mann – es war nicht Sir Cloudesley.

Einige Riffe sind außerdem besonders berüchtigt: Allein bei den Crim Rocks haben 16 Wracks ihre letzte Ruhe gefunden. Insgesamt liegen mehr als 500 rund um die Inseln. Zehntausende Menschen ertranken.

Unsere Anreise verlief zum Glück friedlicher: Während unsere "Rolling Swiss 2" im Hafen von Plymouth auf eine Ersatzpumpe wartet (siehe BOOTE 01/2019), nutzen wir die Zeit für einen Ausflug zu den Isles of Scilly. Längst ist dieses abgeschiedene Fleckchen in der Sommersaison zum Touristenmagneten geworden. Wenn man nicht auf eigenem Kiel anreist, fliegt man mit der Turbopropmaschine ein oder macht die Überfahrt, so wie wir, an Bord der "Scillonian 3", die täglich zwischen Penzance in Cornwall und Hugh Town auf der Hauptinsel St. Mary’s pendelt, wo wir uns für zwei Nächte im Bell Rock Hotel eingemietet haben.

MITTWOCH, 27. JUNI: Heute steht Inselerkundung auf dem Programm; das Boot dafür, ein Powercat 525, den wir für einen Tag von Isles of Scilly Boat Hire gemietet haben, übernimmt Bertrand schon früh am Morgen. Dazu gibt es zwei 40-PS-Außenborder und ein kleines Dingi mit Paddeln, das auf dem Vorschiff zwischen den Bugkörben eingeklemmt ist. Ein Plotter ist auch an Bord und eine einzelne, von Salz und Sonne gebleichte Seekarte für den besseren Überblick.

Jede Menge Steine und Riffe sehen wir vor dem Ufer. Das friedliche Bild trügt also – aber warum sollte es im Inneren der Inseln auch anders sein als entlang ihres räuberischen, felsgespickten Äußeren?

Zudem haben wir heute ordentlich Wind, sicher vier Beaufort aus Südwest. Steif flattern die Flaggen vor dem Himmel. Aus der Landabschirmung geht es quer über den St. Mary’s Sound, wo die lange Dünung anrollt und wir gleich ordentlich Atlantik abbekommen. Kein Problem, das trocknet schnell! Eine gute Seemeile ist es hinüber nach St. Agnes, unserem ersten Ziel. 

Die vollständige Reportage lesen Sie in der Mai-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 17.04.19 am Kiosk gibt. 

Christan Tiedt am 13.04.2019