Shetland Shetland

Revier: Schottland

Britische Inseln – Shetland

Christian Tiedt am 28.02.2021

Am Rand der Welt: Wo Nordsee und Atlantik aufeinandertreffen, liegt der nördlichste Außenposten der Britischen Inseln: Shetland. Wikingererbe, wilde Küsten – und endlos weiter Horizont

Far Haaf – auf Shetland steht dieser Begriff für den Rand der Welt. "Das ferne Meer", so wird die Grenze der Fischgründe genannt, die von der Küste rund fünzig Seemeilen weit nach Westen hinaus in den Nordatlantik reichen. Dort, an der Außenkante des Kontinentalschelfs, fällt der Meeresboden plötzlich steil ab. Das letzte Land endet. Für Generationen von Shetländern gehörte das Risiko, in diesen schutzlosen Weiten nach Kabeljau, Leng und Hering zu jagen, zum Leben dazu. Ihre Ruderboote waren offene sixerns, schlanke Doppelender, nach nordischen Li­nien gebaut. Sturmerprobt und seeerfahren mussten die sechs Männer an Bord also sein, aber diese Qualifikation war ihnen in gewisser Weise ohnehin in die Wiege gelegt: Bereits um das Jahr 800 herum übernahmen norwegische Wikinger von den heimischen Pikten die Herrschaft über den felsigen Archipel und nannten ihn Hjaltland.

Auch wenn Shetland seit inzwischen fünf Jahrhunderten zu Schottland gehört, ist das Erbe der skandinavischen Siedler noch immer frisch und munter und reicht von hochoffizieller Symbolik wie der Regionalflagge, einem skandinavischen Kreuz in schottischen Farben, und dem aus den Sagas entlehnten Inselmotto Með lögum skal land byggja ("Mit dem Gesetz wird das Land erbaut") bis hin zu "weltlicheren" Aspekten wie dem Up Helly Aa in Lerwick. Nach altem Brauchtum werden dabei am letzten Dienstag im Januar die Wintergeister ausgetrieben. Dazu lodern allerorts echte Flammen, Fackeln und brennende Teerfässer. Tausende Wikinger bevölkern die Straßen, der Ehren-Jarl sorgt mit seiner gerüsteten Leibgarde für "Ordnung", und als Höhepunkt wird in der Dunkelheit der Nachbau eines Langschiffs angezündet. Danach geht die Feier erst so richtig los, mit Gesang und noch mehr Feuer – in der Kehle. Der folgende Mittwoch ist, ebenfalls traditionell, arbeitsfrei.

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Die Bindung zum Land der Ahnen ist aber auch auf dem Wasser erhalten geblieben. Das überrascht kaum; bis nach Bergen sind es nur rund 200 Seemeilen. Die schottische Hauptstadt Edinburgh ist dagegen mehr als 300 Seemeilen entfernt. Ganz zu schweigen von London, das irgendwo sehr weit im Süden liegen soll ... Von besonderer Bedeutung wurde der Seeweg zwischen Shetland und Norwegen während des Zweiten Weltkriegs, um wagemutige Agenten auf geheimem Weg zurück in ihr von Deutschland besetztes Heimatland zu schmuggeln. Dazu später mehr. Heute ist es zum Glück Fernweh, oft mit einem Schuss Abenteuerlust, das Besucher auf eigenem Kiel anlockt. Und damit sind nicht nur die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe gemeint, die in den Sommermonaten inzwischen zum gewohnten Bild gehören, sondern auch Sportskipper und Crews. Viele kommen aus Norwegen herüber, aber man sieht auch an­dere. In erster Linie sind es Segler, aber es kommen auch Mo­tor­yach­ten auf Langfahrt nach Shetland, etwa als Etappe auf dem Törn rund um die Nordsee. Dabei ist die Inselgruppe ein Revier für sich, mit rauen und sanften Seiten, einer lebendigen Hauptstadt, spektakulärer Natur und endlosen Möglichkeiten für Landgänge. Selbst das Wetter ist "abwechslungsreich". Aber nur Sonne ist eh langweilig, oder? 

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Christian Tiedt am 28.02.2021
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